Liefering-Trainer Danny Galm: "Manchmal ist es schön, beschimpft zu werden"
In einer Woche muss der FC Liefering in Maxglan ran. Danny Galm, Nachfolger von Daniel Beichler, freut sich schon. In seine neue Aufgabe startet er mit klaren Prinzipien, die er im 90minuten-Interview näherbringt.
"Manchmal ist es auch schön, beschimpft zu werden", sagt Danny Galm, angesprochen auf das bevorstehende Derby zwischen dem FC Liefering und Austria Salzburg. Früher oder später müssten sich die Spieler ohnehin daran gewöhnen.
Zuvor hat der neue Cheftrainer am Freitag Schwarz-Weiß Bregenz vor Augen (18:00 Uhr im LIVE-Stream >>>), dann - in einer englischen Woche - das Nachtragsspiel gegen Sturm Graz II am Dienstag.
Die Personalentscheidung des Kooperationspartners ist nach der Freistellung von Thomas Letsch als Trainer von Red Bull Salzburg und der anfänglichen Euphorie um seinen Nachfolger Daniel Beichler eigentlich zu Unrecht untergegangen: Galm - noch 39 Jahre alt - hat sich im deutschen Nachwuchsfußball einen guten Ruf erarbeitet.
Von ehemaligen Spielern wie Paul Wanner, Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof wurde der Deutsche in hohen Tönen gelobt. Welchen Plan verfolgt er in Salzburg? 90minuten hat ihn zum Interview gebeten.
90minuten: Zwischen der Freistellung von Thomas Letsch bei Red Bull Salzburg, der Präsentation von Daniel Beichler als sein Nachfolger und Ihrem Start als Cheftrainer des FC Liefering sind keine 24 Stunden vergangen. Wie haben sie diesen relativ schnell vollzogenen Umbruch erlebt?
Danny Galm: Ich habe am Dienstag eine normale Trainingseinheit gehalten, dann habe ich die Nachricht erhalten. Mir ist ein respektvoller Umgang mit Kollegen sehr wichtig. Mein Austausch mit Thomas Letsch war immer gut, wir hatten sehr viel Kontakt - es ist ohnehin nie eine angenehme Situation, wenn ein Trainer entlassen wird. Ich musste das auch schon selbst erleben. Red Bull Salzburg hat diese Entscheidung getroffen und Daniel Beichler als Nachfolger ausgewählt.
Bernie Seonbuchner hat mich daraufhin am nächsten Tag früh zu sich gebeten und mir gemeinsam mit Manfred Pamminger mitgeteilt, dass ich Liefering ab sofort übernehmen darf. Mich freut es, dass man mir diese Aufgabe zutraut. Mein Fokus lag zu diesem Zeitpunkt stark auf der U18, wir waren dabei, uns emotional auf den Frühjahrsstart einzustimmen. Trotzdem wusste ich, was Daniel in Liefering gemacht hat und habe Einheiten gesehen.
Sich schnell auf neue Situationen einstellen zu können, gehört dann einfach auch zum Job dazu. Bernie hat noch zu mir gesagt, dass der Zeitpunkt - drei Tage vor dem ersten Spiel - herausfordernd ist. Meine Antwort war: Der Zeitpunkt ist völlig egal, wenn wir unsere Arbeit gut machen. Und das tun wir, seit ich hier bin. Alle sind bereit nachzurücken und mitzuhelfen. Jetzt sind wir schon in der dritten Woche, es geht ruckzuck.
90minuten: Letztlich hatten Sie mehr als drei Tage Zeit, weil das Spiel gegen Sturm Graz II wetterbedingt verschoben werden musste. Hat das die Eingewöhnung ein wenig erleichtert?
Galm: Ich hätte es gerne gespielt, weil ich in den ersten Trainingseinheiten gemerkt habe, dass die Jungs viel Energie mitbringen. Es ist dann aber anders gekommen. Ich habe für mich das Prinzip "Ja, und…" statt "Ja, aber…" verinnerlicht. Wenn sich eine Herausforderung stellt, wollen wir eine Lösung finden. In diesem Fall hatten wir mehr Zeit für die Vorbereitung auf das Spiel gegen die Vienna und haben ein intensives Spiel für uns entscheiden können.
Ich bin nicht hierhergekommen, um schnellstmöglich Liefering-Trainer zu werden.
