Laura Wienroither hat mit Manchester City den Meistertitel in England geholt. Am Sonntag könnte die ÖFB-Teamspielerin ihre Saison mit dem Double krönen.
Mit Brighton & Hove Albion WFC treffen die "Citizens" im FA-Cup-Finale auf keinen unbekannten Gegner. Zuletzt musste sich ManCity den "Seagulls" knapp geschlagen geben.
Im 90minuten-Interview spricht die Wienroither über das entscheidende Spiel sowie ihre Karriere in England, was den Frauen-Fußball dort so besonders macht und wieso sie die Saison trotz sehr wenig Spielzeit als ganz besondere wahrnimmt.
90minuten: Du hast deine Karriere in Frankenburg begonnen und bist jetzt im Ausland bei Manchester City. Wie würdest du deinen Weg beschreiben?
Laura Wienroither: Am Anfang habe ich nicht damit gerechnet, dass ich es jemals so weit schaffen kann. Das erste Mal realisiert habe ich es, als ich nach St. Pölten in die Fußballakademie gekommen bin. Da war für mich klar: Ich möchte schauen, dass ich es so weit wie möglich schaffe.
Damals war mein Ziel, nach Deutschland zu wechseln und dort in der Bundesliga zu spielen. Viel weiter habe ich noch nicht gedacht. Dann hat alles seinen Lauf genommen, vieles ist unerwartet gekommen. Rückblickend hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in England spielen würde. Und jetzt bin ich da, wo ich bin.
90minuten: Du hattest es in dieser Saison nicht leicht, wie sieht dein Resümee aus?
Wienroither: Persönlich war es eine sehr schwierige Situation mit weniger Spielzeit. Gegen Ende war ich oft verletzt. Nichtsdestotrotz würde ich die Saison für mich als sehr erfolgreich beschreiben.
Der Meistertitel und das FA-Cup-Finale sind Momente, von denen man nicht weiß, ob man sie so schnell oder überhaupt noch einmal erlebt. Deshalb muss ich sagen: Auch wenn es für mich persönlich ein schwieriges Jahr war, habe ich trotzdem jeden Moment auf unterschiedliche Art und Weise genossen.
Ich glaube, England ist schon sehr weit vorne, wahrscheinlich in allen Bereichen mittlerweile.
90minuten: Wie geht man damit um, wenn es für einen selber nicht so läuft, wie man sich das gerade wünscht?
Wienroither: Ich habe solche Momente in meiner Karriere schon öfter erlebt, in denen es schwierig war und ich mich durchkämpfen musste. Weil ich weiß, wie es ist, in so einer Situation zu sein, habe ich gelernt, die Perspektive zu wechseln, etwas herauszuzoomen und trotzdem die positiven Dinge zu sehen.
Jedes Mal, wenn ich durch eine schwierige Phase gegangen bin, habe ich etwas Gutes daraus mitgenommen. Deshalb bin ich im Nachhinein froh, dass ich solche Phasen schon erlebt habe – und wahrscheinlich auch noch erleben werde.
90minuten: Also kannst du deine Aussage von vor ein paar Jahren bestätigen, dass man auch durch Verletzungen und die folgende Zwangspause etwas lernt?
Wienroither: Egal, ob es Verletzungen sind oder Phasen, in denen man wenig spielt oder es generell nicht so läuft, wie man es sich vorstellt – das sind die Momente, in denen man am meisten lernt.
Das gilt für den Fußball, lässt sich aber auch aufs normale Leben übertragen. Irgendwann kommt der Moment, in dem man realisiert, wozu es gut war.
90minuten: Du bist die erste Österreicherin, die es zu Manchester City geschafft hat. Bedeutet dir das etwas?
Wienroither: Das ist nichts, worüber ich groß nachdenke. Ich habe auch nie danach gestrebt, sondern es hat sich mehr oder weniger ergeben. Wir haben viele österreichische Fußballerinnen gehabt, die auf Vereinsebene erfolgreich waren.
90minuten: Ihr habt diese Saison erfolgreich mit dem Meistertitel abgeschlossen. Ich nehme an, so eine Titelfeier, gerade auch in England, ist etwas ganz Besonderes?
Wienroither: Ja, absolut. Es war nicht nur eine Feier, sondern hat sich über mehrere Tage gezogen. Ich muss sagen: Was sie das auf die Beine gestellt haben, war richtig cool.
