Daniel Maderner (30) und Peter Michorl (31) sind in dieser Saison Routiniers und Führungsspieler beim GAK.
Der eine spielt seit über drei Jahren für den Grazer Stadtklub, der andere kehrte gerade erst wieder aus Griechenland zurück in die Bundesliga. Die beiden vereint aber eine gemeinsame Vergangenheit. Denn schon vor 15 Jahren spielten sie gemeinsam für die U-Nationalteams des ÖFB.
90minuten hat mit Michorl und Maderner über ihr Verhältnis gesprochen. Wie sie sich kennengelernt haben, was sich seitdem verändert hat und welche Eigenschaft der eine am anderen schätzt, erzählen die beiden im Doppelinterview.
90minuten: Ihr seid beide 1995er-Jahrgang, außerdem gar nicht so weit voneinander aufgewachsen. Seit wann kennt ihr euch nun wirklich?
Peter Michorl: Eigentlich von den Jugendnationalteams. Ich wüsste jetzt nicht, wann genau. Mit 16, 17 Jahren so etwas. Es ist schon eine Zeit her.
90minuten: Also schon vor der U18?
Daniel Maderner: Ja doch, bei der U17 sollte es auch so gewesen sein. Irgendein Lehrgang wird dabei gewesen sein.
90minuten: Lustigerweise gibt es ein Pflichtspiel, in dem ihr davor aufeinandergetroffen seid. Oktober 2011, St. Pölten U18 gegen Austria U18. Was wisst ihr davon noch? Die Austria hat 3:2 gewonnen.
Michorl: Ja, das war klar (lacht).
Maderner: Dann ist es mir nicht so in Erinnerung geblieben (lacht).
90minuten: Wie könnt ihr euch dann an das erste Kennenlernen beim U-Nationalteam erinnern?
Michorl: Ja, das muss der Nationalteam-Lehrgang gewesen sein. Also wahrscheinlich klassisch: 'Servus, ich bin der Pezi. Servus, ich bin der Dani.' Und dann haben wir gemeinsam gespielt. Weißt du, welches Spiel das war?
90minuten: Das erste Spiel, in dem ihr gemeinsam gespielt habt, war gegen Italien.
Michorl: Das haben wir sogar gewonnen, oder? 2:1. Dann weiß ich das noch.
Maderner: Am Gardasee, wenn ich das richtig im Kopf habe. Aber sonst: Es ist schon so lange her, dass es ganz schwer ist.
Michorl: Einfach schon 15 Jahre her …
90minuten: Wie eng war euer Kontakt während der Zeit in den U-Nationalteams? In der U19 habt ihr ja auch noch zusammengespielt.
Michorl: Es ist, glaube ich, bei allen Fußballern immer gleich. Wenn man in der Kabine aufeinandertrifft, versteht man sich richtig gut. Aber unsere Wege haben sich immer auch irgendwo wieder getrennt. Dani hat früher als ich Bundesliga gespielt, bei Wiener Neustadt. Meine Zeit in der Bundesliga war dann erst später – beim LASK. Dann Dani in der 2. Liga. Wenn man sich immer wieder trifft, gibt man sich die Hand, umarmt sich und macht ein paar Scherze. Beim GAK ist es jetzt genauso passiert: Erster Tag in der Kabine und wir haben uns direkt wieder verstanden.
90minuten: Daniel, wie hast du Peter damals als Fußballer wahrgenommen?
Maderner: Schon in der Jugendliga war Pezi immer gefürchtet für seine Weitschüsse mit seinem linken Hammer. Das war immer so. Und ich habe ihn damals wahrgenommen wie heute: als Mentalitätsspieler, als Führungsspieler. Er hat von vornherein immer Verantwortung übernommen. So hatte ich ihn auch schon in jungen Jahren in Erinnerung. Er steht für diese Qualität, seinen linken Fuß und dieses Dirigieren vom Zentrum aus. Man sieht ja auch an seinem Werdegang, dass das einfach gereift ist.
90minuten: Und umgekehrt?
Michorl: Schau dir den Dani an, schau seinen Oberarm an, schau seinen Körper an. Das war er immer schon, sogar relativ früh in der Jugend. Da hatte er einfach eine brutale körperliche Qualität. Wenn er im Strafraum an den Ball kommt, dann kann es auch scheppern. Dani hat eine extreme Wucht – früher schon und jetzt noch immer. Menschlich ist er auch gereift durch die Familie. Er geht in der Kabine voran, wie es sein soll. Wir haben jetzt beide ein gewisses Alter, in dem wir vorangehen sollten. Und das tut er. Wir beide haben ein paar witzige Schmähs drauf – das gehört in einer Kabine auch dazu. Und deswegen passt das schon sehr gut.
