So denkt man in Algerien über Österreichs Nationalteam
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So denkt man in Algerien über Österreichs Nationalteam

Ältere Fans des letzten ÖFB-Gruppengegners haben mit Österreichs Nationalteam noch eine Rechnung offen. Was erwartet man sich darüber hinaus aus algerischer Sicht von Ralf Rangnicks Mannschaft?

Algeriens Nationalmannschaft spielt gerade ihre zweite Weltmeisterschaft. Bei der Beendigung des ersten WM-Abenteuers 1982 hatte Österreich auf unrühmliche Weise die Füße im Spiel.

Bei der Schande von Gijon, einer 0:1-Niederlage gegen die BRD, fand sich Österreich zur Halbzeit mit der Niederlage ab, um gemeinsam mit den Deutschen in die zweite Runde einzuziehen. "Jeder, der den algerischen Fußball verfolgt, weiß davon - auch die jüngere Generation", meint Maher Mezahi.

Der Journalist ist in Kanada aufgewachsen, später aber in das Heimatland seiner Eltern zurückgekehrt, um dort über Fußball zu berichten. Mezahi ist ein ausgewiesener Experte für den afrikanischen Kontinent und unter anderem im Podcast 'African Five-a-Side' zu hören.

Er wisse nicht, ob sich die Erinnerungen an 1982 auf die Stimmung im Stadion auswirken würden. Jedenfalls sei es aber ein prägender Moment in Algeriens Fußballgeschichte gewesen.

Die Nationalteams von Österreich und der BRD vor dem Spiel in Gijon 1982
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Die Nationalteams von Österreich und der BRD vor dem Spiel in Gijon 1982

Sogar eine direkte Verbindung gibt es: Der Vater von England-Legionär Mohamed Belloumi, Lakhdar, stand vor 44 Jahren über 66 Minuten gegen Prohaska, Krankl und Konsorten auf dem Platz.

Welchen Namen verbindet Mezahi aus heutiger Sicht am meisten mit dem ÖFB-Team? Marko Arnautovic, lautet die Antwort, ohne zu zögern. Auch von Ralf Rangnick hält er angesichts seiner tiefen Einflüsse auf den modernen Fußball viel.

Unromantische Voraussetzungen

Wer in Österreich angesichts hoher Reisekosten und unwirtlicher Anstoßzeiten über die Weltmeisterschaft 2026 klagt, weiß vielleicht gar nicht, wie viel schlimmer es sein könnte.

In der Heimat gebliebene ÖFB-Fans mussten gegen Jordanien (6 Uhr) zwar früh aufstehen, bekamen das zweite Gruppenspiel gegen Argentinien aber immerhin zur besten Sendezeit (19 Uhr) serviert.

Algerien hat mangels Sommerzeit eine Stunde Rückstand auf Österreich, dazu kommt aber auch ein undankbarer Spielplan. Die ersten beiden Gruppenspiele gingen - wie die Partie gegen Österreich um 4 Uhr - tief in der Nacht über die Bühne.

Auch der Support in den Staaten wird Fans der 'Fennecs' nicht leicht gemacht. Für ein US-Tourismusvisum müssen in Algerien 10.000 Dollar als Sicherheit hinterlegt werden.

"Ich habe mich bei der Botschaft erkundigt. Allzu viele Leute, die sich darauf eingelassen haben, dürfte es nicht geben", sagt Mezahi. Im Stadion werden sich vor allem jene mit bereits bestehenden Einreisegenehmigungen und Mitglieder der Diaspora finden.

Vergleich mit Deutschland

Auf die Wahrnehmung von Österreichs sportlicher und taktischer Identität angesprochen, gibt es eine ehrliche Antwort, die ein bisschen schmerzen könnte.

"Österreich wird gerne mit Deutschland gleichgesetzt, wie eine Art B-Team. Das ist aber wirklich nicht so respektlos gemeint, wie es vielleicht im ersten Moment wirkt. Es ist eher wie ein Stereotyp, weil es doch viele sportliche Verbindungen gibt", erklärt Mezahi, der es wirklich nicht böse meint.

Algerien hat derzeit größere Namen im Kader, aber insgesamt auch größere Lücken.