90minuten: In den letzten Jahren sind Sie ein paar Mal zwischen dem Nachwuchsbereich und der Arbeit mit Profis gependelt. Auf die U19 des FC Bayern, folgte der SV Sandhausen in der 3. Liga, dann die U18 hier in Salzburg. Jetzt trainieren Sie in Liefering wieder - zugegeben, junge - Erwachsene…
Galm: Ich würde dem Begriff 'pendeln' ein bisschen widersprechen. Als junger Spieler war ich gedanklich immer dabei, den nächsten Schritt zu machen. Ich war richtig ungeduldig. Später habe ich gemerkt, dass mich diese Ungeduld eigentlich sehr bremst. Als Trainer der U16 in Hoffenheim habe ich daher nicht angestrebt, in der nächsten Woche U17-Trainer zu werden. Irgendwann hat mich der damalige Nachwuchsleiter Dirk Mack zu sich ins Büro zitiert und gesagt: "Pellegrino Matarazzo wird Co-Trainer von Julian Nagelsmann. Danny, ab morgen machst du die U17." Die jetzige Situation ist ähnlich. Ich bin nicht hierhergekommen, um schnellstmöglich Liefering-Trainer zu werden.
In Hoffenheim habe ich damals meinen Weg begonnen, dort konnte ich lernen und viel ausprobieren. Mit dem FC Bayern habe ich mir bewusst eine Challenge gesucht. Ich bin mit meiner Familie nach München gezogen und wollte in einem großen Verein mit den bestmöglichen Spielern arbeiten. Dann kam die Anfrage aus der 3. Liga. Mir ist bewusst, dass es ambitioniert war, Sandhausen zu übernehmen. Neben mir wurden im Sommer 21 neue Spieler verpflichtet. Damit umzugehen braucht einen Plan und sehr gute Kommunikation, intern waren wir ein gut abgestimmter Kreis. Im Profigeschäft kann es dann leider passieren, dass in der Vereinsführung Ungeduld aufkommt. Es war für mich die erste Entlassung, das macht etwas mit einem.
Nach meiner Zeit als Spieler habe ich 2016 für mich definiert, der Trainer sein zu wollen, den ich selbst nie hatte.
Angebote aus der 3. Liga hätte es gegeben - ich wollte aber nicht sofort zurück ins Hamsterrad. 2024 war ich auf der ganzen Welt unterwegs und habe hospitiert: In Philadelphia bei Ernst Tanner, bei den New York Red Bulls mit Jochen Schneider und Sandro Schwarz, in Lausanne mit Ludovic Magnin, bei Benfica und vielen Klubs in Deutschland. Bernie Seonbuchner hat mich im April 2025 nach Salzburg eingeladen. Ich habe versucht über den Tellerrand zu schauen und habe mich auch mit Gordon Herbert, damals Trainer bei Bayern Basketball, viel über Menschenführung unterhalten.
Ich sehe meine Art des Umgangs als Stärke, wollte aber trotzdem besser werden und verschiedene Ansätze sehen. Nach meiner Zeit als Spieler habe ich 2016 für mich definiert, der Trainer sein zu wollen, den ich selbst nie hatte. In den letzten zehn Jahre habe ich versucht, diesen Ansatz immer weiter zu verfeinern.
90minuten: Diese Formulierung greife ich gerne auf - welche Art Trainer hatten sie selbst nie, obwohl sie es sich gewünscht hätten?
Galm: Ich habe beim FC Bayern oft mit unserem Sportpsychologen Christian Luthardt gesprochen. Er hat irgendwann einen Satz gesagt, der mir gar nicht sofort, sondern erst bei der Autofahrt nach Hause hängen geblieben ist: "Klarheit ist freundlich, Unklarheit ist unfreundlich." Ich will, dass man mir sagt, wenn ich nicht gut genug bin. Ich will wissen, was ich tun muss, um mich zu verbessern. Wenn ein Spieler es nicht in den Kader schafft, soll er verstehen, was ich mir von ihm erwarte. Dann kann er mit klaren Ideen in die neue Woche gehen - auch, wenn er sich vielleicht ungerecht behandelt fühlt.
Ich nehme Alex Murillo, der gerade gegen die Vienna getroffen hat, als Beispiel: Er muss wissen, dass seine Zeit in einer Akademie endlich ist und er sie nutzen muss. Auch wenn es gerade gut läuft, erwarte ich mir viel von ihm. Man muss dabei auch nicht immer einer Meinung sein.
