Sturm-Sportchef Parensen: "Da haben wir noch Luft nach oben"
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Sturm-Sportchef Parensen: "Da haben wir noch Luft nach oben"

Der Sportchef des SK Sturm Graz spricht im Interview über das laufende Transferfenster, den richtigen Mix im Team und unmoralische Angebote.

Nach zwei Meisterschaften en Suite musste der SK Sturm Graz in der Vorsaison dem LASK den Vortritt lassen.

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Die ersten vier Wochen der noch jungen Saison waren für die Grazer direkt turbulent. Neun Spiele, davon vier in der Qualifikation zur UEFA Champions League. Am Ende scheiterte man trotz couragiertem Auftritt an Fenerbahce.

International gut, national ausbaufähig

In der Liga ist man zwar noch ungeschlagen, zwei Remis gegen die Underdogs aus Lustenau und Wattens trübten die Stimmung aber etwas.

Wenige Tage vor dem Ende des Transferfensters hat sich Sportchef Michael Parensen nun Zeit für ein Interview mit 90minuten genommen.

Der 40-jährige Deutsche spricht dabei über die Kaderplanung, die Kunst, den richtigen Mix zu finden, unmoralische Angebote für Leistungsträger und die weiteren Ziele.

90minuten: Auch wenn die Saison gefühlt gerade erst begonnen hat, hat der SK Sturm Graz bereits neun Pflichtspiele absolviert. Wie fällt Ihre Bilanz der ersten vier Wochen aus – zufrieden oder gibt es Punkte, bei denen Sie sich mehr erwartet haben?

Michael Parensen: Grundsätzlich sind wir zufrieden, wie wir dastehen und wie die ersten Wochen gelaufen sind. Wir haben einen guten Teamspirit entwickelt und sind in den Spielen auf europäischer Bühne an unser Leistungsmaximum gekommen. Daher stehen wir auch verdient in der Europa League.

90minuten: In der Bundesliga ist die Bilanz mit zwei Siegen und zwei Remis allerdings etwas durchwachsener.

Parensen: In der Liga haben wir bisher weder die Leistungen noch die Ergebnisse eingefahren, die wir uns zum jetzigen Zeitpunkt erwünscht hätten. Da haben wir sicherlich noch Luft nach oben.

90minuten: Sie haben in diesem Transferfenster mit Simon Seidl, Jürgen Heil und Ersatzkeeper Ammar Helac viel Erfahrung aus der Bundesliga ins Team geholt. Was waren da die Gedanken?

Parensen: Fangen wir bei Helac im Tor an. Er hat als erfahrener Torhüter gezeigt, dass auf ihn Verlass ist, wenn er gebraucht wird. Bei den erfahreneren Neuzugängen Heil und Seidl, die die Liga schon kennen, wollten wir Stabilität, Struktur und eine gewisse Mentalität in die Mannschaft bekommen. Da sind wir bisher sehr zufrieden, wie sie das machen.

90minuten: Mit Luis Balbo, Petar Petrovic, Nelson Weiper und Valmir Matoshi kamen auch wieder junge, talentierte Spieler aus dem Ausland. Was zeichnet die Neuen aus?

Parensen: Es ist immer auch unser Weg, junge, entwicklungsfähige Spieler wie Petrovic oder Balbo in den Kader zu holen. Da geht es dann auch darum, Ablösen zu generieren, wie es zum Beispiel jetzt bei Mitchell passiert ist. Beide machen einen sehr guten Eindruck, haben aber auch noch Schritte zu gehen. Zusätzlich wollten wir auch Qualität über Leihen dazuholen. Weiper bringt ein Riesenpotenzial mit, das er hoffentlich bei uns zeigen kann. Matoshi ist eine Ergänzung im zentralen Mittelfeld, weil er dieses Box-to-Box-Element mitbringt, das wir so noch nicht hatten.

Joshua Quarshie mit den deutschen Top-Talenten Tom Bischoff (Bayern) und Said El Mala (Köln).
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Joshua Quarshie mit den deutschen Top-Talenten Tom Bischoff (Bayern) und Said El Mala (Köln).

90minuten: Am Donnerstag haben Sie mit Joshua Quarshie den Mitchell-Nachfolger präsentiert. Was bringt der großgewachsene Innenverteidiger mit?

Parensen: Quarshie ist deutscher U21-Nationalspieler. Er fällt wie Weiper unter die Rubrik der Leihspieler, die dem Kader nochmal Qualität hinzufügen. Er bringt sehr viel mit, ist beidfüßig, groß und kopfballstark. Zusätzlich hat er eine gute Zweikampfstärke und ist extrem schnell. Im Endeffekt bringt er ein ähnliches Profil mit, das wir mit Mitchell verloren haben.

90minuten: Sturm hat in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich mit jungen Spielern gearbeitet und diese auch teuer weiterverkauft. Wie schwer ist es, diesen Mix aus Erfahrung und Jugend zu finden?