Maher Mezahi

Im direkten Vergleich beider Teams sieht er auf Seite Algeriens derzeit größere Namen: "Riyadh Mahrez ist inzwischen ein älterer Spieler, besitzt aber eine Strahlkraft, die Österreich abgeht. Mir fallen auch Rayan Ait-Nouri und Ibrahim Maza als Beispiele ein. Wenn ich Leute in Kamerun oder Japan fragen würde, welche Spieler beider Mannschaften sie kennen, fallen ihnen vielleicht nur David Alaba und Konrad Laimer ein. Algerien hat derzeit größere Namen, aber insgesamt auch größere Lücken." Mit dieser Einschätzung könne er natürlich auch falsch liegen, schiebt er nach.

"Wenn ich die Kader von Position 1 bis 26 gegenüberstelle, fallen die Schwachstellen bei Österreich wahrscheinlich weniger stark ins Gewicht, als bei Algerien. Auf manchen Positionen ist Algerien besser aufgestellt, insgesamt ist Österreich vielleicht eine Spur besser."

Was ist von Algerien zu erwarten?

Als große Schwachstelle in Algeriens Kader gilt derzeit die Torwartposition. Zwar wurde Luca Zidane, Sohn von Zinedine, rechtzeitig vor dem Turnierstart fit, hebt die Qualität aber nur in begrenztem Maße.

"Selbst Zidane hat auf diesem Niveau eigentlich keine Erfahrung, auch wenn er viel in Spaniens zweiter Liga gespielt hat. Er ist relativ klein, kann aber gut mitspielen", sagt Mezahi.

Dass neben vielen Legionären auch zwei Spieler der eigenen Liga den Sprung in den Kader geschafft haben, sieht er als positives Signal. Die Stärke des Bewerbs ließe sich nicht genau umlegen, als Vergleichsbeispiele für eine Einordnung aus europäischer Sicht fallen ihm Norwegen und Dänemark ein.

Überraschende Nominierungen gab es kaum, nur Baghdad Bounedjah könnte man vielleicht vermissen. Der 34-Jährige galt in den letzten Jahren im Nationalteam als verlässlicher Goalgetter und schoss sein Heimatland 2019 zum Gewinn des Afrika-Cups. Es habe mehr mit seiner Einstellung als seinem Talent zu tun, ordnet unser Experte ein.

Ibrahim Maza im Spiel gegen Jordanien
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Ibrahim Maza im Spiel gegen Jordanien

Auf mögliche Unterschiedsspieler angesprochen, die man als ÖFB-Fan im Auge behalten sollte, nennt er drei Kandidaten:

Hicham Boudaoui (109 WM-Minuten)

"Er arbeitet sehr intensiv im Mittelfeld, pro Spiel läuft er 12 Kilometer und kann auf beiden Seiten viel beitragen."

Ibrahim Maza (172 WM-Minuten)

"Er ist sehr gut darin, das Spiel mit Dribblings und präzisen Pässen anzutreiben."

Mohamed Amoura (26 WM-Minuten)

"Er hat während der Qualifikation mehr Treffer als Mohamed Sala erzielt, obwohl er nicht in jedem Match durchgespielt hat."

Österreich ins Viertelfinale?

Die bisherigen Spiele der Gruppe J sind so verlaufen, wie Maher Mezahi und viele andere Beobachter es im Vorfeld eingeschätzt haben.

Argentinien ist Favorit auf den Gruppensieg, dahinter machen sich Algerien und Österreich das Rennen um den zweiten und dritten Platz aus. Jordanien als Außenseiter kann alle drei Gegner ärgern, wird am Ende aber voraussichtlich leer ausgehen.

Das direkte Duell zwischen Algerien und Österreich ist also wegweisend für den weiteren Turnierverlauf beider Teams. Wie weit kann die Reise gehen? "Für Algerien wäre das Überstehen der Gruppenphase ein Erfolg. Wenn man darüber hinaus ein paar weitere Spiele gewinnen kann, wäre es natürlich schön. Österreich traue ich den Einzug ins Viertelfinale zu."

Mit dieser Prognose können sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag wohl alle Fans beider Seiten anfreunden.



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