90minuten: Dieser Ansatz braucht viel Kommunikation und als Konsequenz daraus vor allem Zeit. Die zuvor angesprochenen drei Tage vor dem ersten Spiel hätten dafür wohl kaum gereicht. Sie führen eine Liste über Ihre Gespräche mit Spielern - wie voll ist sie seit dem Wechsel zu Liefering?
Galm: Es ist eine einfache Excel-Tabelle, in die ich das Datum eintrage, an dem ich zuletzt mit einem Spieler gesprochen habe. Am Ende steht eine Summe und ich sehe, mit wem ich wieder einmal sprechen sollte, weil es in den letzten Tagen oder Wochen zu kurz gekommen ist. Die ersten Tage und Wochen hier waren natürlich aufwendig, aber die jetzt investierte Energie hilft mir in der Zukunft. Es ist wichtig, alle abzuholen, damit sie wissen: Mir sitzt jemand gegenüber, der Bock hat, mit mir zu arbeiten.
Ich habe an einem Mittwochmorgen gesagt bekommen, dass ich die Mannschaft übernehmen darf. Am Nachmittag haben wir zum ersten Mal miteinander trainiert. Am Dienstag darauf hatte ich mit allen Spielern zumindest ein Einzelgespräch - die können 10 Minuten dauern, aber auch eine halbe Stunde. So gesehen war es gar nicht schlecht, dass unser erstes Spiel ausgefallen ist. In drei Tagen hätte ich es nicht schaffen können, mir für alle Zeit zu nehmen.
Wenn Marcus Fragen hat, weiß er ganz genau, dass wir hier immer zur Verfügung stehen. Für seine Entscheidung, hierherzukommen, hat er mich nicht gebraucht.
90minuten: Seit einigen Monaten arbeiten Sie in Salzburg auch wieder mit Marcus Mann zusammen. Es ist nicht die erste Begegnung - ich habe gesehen, dass sich Ihre Wege schon 2009 bei den Stuttgarter Kickers und später in Hoffenheim gekreuzt haben. Wie gut kennen Sie sich? Haben Sie vor seiner Ankunft miteinander gesprochen?
Galm: Marcus und ich durften schon zusammenarbeiten, in Hoffenheim allerdings nur kurz. Wie auch zu Rouven Schröder habe ich einen guten Draht zu ihm. Wir haben alle die gleiche Idee. Wir wollen junge Spieler sehen - am besten aus der eigenen Akademie - die ansehnlichen Fußball spielen, der Spaß macht. Ich freue mich sehr über jeden Austausch. Wenn Marcus Fragen hat, weiß er ganz genau, dass wir hier immer zur Verfügung stehen. Für seine Entscheidung, hierherzukommen, hat er mich nicht gebraucht. Ich hätte ihm gerne etwas über die schöne Gegend erzählt und wie toll man an einem freien Tag auf Berge gehen kann.
90minuten: Vor einigen Wochen hat Marcus Mann einen prägnanten Satz gesagt: “Das größte Argument für einen Verein ist immer die Durchlässigkeit nach oben." Sie sitzen jetzt an einer wichtigen Schnittstelle. Wie viel können sie mit dieser Aussage anfangen?
Galm: Ich kann Marcus nur voll zustimmen. Damit es gelingt, müssen wir untereinander gut kommunizieren. Ich habe den Jungs schon gesagt, dass es hilft, wenn der Cheftrainer von Salzburg sich lange eng mit mir ausgetauscht hat. Umgekehrt bin ich auch jetzt ständig im Kontakt mit der U18. Wir wollen den Spielern zeigen, dass die Tür offen ist, sie sich aber auch in die richtige Position bringen und selbst durchgehen müssen.
Auch beim FC Bayern habe ich versucht, Spieler nach oben zu bringen. Aleks Pavlovic war damals, als ich die U19 übernommen habe, noch kein fertiger Spieler, mit dem man unbedingt gerechnet hat. Er konnte mich in der täglichen Arbeit mit seiner Lernbereitschaft überzeugen. Selbst die Vereinsführung war damals von seiner Entwicklung überrascht. Es hat klare Führung gebraucht, auch Aleks musste man immer wieder in die Bahn bringen. Dann fällt mir auch Tom Bischof ein, zu dem ich ein ganz spezielles Verhältnis habe. Er kommt aus meinem Heimatort. Ich kenne ihn, seitdem er laufen kann. Ich durfte Tom in Hoffenheim trainieren und 2024 gelegentlich als Mentor begleiten. Auch er hatte schwierige Phasen.
