"Es ist ein Traum, den ich gerade lebe", sagt die ÖFB-Akteurin Nicole Ojukwu im 90minuten-Interview über ihren Karriereschritt nach Deutschland in die Bundesliga.
Begonnen hat alles beim SV Donau und im Polgargymnasium, ehe es zum FAC Team für Wien und zum First Vienna FC ging. 2021 folgte der Schritt in die ÖFB-Frauen-Akademie.
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Nach Abschluss dieser blieb sie nicht, wie ursprünglich geplant, in Österreich, sondern wagte sofort den Sprung ins Ausland zum SC Freiburg.
Gegenüber 90minuten erklärt sie, wieso der Schritt dennoch der richtige war, in welche Liga sie es gerne schaffen würde und was es für sie bedeutet, mit 20 Jahren für das A-Nationalteam aufzulaufen, und um die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien zu spielen.
90minuten: Würdest du sagen, dass du aktuell deinen Traum in Deutschland lebst?
Ojukwu: Ja. Hätte mir vor zwei, drei Jahren jemand gesagt: Du gehst nächstes Jahr nach Deutschland und lebst vom Fußball, dein Leben besteht aus Fußballspielen und sonst nichts anderem, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich das damals geglaubt hätte. Vor allem so früh - ich bin ja direkt, als ich mit der Akademie fertig war, nach Deutschland gegangen. Hätte mir das jemand vor drei Jahren gesagt, hätte ich gesagt: Lieber noch ein Jahr in Österreich spielen, zu Hause wohnen. Deshalb würde ich schon sagen, es ist ein Traum, den ich gerade lebe.
90minuten: Hättest du nach der Akademie noch gerne den Schritt in Österreich gehabt oder war es so, dass du das Angebot hattest und unbedingt nach Deutschland gehen wolltest?
Ojukwu: Ich war mir eigentlich zu 90 Prozent sicher, dass ich nach der Akademie unbedingt noch ein Jahr in Österreich spielen möchte. Einfach einmal nur auf den Fußball fokussieren und keine Schule haben, einfach an mir arbeiten. Dann hat sich das aber ergeben mit Freiburg, was eigentlich schon eher spontan für meine Verhältnisse war.
Ich habe viel mit meiner Mama geredet und auch mit Freundinnen und Trainern in der Akademie, ob es der richtige Schritt wäre, jetzt schon zu gehen, weil es eben schon früh war mit 18 Jahren. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich schon froh drum, dass ich es gemacht habe. Das war schon das Beste, was ich hätte machen können zu der Zeit.
90minuten: Wie würdest du denn generell so den Unterschied beschreiben zwischen Österreich und Deutschland?
Ojukwu: Ich würde sagen, die Bedingungen. In Deutschland bekommen wir Essen, haben den Kraftraum direkt am Stadion. Wir haben unterschiedliche Testungen... Es ist einfach sehr professionell. Es ist sehr viel besser geworden in Österreich, aber da geht schon noch mehr.
"Meine Priorität ist, in der Nationalmannschaft Fuß zu fassen und dort auf jeden Fall zum Kader dazuzugehören."
90minuten: Mit Freiburg bist du vergangene Spielzeit Achter geworden. Wie würdest du deine Saison beschreiben, für den Verein generell, aber auch für dich persönlich?
Ojukwu: Wir haben uns ein höheres Ziel gesetzt als den achten Platz, deshalb sind wir mit der Platzierung nicht unbedingt zufrieden. Aber für mich persönlich war es auf jeden Fall schon eine Steigerung zur ersten Saison, die ich in Freiburg hatte.
Ich habe viel mehr Spielzeit bekommen, auch wenn ich es am Anfang der Saison nicht so leicht hatte, ich habe mich dann reingekämpft und am Ende der Saison immer mehr gespielt. Sportlich habe ich auf jeden Fall einen Sprung gemacht. Abgesehen von der Platzierung war es schon eine positive Saison.
90minuten: Was ist dein Ziel für die nächste Saison?
Ojukwu: Auf jeden Fall wieder Spielzeit sammeln und mich festspielen in der Mannschaft. Meine Priorität ist, in der Nationalmannschaft Fuß zu fassen und dort auf jeden Fall zum Kader dazuzugehören.
90minuten: Gibt es für dich persönlich irgendeine Liga, die dich besonders reizen würde?
Ojukwu: Am ehesten Spanien. Ich habe jetzt keine Lieblingsmannschaft, aber wenn es ein Team gibt, das ich cool finde, dann ist es Real Madrid. Es wäre cool, einmal für die zu spielen in Spanien.
90minuten: Verfolgst du das Spielgeschehen dort aktiv?
Ojukwu: Ja, überhaupt, wenn sie in der Champions League spielen. Den FC Barcelona verfolge ich auch.
90minuten: Was bedeutet es für dich persönlich, im Trikot von Österreich aufzulaufen?
Ojukwu: Das erste Wort, das mir dazu einfällt, ist Stolz, weil es eben auch etwas war, von dem man geträumt hat, als man in die Akademie gekommen ist. Wenn man sich denkt: Meine Familie schaut mir im Fernsehen zu, wie ich eingewechselt werde und so. Das ist schon etwas Cooles.
90minuten: Ihr habt ja gerade zwei Spiele hinter euch gebracht - gegen Slowenien und gegen Norwegen. Zudem habt ihr einen neuen Trainer bekommen. Welche Lehren ziehst du aus der Zeit?
Ojukwu: Ich finde, dass jetzt mit Lars (Anm. Lars Søndergaard), dem neuen Trainer, schon teilweise eine andere Energie in den Trainings war. Es ist auch von der Qualität in den Trainings einfach besser. Zudem bringt ein neuer Trainer auch frischen Wind.
Ich glaube schon, dass es auf jeden Fall gut getan hat. Neue Inputs, die man vom Trainerteam bekommt, Dinge, die man vielleicht davor anders gesehen hätte oder nicht so wahrgenommen hätte.
90minuten: Welches Resümee kann man nach den zwei Spielen ziehen?
Ojukwu: Es war auf jeden Fall wichtig, dass wir gegen Slowenien gewonnen haben. Auch allgemein können wir jetzt mit einer guten Energie in die Playoffs starten. Es ist logisch, dass mit dem neuen Trainerteam noch nicht 100 Prozent alles einstimmig ist und funktioniert, wie man es sich dann vorstellt. Aber wenn wir jetzt noch weiter so dran arbeiten und weiter zusammenschweißen, kann es noch was Gutes werden und wir können es auf jeden Fall nach Brasilien schaffen.
90minuten: Was würde dir persönlich bedeuten, in Brasilien dabei zu sein?
Ojukwu: Wenn ich ehrlich bin, hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich möchte es ein bisschen auf mich zukommen lassen. Aber bei einer WM zu spielen und dann in Brasilien – davon träumt jede Fußballerin.
90minuten: Vielen Dank für das Gespräch!