Sportstadtrat Hacker: "Wird in Wien kein Bernabeu-Stadion geben"
Foto © Gabriel Monthaler/Stadt Wien

Sportstadtrat Hacker: "Wird in Wien kein Bernabeu-Stadion geben"

Diskussionen über ein Nationalstadion, Stadionpläne von FAC und Vienna, eine anstehende Fußball-WM - es gibt viele aktuelle Themen, die Wiens Sportstadrat Peter Hacker beschäftigen.

Wenn man mit Wiener Fußballvereinen über Infrastruktur spricht, zeigen viele Finger in Richtung Rathaus. Dort sitzt Sportstadtrat Peter Hacker. In seiner Schublade liegen unter anderem die Pläne für ein neues FAC-Stadion.

Anders als in den vergangenen Jahren fehlt für große Bauprojekte derzeit aber das Geld. Die Stadt Wien hat sich einen Sparkurs auferlegt, der vor keinem Ressort Halt macht. Üppige Investitionen, wie rund 20 Millionen für das neue Stadion des Wiener Sport-Clubs, werden in den kommen Jahren eher Ausnahme als Regel bleiben.

Trotzdem lasten große Erwartungen auf Hacker, der in Wien Lösungen für viele Herausforderungen finden muss. Im Interview mit 90minuten spricht er über Rufe nach einem Nationalstadion, den Post SV und viele schwer finanzierbare Projekte.

90minuten: Vor kurzem ist die Bundesliga-Saison zu Ende gegangen. Im Männerfußball war es aus Wiener Sicht kein glorreiches Jahr. Schmerzt Sie das?

Peter Hacker: Das Fußballherz weint natürlich, der Titel gehört nach Wien. Ich gehe aber davon aus, dass beide Mannschaften darüber nachdenken werden, was sie besser machen können. Auf der anderen Seite freut es mich extrem, dass die Frauen der Austria zum ersten Mal das Double gewinnen konnten.

90minuten: Sie selbst sind ja deklarierter Rapid-Anhänger…

Hacker: Daraus mache ich kein Geheimnis, mein Herz war immer schon bei der Rapid und das wird sich auch nicht mehr ändern. Für meine sportpolitischen Entscheidungen hat das aber überhaupt keine Bedeutung.

Ich bin von meinem Vater geprägt und freue mich wie eine Brezel, wenn Rapid gewinnt.

Stadtrat Peter Hacker

90minuten: In der Wiener Politik gilt ohnehin, dass man sich für einen der beiden Vereine entscheiden muss. Wie ernst ist es Ihnen wirklich damit?

Hacker: Ich werde keinen Namen nennen, kenne aber genug Politiker, denen der Fußball vollkommen egal ist. Auch das ist legitim. Ich bin von meinem Vater geprägt und freue mich wie eine Brezel, wenn Rapid gewinnt. Zuletzt ist das nicht so oft vorgekommen – aber immerhin spielen sie auch kommende Saison wieder europäisch. Mein Job als Sportstadtrat ist es aber ohnehin nicht, meiner persönlichen Leidenschaft zu frönen, sondern allen Fans und Vereinen, Raum und Möglichkeiten zu bieten. Ich weiß das sehr genau zu unterscheiden.

90minuten: Um Raum und Möglichkeiten zu schaffen, wurde vor Jahren der Entwicklungsplan 'Sport.Wien.2030' angestoßen. In diesem Rahmen sollten diverse Sportstätten in Wien aufgewertet werden. Wie viele Vorhaben daraus wurden bereits umgesetzt – wie viele bleiben noch offen?

Hacker: Alles, was bis zum aktuellen Zeitpunkt umgesetzt werden sollte, haben wir umgesetzt. Das Ergebnis ist cooler geworden, als ich es mir erhofft habe. Auch wenn ich beispielsweise die Planung der Sport Arena ab dem ersten Federstrich begleitet habe. Es ist natürlich schön, wenn man sieht, wie sich alle darüber freuen, was dort geschaffen wurde. Gleiches gilt aber auch für die anderen Sportplätze, wo sich Spielerinnen und Spieler über die neuen Garderoben, das neue Vereinsgebäude oder die neue Tribüne freuen.