Ich führe eine persönliche Liste von Spielern, die ich trainiert habe und versuche, sie zu ranken.
Ich will menschlich sein und Spieler in den Arm nehmen, weil ich selbst viel erlebt habe und weiß, was gerade bei ihnen passiert. Es bringt aber nichts, Mitleid zu suchen, oder in eine Opferrolle zu kippen. Es gehört auch dazu, eine klare Kante zu setzen. Ich versuche, ein gutes Maß zu finden. In meinen ersten sieben Monaten habe ich gemerkt, dass Qualität und Intensität auch hier richtig gut sind.
Ich führe eine persönliche Liste von Spielern, die ich trainiert habe und versuche, sie danach zu ranken, wo ich sie irgendwann einmal sehen könnte. Inzwischen habe ich auch ein paar Spieler, die ich hier kennengelernt habe, hinzugefügt. Wir können uns darauf freuen, was in den nächsten Jahren nachkommt.
90minuten: Ich nehme an, dass sich auch Spieler wie Johannes Moser und Jakob Pokorny auf dieser Liste finden. Die U17-Weltmeisterschaft hat in Österreich für viel Aufregung gesorgt. In Liefering sollen diese Spieler jetzt den nächsten Schritt machen - ist der entstandene Hype nützlich oder eine Hürde?
Galm: Wir hatten neben Jakob und Johannes weitere sieben WM-Fahrer. Ich muss sagen, dass ich auch Nico Masching gerne dabei gesehen hätte, weil er mein U18-Kapitän war. Der Erfolg bei der WM ist nicht nur in den sechs Wochen passiert, wir hatten mit Hermann Stadler ab August einen hervorragenden Austausch. Er wollte immer wissen, wie die Spieler drauf sind. Im Turnier selbst ist den Jungs dann wirklich alles aufgegangen.
Ich bin selbst hingeflogen und habe das Halbfinale gegen Italien vor Ort gesehen. Das ganze Team war in einem 'Flow-Zustand'. Mit unseren Spielern war ich ständig im Austausch, sie sollten mir nach den Spielen einfach eine Sprachnachricht schicken, wie sie ihre Leistung gesehen haben. Im Dezember - das muss ich sagen - war es sehr schwer. Die Jungs waren mental durch - Johannes hat zusätzlich eine Verletzung mit sich herumgetragen. Trotzdem hat man gemerkt, dass sie euphorisiert sind. Wir haben uns bemüht, alles in Gesprächen einzuordnen. Was können die Spieler aus dem Turnier für ihre weitere Karriere mitnehmen? Eine U17-WM ist keine Endstation. Es wird darum gehen, diese Leistungen zu bestätigen. Ich glaube, dass wir unterm Strich das Maximale aus dieser WM herausgeholt haben. Das Schöne ist: Im Fußball geht es immer weiter. Was im November und Dezember passiert ist, interessiert schon wieder keinen mehr. Außer euch Medien (lacht).
Einen Jungen spielen zu lassen, wenn um ihn herum alles wackelig ist, ist schwierig.
90minuten: Die Diskussion hat sich rasch weiterentwickelt. Natürlich entsteht die Erwartung, dass die Spieler zeitnah eine Chance im Profibereich bekommen sollen. Spricht etwas dagegen, sie schon früh ins kalte Wasser zu werfen?
Galm: Wenn es dem Leistungsprinzip entspricht, kann man einen Spieler auch einmal ins kalte Wasser reinschmeißen. Mir ist aber wichtig, dass das Konstrukt rundherum funktionieren muss. Einen jungen Spieler ohne Erfahrung spielen zu lassen, wenn um ihn herum alles wackelig ist oder vielleicht die Hierarchie nicht passt, ist schwierig. Er sollte sich orientieren können und braucht Halt. Deswegen hoffe ich, dass wir in Österreich gute Konstrukte schaffen, um den Jungs eine Chance geben zu können. Das Gleiche hoffe ich für Deutschland, weil auch dort viel Qualität vorhanden ist.
90minuten: Das erste Spiel gegen die Vienna deutet darauf hin, dass sich die taktische Grundidee unter Ihrer Leitung nicht drastisch verändern wird. Inzwischen haben sich viele Gegner gut auf hohe Pressinglinien eingestellt. Welches Rezept haben Sie gegen tiefe Blöcke mit acht oder neun gegnerischen Feldspielern in Strafraumnähe?