90minuten: Wie durchlebt man diese Zeit als U-Nationalspieler – wie prägend ist diese Zeitspanne und was kann man mitnehmen?
Die Lehrgänge waren schon witzig. Da treffen halt 22 junge Fußballer aufeinander, die ein bisschen einen Blödsinn im Schädel haben.
Michorl: Die Lehrgänge waren schon witzig, muss ich sagen. Da treffen halt 22 junge Fußballer aufeinander, die ein bisschen Blödsinn im Schädel haben. Aber natürlich ist es etwas Besonderes, für sein U-Nationalteam aufzulaufen. Du bist einer der 22 besten Fußballer in deinem Land und Jahrgang. Unser erstes gemeinsames Spiel war in Italien – das haben wir gewonnen. Als Österreich in Italien zu gewinnen, ist auch irgendwo besonders. U-Lehrgänge sind immer richtig witzig und cool. Man lernt neue Spieler und Menschen kennen. Auch das prägt einen natürlich. Aber irgendwann trennen sich Wege und führen im Fußball auch immer zusammen.
Maderner: Wenn es dann für viele ab der U19 auch in andere Länder geht, ist es schon etwas sehr Cooles zu sehen, wie es auseinandergeht, wie die Mentalität in anderen Ländern die Spieler beeinflusst. Sich da auszutauschen, ist schon sehr cool. Wie Pezi schon gesagt hat, es ist schon etwas Lustiges, für viele auch ein Abschalten. Und speziell wenn du im Ausland bist, auch ein Nachhausekommen.
90minuten: Gibt’s Anekdoten aus dieser Zeit, die bis heute noch stark hängengeblieben sind?
(Michorl und Maderner lachen)
Maderner: Es gibt sicher einige Geschichten, aber ich glaube, die sollten nicht alle nach außen kommen (lacht).
Michorl: Es gibt viele Anekdoten. Da treffen schon 16-, 17-, 18-jährige Fußballer aufeinander, die noch nicht ausgereift sind. Da kommen schon ein paar Dinge zusammen. Aber wie es Dani gesagt hat, die sind eher nicht für die Öffentlichkeit.
90minuten: Wie verfolgt man die Ex-Kollegen nach dieser Zeit in den U-Nationalteams? Daniel, wie genau hast du die Karriere von Peter danach beobachtet?
Maderner: Du verfolgst den Weg dann weiter. Du kennst den Menschen. Wenn er Erfolgserlebnisse hat, freust du dich für ihn. Wenn es vielleicht nicht so läuft, dann denkst du dir auch: 'Was ist da los?' Aber es ist richtig cool, wenn du z. B. siehst, wie Pezi beim LASK zu einer Größe für den Verein geworden ist. Man hat es bei der Rückkehr gesehen, was er für diesen Verein ist. Und dann ist es richtig cool, wenn du sagen kannst: 'Mit ihm hab ich schon damals zusammen gekickt, den kenne ich seit 15 Jahren.' Es ist etwas Cooles, wenn man den Weg mitverfolgen kann und trotzdem auch sagen kann: 'Man hat seinen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass er jetzt dort ist.' Prinzipiell habe ich jeden Spieler aus den U-Nationalteams weiter verfolgt. Der österreichische Markt ist ja auch nicht riesengroß. Das heißt, du bekommst schon alles von den Medien mit.
90minuten: Peter, ist das bei dir ähnlich?
Michorl: Ja, natürlich. Man verfolgt schon, wo die Reise der Spieler hingeht. Und dann verfolgt man sie auch privat, also den Dani hab ich immer verfolgt. Mit dem GAK hat er sich etwas aufgebaut, als sie in die Bundesliga aufgestiegen sind. Der österreichische Markt und auch der 1995er-Jahrgang von uns sind nicht so riesig. So viele Spieler haben sich dann auch nicht etabliert. Wenn ich mich zurückerinnere, ist Florian Grillitsch der 95er, der am meisten erreicht hat. Ich wüsste jetzt keinen anderen, der solange im Ausland gespielt hat und im Nationalteam spielt. Und wenn ich zurück an die U20-WM denke – da warst du leider nicht dabei, Dani – dann kann ich mich nur an drei Spieler erinnern, die wirklich explodiert sind: Grillitsch, Konrad Laimer und Philipp Lienhart. Der Rest ist dann eher versumpert, kann man so sagen. Man verfolgt das einfach. Und so viele haben es dann nicht in die Bundesliga geschafft.