Wir haben in der ganzen Stadt jene Sportplätze, die im schlechtesten Zustand waren, zu Schmuckkästchen gemacht. Das wurde zuvor nach einer sehr gründlichen Analyse kategorisiert und die Dringlichkeit festgestellt. Aktuell wird Phase 2 unseres Programms umgesetzt. Die Grobplanung für Phase 3 existiert, Kernproblem ist im Augenblick die Finanzierungsfähigkeit. Die öffentlichen Haushalte stehen bekanntlich unter Druck, daher können wir im Augenblick den Zeitplan nicht so fortsetzen, wie wir es gerne würden. Sobald sich das Thema Finanzierung lösen lässt, wird die nächste Gruppe drankommen.

Großes Aushängeschild des Sportstätten-Entwicklungsplans ist die 'Sport Arena Wien'
Foto © wien holding / David Bohmann
Großes Aushängeschild des Sportstätten-Entwicklungsplans ist die 'Sport Arena Wien'

90minuten: Sie sprechen die Finanzierung selbst an, die bei vielen Infrastrukturprojekten zum Problem wird. Die Kosten von Bauvorhaben sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Für die Erneuerung der Sportstätten hat die Stadt in Summe 400 Millionen Euro ausgegeben. Haben Sie dafür das bekommen, was Sie sich am Anfang vorgestellt haben?

Hacker: Es war uns von Anfang an klar, dass wir den Baukostenindex berücksichtigen müssen. Dass er so explosionsartig ansteigt, konnte damals aber niemand vorhersehen. Das betrifft in meinem Ressort aber nicht nur den Sport, sondern auch Spitäler und andere Bauvorhaben. Hier eine Stabilisierung herbeizuführen, ist Aufgabe der gesamtösterreichischen Politik, damit wir insgesamt wieder in eine prosperierende Wirtschaftslage kommen.

90minuten: Mit ihrem Programm sollte nicht nur die Qualität der Sportanlagen gehoben, sondern auch Kapazitäten erhöht werden. Gibt es eine Schätzung, wie viele zusätzliche Plätze für Fußball zur Verfügung stehen?

Hacker: Nicht sehr viele, aber doch einige. Alleine auf dem ÖFB-Campus ist eine Fläche entstanden, die zum Teil auch Wiener Vereinen zur Verfügung gestellt wird. Durch den Umzug des ÖFB werden Anlagen beim Praterstadion frei und wir haben auf einigen Anlagen neue Plätze geschaffen. Als wir angefangen haben, hatten wir definitiv Verbesserungspotenzial beim Management der Sportflächen. Zu viele waren nicht optimal ausgelastet. Das ist schon besser geworden, Luft nach oben gibt es aber auch noch. Als Stadt haben wir eine Fläche zur Verfügung, die nicht von selbst wächst. Die Expansionsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Deswegen müssen wir gut mit den vorhandenen Ressourcen haushalten.

Auf einigen Anlagen war ich einigermaßen fassungslos über die baulichen Zustände, die ich zu Beginn meiner Tätigkeit vorgefunden habe.

Hacker über die Wiener Sportstätten

90minuten: Vor allem im Fußball ergibt sich aus dieser Limitierung eine Herausforderung, weil der Männerbereich nicht schrumpft, der Mädchen- und Frauenbereich aber wachsen soll. Inwiefern wurde das bei den bisherigen Maßnahmen mitgedacht?

Hacker: Wir evaluieren die Sportanlagen der Stadt ständig. Wie intensiv ist die Nutzung? Wie hoch ist der Nutzungsgrad? Da sehen wir in etlichen Bereichen Raum für Verbesserung. Anders gesagt: Es können auf den bestehenden Flächen weitere Ressourcen geschaffen werden. Deswegen führen wir Gespräche mit Pächtern, von denen die allermeisten unser Anliegen verstehen. Dort, wo es Schwierigkeiten in der Transformation gibt, wird man manchmal mit ein bisschen Nachdruck arbeiten müssen.

90minuten: Wäre es nicht ein Ansatz, Untervermietungen stärker zu regulieren?