Für uns als Frauenmannschaft, aber auch die Busparade gemeinsam mit den Männern nach ihrem FA-Cup-Titel, das sind Momente, die ich mit großer Wahrscheinlichkeit nie mehr erleben werde. Deshalb habe ich es in vollen Zügen genossen und die besten zwei Wochen meines Lebens erlebt.
90minuten: Die nächste Feier könnte bald folgen. Wie geht es dir so kurz vor so einem wichtigen Spiel? Was geht dir gerade durch den Kopf?
Wienroither: Das Schönste ist definitiv die Vorfreude. Das Spiel an sich und generell, wie alles rund um das FA-Cup-Finale aufgezogen wird – mit Wembley, dem Stadion und der ganzen Werbung.
Es wird ein richtig cooles Wochenende. Für viele von uns ist es das erste Cup-Finale. Und alle, die schon einmal dort waren, sagen, dass das schwer zu toppen ist.
90minuten: Den Gegner kennt man schon ganz gut. Die letzten Ergebnisse waren immer knapp. Was erwartest du dir?
Wienroither: Eigentlich genau das. Wir haben das letzte Spiel gegen Brighton verloren. Sie waren auch gegen Arsenal erfolgreich. Das ist eine richtig gute Mannschaft mit extrem viel Qualität in der Offensive. Ein Finale ist immer etwas Besonderes. Deshalb glaube ich, dass es ein sehr enges und kampfbetontes Spiel werden kann.
90minuten: Was würde dir und dem Verein der FA-Cup-Titel bedeuten?
Wienroither: Extrem viel - wenn man sieht, wie viel Manchester City in die Frauenabteilung investiert und an wie vielen Stellschrauben gedreht wird, damit der Frauenfußball in England noch besser wird.
Wir Spielerinnen schätzen die ganze Arbeit, die dahintersteckt, enorm und wollen auch etwas zurückgeben. Deshalb wäre es etwas ganz Besonderes, die Saison mit einem Double abzuschließen.
90minuten: Wie darf man sich das Leben als Fußballerin in England vorstellen?
Wienroither: England ist wahrscheinlich in allen Bereichen sehr weit vorne. Bei uns gibt es ein gemeinsames Frühstück, danach Zeit für Behandlungen. Wer ins Gym gehen will, hat dafür Zeit. Danach folgt die Besprechung und anschließend geht es direkt wieder ins Gym zur Aktivierung vor dem Training.
Nach dem Training essen wir gemeinsam zu Mittag, danach ist noch einmal Zeit für Behandlungen. Gegen 15:00 oder 15:30 Uhr sind wir ungefähr fertig.
90minuten: Wo liegen die größten Unterschiede zu anderen Ländern?
Wienroither: Die Bedingungen, die in England herrschen, gibt es vielleicht bei einigen Top-Vereinen in anderen Ligen. Wir müssen uns wirklich um nichts kümmern. Uns wird gefühlt alles zu Füßen gelegt – manchmal sogar zu viel.
Aber genau dort möchte der Frauenfußball in England hin: Dass man sich als Vollprofi fühlt, mit allem, was dazugehört. Da ist England mittlerweile ganz weit vorne.
90minuten: Was ist dein nächstes Ziel?
Wienroither: Nach einigen persönlich sehr schwierigen Jahren möchte ich wieder zu mir selbst zurückfinden, konstant werden und vor allem konstant fit bleiben. Das ist mein kurzfristiges Ziel – auch über den Sommer hinweg, damit ich bestmöglich in die nächste Saison starten kann.
Mit dem Verein gibt es wieder drei Bewerbe, in denen wir um Titel spielen können. Man hat gesehen, wie viel Qualität in unserem Kader steckt. Deshalb traue ich mich zu sagen, dass wir in allen drei Bewerben um den Titel mitspielen können.
90minuten: Dein Ziel ist es also, wieder mehr Spielpraxis bei Manchester City zu sammeln?
Wienroither: Genau. Das ist ganz klar mein Ziel. Ich will auf jeden Fall mehr spielen.
Das ist ein Kreislauf: Wenn man mehr spielt, kommt man automatisch besser in den Rhythmus. Kleine Verletzungen kann man dann vielleicht auch besser kompensieren, weil man ständig eine Belastung hat.
90minuten: Danke für das Gespräch!