Parensen: Es ist sicherlich die Kunst, eine gute Struktur innerhalb der Mannschaft zu haben. Wir haben einen gewissen Umbau moderiert. Einige Spieler, die lange den Verein geprägt haben, sind nicht mehr da. Dafür sind neue dazugekommen, die das gut machen und weiterleben. Es ist unerlässlich, dass du diese Achse an erfahrenen Spielern hast, die Leistungsträger auf dem Platz und Wortführer außerhalb des Platzes sind und gleichzeitig die jungen Spieler integrieren.

90minuten: Wie sind Sie da vorgegangen?

Parensen: Wir wollten in diesem Transferfenster auf zwei Säulen setzen. Wir nehmen auf der einen Seite eigene Spieler, die wir aus dem eigenen Nachwuchs entwickeln wollen und die sich an den älteren und erfahrenen Spielern orientieren können. Und als zweite Komponente im Endeffekt noch die internationalen Talente, die Sturm Graz als Sprungbrett nutzen sollen – beide diese Säulen setzen auf den Faktor Entwicklung und im Endeffekt sollen mit diesen Spielern natürlich auch Ablösesummen generiert werden, auf die wir angewiesen sind.

Da sind wir aktuell auf einem guten Weg. Aber natürlich ist das immer wieder ein Abwägen, wie viel Jugend nehme ich dazu und wie viel Verlässlichkeit möchte ich haben. Da ist ein guter Austausch mit dem Trainer wichtig, denn der muss ja dann die Ergebnisse einfahren. In zweiter Linie ist dann die Entwicklung entscheidend. Der Verein wiederum muss immer auch die Langfristigkeit im Blick haben. Dementsprechend ist eine gute Kommunikation wichtig und da habe ich ein gutes Gefühl, dass das funktioniert.

Es ist für uns unerlässlich, solche Transfers zu tätigen. Zum Teil auch in dieser Höhe. Dass wir dadurch aber jetzt wahnsinnigen finanziellen Spielraum für große Einkäufe hätten, ist nicht der Fall.

Michael Parensen über teure Verkäufe.

90minuten: Das Transferfenster hat noch bis 3. September offen. Wie weit sind Sie in den Kaderplanungen? Wollen Sie auf der Zugangsseite noch was machen?

Parensen: Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden, wie es bisher gelaufen ist. Wir haben uns in allen Mannschaftsteilen verstärkt und neue Qualitäten dazubekommen. Aber wir halten natürlich weiter die Augen und Ohren offen. Grundsätzlich ist es aber nicht geplant, dass wir noch große Transferbewegungen haben werden. Wir wissen aber auch, dass in den letzten Tagen eines Transferfensters immer noch was Verrücktes passieren kann.

90minuten: Wie gut ist der Kader für die anstehende Dreifachbelastung gerüstet?

Parensen: Wie sehen uns da breit genug aufgestellt. Jede Position ist doppelt besetzt, teilweise sogar dreifach. Insofern sind wir happy. Wir haben viele Anwärter, die auch den Anspruch haben, von Beginn an zu spielen. Dementsprechend ist die Leistungsdichte sehr hoch. Entscheidend wird es sein, die richtige Kombination an Spielern für die jeweiligen Spiele zu finden.

90minuten: Sie haben bereits Jeyland Mitchell angesprochen. Kolportiert hat der Spieler Sturm acht Millionen Euro gebracht – wie viel finanziellen Spielraum schafft ein solcher Transfer tatsächlich?

Parensen: Das ist ein großes Thema, das wir die letzten Jahre immer wieder hatten. Im Endeffekt sind wir darauf angewiesen, Transfererlöse zu generieren, auch weil wir den strukturellen Nachteil im Vergleich zu Wien, Linz oder Salzburg durch das Stadion haben. Es ist für uns unerlässlich, solche Transfers zu tätigen. Zum Teil auch in dieser Höhe. Dass wir dadurch aber jetzt wahnsinnigen finanziellen Spielraum für große Einkäufe hätten, ist nicht der Fall. Wir haben in den letzten zwei Jahren auch viel in die Akademie bzw. das neue Trainingszentrum in Puntigam investiert. Insofern schafft der Transfer eine gute Basis, auf der wir weiterarbeiten können.

Luca Weinhandl und JP Hödl: Die jungen Wilden beim SK Sturm Graz.
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Luca Weinhandl und JP Hödl: Die jungen Wilden beim SK Sturm Graz.

90minuten: Die Leistungen auf internationaler Bühne wecken Begehrlichkeiten. Speziell Luca Weinhandl und JP Hödl haben im vergangenen Jahr einen enormen Schritt gemacht, sind inzwischen auch Identifikationsfiguren. Wo liegt für Sturm die Grenze zwischen "Wir wollen den Spieler unbedingt halten" und "Bei diesem Angebot müssen wir verkaufen"?