Hacker: Diese Diskussion gibt es, ja. Als Stadtrat kann ich sie aber nur führen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und ich mir im Klaren darüber bin, welche Alternativen es gibt. Es braucht Geduld, eine Gesprächskultur und eine Vertrauensbeziehung. Den Pächter zu wechseln, ist eine ultima ratio, mit der man sehr vorsichtig umgehen sollte. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich Frauensport fördern möchte. Auf einigen Anlagen war ich einigermaßen fassungslos über die baulichen Zustände, die ich zu Beginn meiner Tätigkeit vorgefunden habe. In dieser Hinsicht haben wir in den letzten Jahren viel weitergebracht.

90minuten: Wenn die Platzmiete eines Amateurvereins bereits ein Viertel dessen ausmacht, was ein Bundesligist pro Saison für sein Stadion bezahlt, ist das ein Brocken, den man erst einmal stemmen muss.

Hacker: Ich widerspreche nicht. Wir sind dabei, korrigierend einzugreifen.

90minuten: Große Sorgen gibt es aktuell um die Anlage des Post SV im 17. Bezirk. Eigentümerin ist hier die Post AG, die Teile des Grundstücks künftig für Wohnbau nützen könnte. Wie sehen Sie Ihre Rolle in dieser Causa?

Hacker: Es wird einen neuen Vereinsvorstand geben, beide Kandidaten haben sich bei mir vorgestellt. Ich verstehe die Emotion. Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Eltern wissen, dass ich mich dafür einsetze, dass dort weiterhin Sport in großer Vielfalt stattfinden kann. Unsere direkte Einflussmöglichkeit ist sehr gering, weil die Stadt hier nicht Eigentümerin ist. Auf dem gesamten Gelände besteht grundsätzlich Sportstättenschutz - das ist eine Stärke, die wir in Wien im Vergleich zu anderen Bundesländern haben. Die Post weiß auch, dass wir diese Karte im Fall der Fälle zücken würden. Es wird aber nicht notwendig sein. Ich bin davon überzeugt, dass man wieder eine konstruktive Gesprächsbasis herstellen kann.

Wenn wir gerade nicht wüssten, wohin mit unserem Geld, könnte man darüber diskutieren.

Über eine Rasenheizung im Sport-Club-Stadion

90minuten: Bleiben wir in Hernals. Das neue Sport-Club-Stadion ist unbestritten eine Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum hat man keine Rasenheizung eingebaut, um es auch gleich bundesligatauglich zu machen?

Hacker: Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Sport-Club zeitnah einen Aufstieg in die Bundesliga in Aussicht hat. Daher sehe ich den Bedarf zurzeit nicht und für Spiele der Frauen-Nationalmannschaft brauchen wir keine Rasenheizung. Es geht hier auch um den vernünftigen Einsatz von Steuergeld. Wenn wir gerade nicht wüssten, wohin mit unserem Geld, könnte man darüber diskutieren. Dann müsste aber auch der Sport-Club die Betriebskosten dafür tragen.

90minuten: Die letzte Bundesliga-Saison des Sport-Clubs ist tatsächlich lange her. Ich habe sie nicht miterlebt.

Hacker: Ich schon. Mit fünf Jahren hat mich mein Vater zu einem Rapid-Spiel beim Sport-Club mitgenommen. Als kleiner Knirps war ich damals erstaunt, wie lautstark sich mein Vater, grün-weiß bis in die Knochen, und mein Onkel, schwarz-weiß bis in die Knochen, dort angeplärrt haben. Lieb hatte ich beide, aber die Solidarität war natürlich beim Vater. Deswegen bin ich Rapid-Fan geworden. Das war damals noch im ganz alten Sport-Club-Stadion. Mit dem Neubau haben wir alle Zertifizierungen geschafft und können jetzt alle Spiele spielen, die dort gespielt werden sollen.

Das neue Sport-Club-Stadion wurde Mitte April eröffnet
Foto © 90minuten
Das neue Sport-Club-Stadion wurde Mitte April eröffnet

90minuten: Das Hauptargument für die Bundesligatauglichkeit wäre, dass damit für Vienna und FAC ein zusätzliches Ausweichstadion existieren würde. Mit ihren eigenen Stadien können sie ja nicht aufsteigen, derzeit bleibt vor allem die Generali-Arena.

Hacker: Sollte es wirklich geschehen, dass einer dieser Vereine oder vielleicht sogar beide aufsteigen, werden wir mit Sicherheit Lösungen in Wien finden. Wir haben drei große Stadien zur Verfügung. Diese Sorgen habe ich dann gerne.