Galm: Das Gute ist, dass im Verein alle nach einem klaren Plan arbeiten. Wir wollen den Ball haben. Das heißt, wir müssen intensiv arbeiten, um den Ball zu erobern. Ich stimme zu: In den letzten Jahren hat sich das Spiel mit dem Ball ein bisschen verändert. Mir ist wichtig, in zwei Phasen zu denken: 'Ich habe den Ball' und 'Ich will den Ball'. Es darf wild sein, aber wir müssen dieses Grundgerüst beibehalten. Bei der Balleroberung geht es viel um Gegenpressingmomente, ums vorwärts verteidigen und darum, den Gegner auch ungeordnet zu erwischen, um nicht immer vor einem tiefen Block zu stehen. Im Ballbesitz geht es um Geduld. Vielleicht ist auch einmal ein schneller Diagonalpass die Lösung, um dann wieder vertikal zu spielen oder um den Gegner ins Laufen zu bringen.
Die Spieler müssen verstehen, warum sie etwas machen sollen. Wenn Dinge nur passieren, weil ich es so will, werden sie ihnen viel schwerer fallen.
Ich möchte den Spielern klarmachen, dass es verschiedene Lösungen gibt, um ans Ziel zu kommen. Da kommen wir zurück zur Menschenführung. In praktischen Fragen sind mir zwei Dinge wichtig: Verständnis und Überzeugung von unserem Ansatz. Die Spieler müssen verstehen, warum sie etwas machen sollen - das Einhalten von Abständen zum Beispiel. Dann spielen sie mit Überzeugung. Wenn Dinge nur passieren, weil ich es so will, werden sie ihnen viel schwerer fallen. Sie sollen später zu Daniel Beichler kommen und diese Grundeinstellung schon mitbringen. Da erwarte ich mir in den nächsten Wochen weitere Schritte von uns.
90minuten: Auffällig war, dass Valentin Sulzbacher als Innenverteidiger zum Einsatz gekommen ist. Was war die Überlegung dahinter?
Galm: Aufgrund zahlreicher Verletzungen bei Red Bull Salzburg und in unserem Kader hatten wir ein Innenverteidiger-Thema. Wir stehen in engem Austausch mit unserem Kooperationspartner, der uns aber keinen Spieler zur Verfügung stellen konnte. Also haben wir nach einer 'Ja, und..'-Lösung gesucht. Ich habe mit Sulzi gesprochen, er war offen dafür, auszuhelfen. Es war kein taktischer Zug, sondern eine Reaktion auf die Situation. Mit ihm war ausgemacht, dass er nur eine Halbzeit spielt, weil er von einer Verletzung zurückkommt. Im Nachhinein war das Feedback: 'Trainer, es hat mir mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte.' Zur zweiten Halbzeit haben wir Nico Masching eingewechselt, für ihn war es das Debüt. Ich glaube, dass er das hervorragend gemacht hat.
90minuten: Ein frühes Highlight Ihrer Amtszeit wird das Auswärtsspiel gegen Austria Salzburg. Für viele Spieler ist es eine erste Erfahrung mit einer Derby-Atmosphäre. Hilft das, zu motivieren oder blenden Sie diesen Aspekt aus?
Galm: Ganz ehrlich - ich bin gedanklich voll bei unserem Spiel gegen Bregenz. Alles andere habe ich im Hinterkopf. Ich habe das Hinspiel in unserem Stadion gesehen. Es war eine tolle Kulisse und ein Spiel mit viel Emotion, ich habe mich sehr über den Sieg mitgefreut. Natürlich bin ich jetzt auch wieder gespannt. Ich freue mich auf das Stadion.
Als ich hier nach einer Wohnung gesucht habe, hatte ich ganz in der Nähe eine Besichtigung. Der Vermieter hat mich darauf hingewiesen, dass es in der Nachbarschaft steht - ich habe mich dann für eine andere Wohnung entschieden. Jetzt dürfen wir dort spielen, das ist doch schön. Wir werden die Jungs darauf vorbereiten. Ja, es wird intensiv. Es ist aber manchmal auch schön, beschimpft zu werden. Das müssen wir unseren Spielern sowieso näherbringen, weil es auf dem Weg, den sie gehen wollen, immer wieder passieren wird. Deswegen nehmen wir die Challenge an.
Daniel Sauer