Parensen: Das ist am Ende des Tages die Kunst. Da geht es vor allem darum, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Wann ist ein Spieler dem Klub entwachsen oder wann hat er den maximalen Marktwert erreicht, um ihn zu verkaufen. Bei den gerade angesprochenen Spielern spielt das aktuell aber überhaupt keine Rolle. Wir haben das Gefühl, dass sie bei uns sehr gut aufgehoben sind. Sie haben extrem große Schritte in den letzten acht, neun Monaten gemacht und daher sind wir überzeugt, dass sie mindestens in dieser Saison sich bei uns weiterentwickeln und Leistung bringen sollen. Wir sind überzeugt, dass da noch zwei, drei Schritte möglich sind, auch bei Sturm Graz, um dann irgendwann den nächsten größeren Schritt zu gehen.

90minuten: Wie schwer ist es für Sie als Sportdirektor, immer darauf vorbereitet zu sein, dass jederzeit ein unmoralisches Angebot für einen wichtigen Spieler kommen kann und dass man diesen dann vor allem am Ende des Transferfensters schnellstmöglich ersetzen muss?

Parensen: Wir sind aktuell in der komfortablen Situation, dass wir auf unmoralische Angebote nicht eingehen müssen. Durch den Verkauf von Mitchell haben wir eine gute Basis geschaffen. Aber am Ende des Tages ist es immer die Aufgabe des Sportdirektors, jederzeit auf Abgänge von Spielern reagieren zu können. In der Regel kann man das ganz gut planen. Bei Mitchell wussten wir schon zu Beginn, dass etwas passieren könnte. Daher haben wir mit Petrovic jemanden geholt, der in diese Rolle hineinwachsen kann. Kurzfristig machen wir mit Quarshie noch einen Leih-Transfer, um die Qualität und Dichte im Kader hochzuhalten. Und so ist das dann auch bei anderen Spielern. Wenn Spieler ihre Leistung bringen, können wir Sachen antizipieren. Wann diese Angebote aber kommen, können wir nicht immer antizipieren. Aber aktuell sind wir sehr entspannt und haben unsere Ideen im Hinterkopf, sollte in den kommenden Transferfenstern etwas passieren.

Es wird weiterhin ein großer Punkt sein, die eigenen jungen Spieler zu entwickeln. Ich glaube aber auch, dass es schwieriger wird, sich in den nächsten Jahren international zu qualifizieren.

Michael Parensen über die Ansprüche.

90minuten: Für viel Wirbel sorgte in den letzten beiden Wochen auch eine mögliche Verpflichtung von Yann Massombo. Da gab es am Ende viele Vorwürfe von allen Seiten. Wie blicken Sie mit etwas Abstand auf diese Causa?

Parensen: Wir haben das vom ersten Moment an so eingeschätzt, dass da jetzt nichts Ungewöhnliches oder Schlimmes passiert ist. Dass ein Trainer mit einem Spieler Kontakt hat, ist in Transferperioden nicht ganz ungewöhnlich. Was dann danach passiert ist bzw. sich weiterentwickelt hat, ist eine Geschichte zwischen Altach und dem Spieler selbst. Wir können von Sturm-Seite nur sagen, dass es unglücklich gelaufen ist. Im Endeffekt haben wir aber nichts dazu beigetragen, dass sich ein Spieler weigert zu spielen.

90minuten: Mit Matoshi kam vor wenigen Tagen ein neuer Mittelfeldspieler. Ist Yann Massombo für Sturm damit endgültig kein Thema mehr?

Parensen: Massombo war ein Spieler aus der Bundesliga, den wir beobachtet haben. Aber es war nie der Fall, dass wir kurz vor einer Verpflichtung standen. Das wurde so auch falsch berichtet. Am Ende des Tages haben wir uns für einen anderen Spieler entschieden. Man hat nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B, einen Plan C oder Plan D. Das ist ganz normal. So haben wir mit Matoshi unseren Plan A bzw. Wunschspieler verpflichtet.

90minuten: Sturm hat in den vergangenen Jahren zwei Meistertitel gewonnen, international für Aufsehen gesorgt und sich wirtschaftlich entwickelt. Was ist aus Ihrer Sicht der nächste Schritt, den dieser Klub machen muss?

Parensen: Es wird weiterhin ein großer Punkt sein, die eigenen jungen Spieler zu entwickeln. Ich glaube aber auch, dass es schwieriger wird, sich in den nächsten Jahren international zu qualifizieren. Die Chance dazu müssen wir uns Jahr für Jahr über die Liga erarbeiten. Da gilt es auch, an den Erfolgen der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Wir haben eine neue Mannschaft, mit vielen jungen Spielern. Das wird immer Teil von Sturm Graz sein. Wenn wir weiter unsere Leistungen bringen, dann können wir ein attraktiver Arbeitgeber für junge Fußballer in Europa bleiben.

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