90minuten: Wenn man mit Vienna und FAC über ihre Ambitionen und Pläne zum Thema Infrastruktur spricht, verweisen sie in aller Regel an die Stadt, weil sie die Projekte als Eigentümerin der Plätze zumindest großteils finanzieren müsste. Die Vereine selbst wären dazu auch gar nicht in der Lage…

Hacker: Deswegen muss man schauen, dass die Kirche im Dorf bleibt. Es gibt klare Grenzen der Bereitschaft, welche Infrastrukturkosten man dem Steuerzahler zumuten kann. Auf der Hohen Warte entwickelt sich möglicherweise ein hochspannendes Projekt. Momentan gibt es wieder eine Idee, die sich jetzt konkretisieren muss. Dass es sich aufdrängt, dort in den nächsten zehn Jahren eine coole Sportstätte zu schaffen, steht außer Frage. Das Projekt für den FAC bewegt sich inzwischen in einer guten Dimension. Es geht um eine Verbesserung der bestehenden Tribünen und die Totalsanierung einiger anderer Teile. Es steht außer Zweifel, dass wir diesen Plan realisieren werden. Wann es passiert, ist abhängig von den Münzen im Börserl. Die Vereine müssten sich den Betrieb der neuen Stadien aber auch leisten können. Im Augenblick "leisten" wir uns beispielsweise im Happel-Stadion Fußballspiele, die für uns als Betreiber permanent defizitär sind.

Als ich vor Jahren mit Vereinen und Verbänden über Frauensport gesprochen habe, haben die meisten alten Männer die Augen verdreht.

Peter Hacker

90minuten: Vor allem in der Bundesliga lässt sich beobachten, dass die Vereine es gut verstehen, Druck auf die Landes- und Stadtregierungen auszuüben. Wenn beispielsweise in Vorarlberg ein Bauprojekt gefördert wird, stellt man sich in Tirol medienwirksam die Frage, warum es dort nicht auch möglich ist. Sorgt Sie diese Entwicklung?

Hacker: Das ist verständlich und kommt ja eigentlich immer vor. Bei dem, was wir in Sportstätten investiert haben, brauchen wir keinen Vergleich zu scheuen. Ich sage aber offen, dass der Hauptfokus meines politischen Tuns und Wollens der Breitensport ist. Mir ist bewusst, dass dieser sich nicht vom Spitzensport entkoppeln lässt. Man braucht Vorbilder und das Streben nach oben. In erster Linie soll es aber um die Kinder und Jugendlichen unserer Stadt gehen. Zusätzlich möchte ich in männerlastigen Sportarten die Frauensparte besonders unterstützen. Ich freue mich auch schon, wenn wir in der nächsten Saison ein Frauen-Derby zwischen Rapid und Austria sehen. Als ich vor Jahren angefangen habe und mit Vereinen und Verbänden über Frauensport gesprochen habe, haben die meisten alten Männer die Augen verdreht. Heute verdreht keiner mehr die Augen.

90minuten: Ich würde sagen, es hat sich reduziert.

Hacker: Es gibt immer Männer, die unverbesserlich sind. Man merkt inzwischen, dass in den Vereinen intensiv gearbeitet wird. Das ist auch am sportlichen Niveau erkennbar, das sich deutlich verbessert hat.

90minuten: Vor dem Rathaus wird gerade das Areal abgebaut, das dort für den Song-Contest geschaffen wurde. Für die Stadt war das Event eine große Plattform. Wie stehen die Chancen, dass wir in den nächsten Jahren in Wien ein Fußball-Großereignis jeglicher Art erleben werden.

Hacker: Das hängt vom ÖFB ab.

90minuten: Grundsätzlich könnte sich Wien ja auch selbst als Austragungsort bewerben. 2020 hätte das Champions-League-Finale der Frauen stattfinden sollen. In Salzburg geht im Sommer der UEFA-Super-Cup über die Bühne.