90minuten: Daniel, was hättest du vor 15 Jahren gesagt, hätte dir jemand erzählt, dass du 2026 mit Peter im selben Klub spielst nach all den Jahren?
Maderner: Sehr, sehr schön. Das hätte auf jeden Fall geheißen, dass wir es beide draufhaben. Weil es ja auch nicht leicht ist, in die Bundesliga zu kommen. Das hat oft nichts mit Qualität zu tun, da muss man ehrlich sein. Du musst im richtigen Spiel performen, im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Also das hätte ich vor Jahren unterschrieben. Weil ich gewusst habe, welche Qualität Peter da schon hatte, und dann auf dem Niveau mit ihm zu spielen, ist natürlich sehr schön.
90minuten: Und bei dir, Peter?
Michorl: Ich hätte genauso mein Hakerl druntergesetzt. So viele haben sich in der Bundesliga nicht etabliert. Und damals war das bei uns beiden auch nicht gesichert.
90minuten: Peter hat erzählt, mit dem GAK gab es schon seit Winter Gespräche. Hast du dich da auch eingeschaltet, Daniel?
Maderner: Ich habe davon gewusst, dass die Gespräche im Winter schon sehr, sehr weit waren. Richtig geschrieben haben wir erst im Sommer, bevor es fix geworden ist. Im Winter wusste ich schon: Wenn Pezi gekommen wäre, dann ist er ein wichtiges Puzzlestück für die Mannschaft und den ganzen Verein. Weil er einfach ein super Spieler ist, der von seiner DNA her sehr gut reinpasst, um den nächsten Step zu machen. Dementsprechend haben wir uns dann gehört, bevor es fix wurde. Bei der Unterschrift war ich dann auch da.
90minuten: Daniel meinte am Media Day, dass du dich sehr rasch beim GAK einleben konntest. Wie hast du das so schnell geschafft?
Michorl: Ja, stimmt. Ich denke, dass ich mich richtig gut eingelebt und in die Mannschaft integriert habe. Die Mannschaft hat es mir überhaupt nicht schwer gemacht. Dani ist ein super Typ und auch mit den anderen – mit Lichti (Christian Lichtenberger, Anm.) und so weiter - ist es relativ schnell gegangen. Wie ich es geschafft habe? Ich weiß nicht. Ich bin einfach ich. Am Platz will ich gewinnen, da kenne ich keine Freunde oder Verwandtschaft. Und in der Kabine, glaube ich, bin ich jetzt auch nicht der unsympathischste.
(Maderner schüttelt den Kopf – beide lachen)
90minuten: Daniel, konntest du ihm dabei ein bisschen helfen?
Maderner: Sicher war es leichter für Pezi, hineinzufinden. Aber wenn ein Peter Michorl kommt, dann kennst du ihn als Österreicher. Und als ausländischer Spieler weißt du auch ziemlich bald, wer er ist. Wir in unserem Alter müssen vorangehen. Das tun wir auch. Und dann ist es ziemlich einfach, wenn du als 31-Jähriger in eine Kabine kommst und den Verein auch schon verfolgt hast – mindestens das halbe Jahr davor. Dann hast du eine gewisse Art von Respekt den Spielern gegenüber. Dadurch, dass ich voriges Jahr Kapitän war und Pezi gleich bei mir dabei war, ist es sehr einfach gewesen, in die Truppe hineinzufinden.
90minuten: Peter, wie würdest du euer Verhältnis beschreiben?
Michorl: Wir verstehen uns außerhalb des Platzes sehr gut. Ich würde ihn jeden Tag auf einen Kaffee oder eine Grillerei zu mir einladen. Wir sprechen die selbe Sprache. Dani hat eine Tochter, ich habe einen Sohn. Wir haben schon auch die selben Interessen. Wir verstehen uns gut. Mit Dani würde ich jeden Tag auf einen Kaffee gehen, wenn er es will.
Maderner: Ist nicht so, dass wir es nicht tun. (lacht)
Michorl: Ab und zu brauche ich eine Pause von ihm (schmunzelt). Aber unser Verhältnis ist wirklich gut – auf und außerhalb des Platzes. Es gibt Spieler, mit denen machst du mehr. Und es gibt Teamkollegen, mit denen machst du weniger. Und Dani ist einer, mit dem ich mich jeden Tag auf einen Kaffee setzen würde.
