Sanel Šaljić hat ein außergewöhnliches Jahr hinter sich. Im Frühjahr noch beim SV Stripfing, entwickelte er sich im Spätsommer nach dem Abgang von Dominik Fitz zum großen Hoffnungsträger in der Offensive des FK Austria Wien.
Doch eine Verletzung am Sprunggelenk stoppte den Aufstieg des 20-Jährigen. Allerdings nur zwischenzeitlich.
"Wenn man fällt, einfach wieder aufstehen", nennt der Linksfuß im Interview mit 90minuten eine der Lektionen, die ihn das Jahr 2025 gelehrt hat.
Der ÖFB-U21-Teamspieler erzählt zudem über Angebote von anderen Nationen, tägliche WhatsApp-Nachrichten von Manuel Ortlechner und warum es für einen Wechsel ins Ausland noch zu früh war.
90minuten: Vor einem Jahr hast du die Vorbereitung noch mit dem SV Stripfing gemacht. In der Zwischenzeit hast du dich zum Hoffnungsträger bei der Austria entwickelt, einen neuen Vertrag bis 2030 unterschrieben und bist U21-Teamspieler.
Sanel Šaljić: 2025 war ein gutes Jahr für mich.
90minuten: Ist es schnell gegangen?
Šaljić: Eigentlich schon. Als ich im Sommer zu den Profis gekommen bin, habe ich mir gedacht, ich schaue, dass ich meine Einsatzminuten bekomme, wenn es nicht funktioniert, spiele ich bei den Young Violets. Im fünften Spiel bin ich in der Startelf gestanden. Das habe ich so nicht erwartet. Es ist nicht so einfach, sich in eine gestandene Mannschaft reinzuspielen. Und mit dem Abgang von Dominik Fitz hatte ich Glück. Ich habe meine Chance genutzt.
"Es war zu früh für mich, irgendwo hinzugehen."
90minuten: War der Wechsel von Dominik Fitz der Moment, in dem du dir gedacht hast: Jetzt kommt meine Chance!
Šaljić: Ich dachte mir, dass ich jetzt beweisen kann, statt ihm zu spielen. Dann habe ich bis zur Verletzung immer von Anfang an gespielt.
90minuten: Syndesmosebandanriss. Sehr blöd in dieser Phase.
Šaljić: Das hat mich ein bisschen runtergezogen, aber ich habe nicht lange darüber nachgedacht, wollte so schnell wie möglich wieder fit werden. Es ist sogar schneller gegangen als gedacht.
90minuten: Welche Lektionen hast du in diesem Jahr gelernt?
Šaljić: Dass man seine Chance nutzen muss, wenn sie kommt. Wenn man fällt, einfach wieder aufstehen.
90minuten: Du hast deinen Vertrag bis 2030 verlängert. Wie hat dich die Austria überzeugt?
Šaljić: Mit dem Vertrauen, dass ich vom gesamten Verein bekommen habe. Ich fühle mich hier zuhause, das ist wie eine Familie. Ich bin ja schon seit der U13 da. Es war zu früh für mich, irgendwo hinzugehen.
90minuten: Du hättest ja die eine oder andere Möglichkeit gehabt.
Šaljić: Das macht mein Manager mit meinem Vater, ich werde da wenig einbezogen. Das ist gut so. Ich konzentriere mich auf den Fußball, mache mir über solche Dinge keinen Kopf.
90minuten: Dennoch wirst du Dinge mitbekommen haben. Macht das gar nichts mit dir, wenn du da von Klubs wie Feyenoord, PSV Eindhoven und Sassuolo liest?
Šaljić: Das ist schön zu hören. Mir gibt das auch einen Push.
90minuten: Du spielst ab Sommer mit der Nummer 10. War das deine Idee oder ein Vorschlag der Austria?
Šaljić: Das kam von mir. Seit ich bei der Austria bin, hatte ich meistens die Nummer 10. Das ist meine Lieblingsnummer – sie bei den Profis von Austria Wien zu tragen, wird ein noch schöneres Gefühl sein.
90minuten: Diese Nummer ist auch ein gewisses Statussymbol.
Šaljić: Ja! Das ist schon auch ein Druck. Aber ich denke mir da nichts dabei, letztendlich ist es einfach eine Rückennummer.
"Stripfing war eine gute Erfahrung, weil man lernen muss, zu verlieren – auch wenn es sich scheiße anfühlt."
90minuten: Wer sind deine Vorbilder und Idole?
Šaljić: Auf jeden Fall Lionel Messi. Mein früherer Trainer Mark McCormick, er ist jetzt Co in St. Pölten, hat immer gesagt, dass ich Bernardo Silva ähnlich bin.
90minuten: Du hattest Ende der Saison 2023/24 unter Michael Wimmer deine ersten Profi-Einsätze. Dann warst du Kooperationsspieler bei Stripfing. Wie hast du die Zeit erlebt?
Šaljić: Es war schwer, sich daran zu gewöhnen. Wir waren keine Top-Mannschaft in der 2. Liga. Am Ende war es aber eine gute Erfahrung, weil man lernen muss, zu verlieren – auch wenn es sich scheiße anfühlt.
90minuten: Manuel Ortlechner hat dir eine zeitlang jeden Tag um 19:11 Uhr eine WhatsApp geschickt.
Šaljić: Er hat immer gefragt, ob ich heute der Fleißigste war.
90minuten: Hast du ihn jemals angelogen?
Šaljić: Nein! Ich gebe immer Vollgas.
90minuten: Welche Rolle hat Emin Sulimani als Stripfing-Trainer in deiner Entwicklung gespielt?
Šaljić: Er hat mir viele Freiheiten gegeben. Aber er hat auch im Gegenpressing viel von mir verlangt.
90minuten: Dem klassischen Zehner sagt man nach, dass er in Sachen Defensivarbeit nicht der Fleißigste ist.
Šaljić: Das stimmt, aber der Fußball hat sich geändert. Da muss man sich umstellen. Es ist viel auf das Spiel gegen den Ball ausgerichtet. Wenn das von mir verlangt wird, mache ich das. Aber ich spiele lieber Fußball mit dem Ball.
90minuten: Welche Ziele hast du dir fürs Frühjahr gesteckt?
Šaljić: Mein erstes Bundesliga-Tor schießen, ein paar Scorer sammeln. Und mit der Austria so gut wie möglich abzuschneiden.
"Wenn es nicht der ÖFB ist, muss ich mir etwas anderes suchen."
90minuten: Kannst du mir etwas über deine Wurzeln erzählen?
Šaljić: Mein Vater ist aus Bosnien, aus Banja Luka, meine Mutter aus der Slowakei, aus Zilina.
90minuten: Haben beide Verbände schon angeklopft?
Šaljić: Ja, ich hatte mit beiden Gespräche. Im Endeffekt muss man sich für den Verband entscheiden, der einen haben will. Wenn es nicht der ÖFB ist, muss ich mir etwas anderes suchen. Auf Platz eins ist aber ganz klar Österreich.
90minuten: Du betest vor jedem Spiel. Welche Rolle spielt dein Glaube in deinem Leben?
Šaljić: Ich bin nicht der Gläubigste, aber ich glaube an meinen Gott. Alles, was ich mache, liegt auch in seinen Händen.
Harald Prantl