Hacker: Die Bewerbung läuft immer über den Verband. Mir ist nicht bekannt, dass es derzeit Interessen in diese Richtung gibt. Wenn man sich den Aufwand ansieht, den solche Veranstaltungen mit sich bringen, stellt sich auch die Frage nach der Kosten-Nutzen-Rechnung. Ich finde es im Rahmen der Weltmeisterschaft ja auch ein gewagtes Unterfangen, von Fans zu verlangen, dass sie quer über Kontinente fliegen, um ihre Mannschaft spielen zu sehen. Der UEFA-Chef hat bei der Eröffnung des ÖFB-Campus kritische Worte gefunden, die ich gescheit fand.

Peter Hacker bei der Eröfnung des ÖFB-Campus (2. v. Rechts)
Foto © GEPA
Peter Hacker bei der Eröfnung des ÖFB-Campus (2. v. Rechts)

90minuten: Es ist nicht der einzige Kritikpunkt, dem die Weltmeisterschaft ausgesetzt ist. Insbesondere die Politik der USA und der Kurs der FIFA entwickeln sich derzeit weg von Werten, die sich Wien auf die Fahnen heftet. Trübt das Ihre Vorfreude ein Stück weit?

Hacker: Ich freue mich trotzdem darauf, die Burschen anzufeuern. Es war für mich aber wichtig, den offensichtlichen Dissens zwischen der UEFA und der FIFA zu sehen. Ich halte es für unerlässlich, dass der Profisport sich letztlich auch daran orientiert, was seine Fans wollen und brauchen.

90minuten: Wenn ich Ihre Aussagen richtig interpretiere, nehme ich an, dass Sie Boykott-Forderungen rund um die WM 2026 wenig abgewinnen können.

Hacker: Ja. Man müsste sich mit solchen Themen schon vor der Festlegung auf einen Austragungsort beschäftigen. Bei der Vergabe mitzustimmen und zu schweigen und nachher daraufzukommen, dass man doch ein Anliegen hätte - davon halte ich nichts.

Es ist einfach nicht realisierbar, weil wir keine Klubmannschaft haben, die regelmäßig dort spielt.

Über ein Nationalstadion in Wien

90minuten: Sollte die Weltmeisterschaft aus österreichischer Sicht erfolgreich verlaufen, wird es erneut Forderungen nach einem möglichen Nationalstadion in Wien geben. Ist in dieser Thematik mit neuen Entwicklungen zu rechnen?

Hacker: Wir werden das bestehende Stadion weiterentwickeln. Ein neues Bernabeu-Stadion wird es in Wien nicht geben. Im Praterstadion spielt derzeit nur die Nationalmannschaft, glücklicherweise sehr erfolgreich. Damit sind fünf Tage im Jahr ausgelastet, wir müssen aber auch in den restlichen 360 Tagen im Jahr Geld für diese Infrastruktur verdienen. Ich verstehe die Emotion. Es ist aber einfach nicht realisierbar, weil wir keine Klubmannschaft haben, die regelmäßig dort spielt.

90minuten: Derzeit wird das Stadion mit Konzerten bespielt, das könnte man ja durchaus in Zukunft beibehalten. Bräuchte es wirklich zwingend regelmäßige Fußballspiele?

Hacker: Die entscheidende Fläche bei Konzerten ist die Fläche im Innenraum. Veranstalter sind sehr glücklich damit, dass es eine Laufbahn und im internationalen Vergleich viel Platz um das Spielfeld gibt. Mit unserem Stadion haben wir also aktuell sogar ein Asset. Damit verdienen wir auch unser Geld. Ist es realistisch, ein Stadion mit rund 70.000 Sitzplätzen über das ganze Jahr so zu bespielen, dass man sich die Betriebskosten einer solchen Einrichtung leisten kann? Ich bin traurig darüber, aber die realistische Antwort lautet: Nein.

90minuten: Wenn die Messlatte so angelegt ist, wird sich in den nächsten Jahren wenig tun.

Hacker: Wir werden jedenfalls Verbesserungen vornehmen. Ich finde die Gastrosituation nicht erquicklich. Und die Häusl-Situation - das kann man ruhig so schreiben - ist unerträglich. Der Stadionbesuch muss komfortabler werden. Derzeit werden Pläne und Vorschläge dafür ausgearbeitet.

90minuten: Ist die Umsetzung dieser Pläne dann auch finanzierbar?

Hacker: Alle Maßnahmen müssen sich natürlich finanziell darstellen lassen. Ich bin mir sicher, dass das der Fall sein wird.



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