Maderner: Es sind einfach viele Themen, bei denen wir im Leben – dadurch, dass wir gleich alt sind – gleich stehen. Du besprichst Themen, bei denen wir auf dem gleichen Level sind. Wir haben beide Kinder, sind gleich alt und haben den gleichen Blödsinn im Kopf – sag ich mal. Von daher ist es ziemlich klar, dass du mit demjenigen dann mehr zu tun hast.
90minuten: Daniel, was macht Peter aus? Abgesehen vom brutalen linken Fuß, wie du schon gesagt hast.
Michorl: Nur das. (lacht)
Maderner: Das war es eigentlich (lacht). Nein, ich kenne ihn schon lange. Er ist ein sehr familiärer Mensch, der aber keine Freunde kennt, wenn es auf den Platz geht. Da schreit er mich genauso an, das ist ihm einfach scheißegal. Das ist eine Qualität, die im österreichischen Fußball nicht mehr viele haben. Sich einfach nichts zu scheißen. Sich einfach zu trauen, das ins Gesicht zu sagen, wie es ist. Das ist für mich als Person wichtig, dass jemand geradeaus ist. Und so ist Pezi.
90minuten: Und wie ist es umgekehrt?
Michorl: Durch das, was er sich über die Jahre aufgebaut hat, ist er gereift – jetzt auch als Kapitän. Wie es Dani gesagt hat: Wir brauchen Typen in Österreich, die sich auch die Meinung sagen trauen. Solche Ja-Sager brauchst du auch, aber mit denen wirst du keinen Krieg gewinnen. Dani geht in der Mannschaft voran, er hat seine Qualitäten in der Box. So würde ich ihn auch beschreiben. Er weiß, worum es geht, und ist am Platz und in der Kabine wichtig.
90minuten: Schaut man sich als erfahrener Spieler noch etwas von seinen Kollegen ab?
Michorl: Immer, immer. Ich schaue mir schon viel von meinen Teamkollegen an. Und von manchen auch etwas ab – (schaut zu Maderner rüber) nicht von allen (lacht). Aber nein, du kannst immer dazulernen. Auch als 31-Jähriger kannst du von einem 22-Jährigen viel lernen. Wenn diese Eigenschaft jeder mit sich bringt, kann man auch als Team besser werden. Das ist immer hilfreich.
90minuten: Welche Qualität oder Eigenschaft hättest du gerne von Daniel?
Michorl: Ähm, seinen Körper (beide lachen). Dass er essen kann, was er will – und nichts zunimmt. Nein, Spaß beiseite: Seine Wucht, seine Schnelligkeit. Er hat Eigenschaften, die mir abgehen. Und die hätte ich gerne, ganz klar.
90minuten: Umgekehrt?
Maderner: Über seinen linken Fuß brauchen wir eh nimmer reden. Die Standards und alles. Aber dieses Denken am Platz, dieses Hirn am Platz – das ist schon etwas, wo ich sage: 'Das habe ich mir über die Jahre erarbeitet.' Aber Pezi hat das einfach schon sehr lange gehabt. Er sieht Sachen, die viele andere Spieler nicht sehen. Das ist schon ein riesen Pluspunkt, den man im Fußball nicht zu 100 Prozent erlernen kann. Das hat man, oder hat man nicht. Das ist einfach eine Fähigkeit, die würde ich auch gern nehmen.
90minuten: Was hat sich am anderen in den letzten 15 Jahren am heftigsten verändert?
Michorl: Ich muss ehrlich sagen: Vom Aussehen her bist du genau gleich. Vielleicht ein bisschen mehr Bart hast.
Maderner: Und weniger Haare auch schon.
Michorl: Ja, weniger Haare, aber dafür mehr Barthaare.
Maderner: Das gleicht sich aus (schmunzelt).
Michorl: Von der Statur her war Dani eigentlich schon immer so. Durch die Führungsrolle hat er an Reife gewonnen und das macht ihn dann noch einmal um eine Stufe besser.
Maderner: Was man sicher sagen kann: Er ist einfach reifer geworden, in allen Belangen. Sportlich und privat. Vieles andere hat sich eigentlich nicht verändert. Wir sind noch immer die gleichen zwei geilen Typen.
90minuten: Ein ideales Schlusswort, danke fürs Gespräch.
Jonas Pamperl