Heinle: "Wels soll mittelfristig um den Aufstieg mitspielen"
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Heinle: "Wels soll mittelfristig um den Aufstieg mitspielen"

Christian Heinle geht gemeinsam mit Hertha Wels in die zweite 2. Liga-Saison in Folge. Im Interview spricht er über kleine und große Ziele sowie darüber, warum Ehrlichkeit und Transparenz so wichtig sind.

Am Ende der Saison 2025/26 gelang Hertha Wels der Klassenerhalt in der ADMIRAL 2. Liga - und das in souveräner Manier. Auf den Tabellenletzten aus Bregenz, der aufgrund der Insolvenzen von Stripfing und Austria Klagenfurt der letztverbliebene Absteiger gewesen wäre, hatte man 17 Zähler Vorsprung.

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Dass es dann nur zwei Aufsteiger gab und die Welser einfach nur physisch anwesend hätten sein können, wusste zu Jahreswechsel und angesichts von nur drei Siegen aus 17 Partien niemand. Das Denken bei Trainer Christian Heinle, wie der Ligaverbleib gesichert werden könnte, hat sich aber durch keinen dieser Umstände verändert. "Es kann intern nicht unser Anspruch sein, dass wir den Ligaverbleib schaffen, weil andere sportlich oder wirtschaftlich Probleme bekommen", sagt er im 90minuten-Interview zum Saisonauftakt.

In diesem dreht sich viel um den Rückblick auf die abgelaufene Saison und welche nächsten Schritte daraus folgen. Doch es geht auch um die Schwierigkeit eines Trainers eines Zweitliga-Mittelständlers, wenn man einem Spieler mitteilen muss, dass es für mehr nicht reichen wird.

90minuten: Wie bewerten Sie den Saisonstart?

Christian Heinle: Sowohl von der Punkteausbeute, als auch von der Performance ist es genau in dem Bereich, wie ich uns gerade sehe. Wir sind noch nicht so weit wie im erfolgreichen Frühjahr, aber definitiv weiter als voriges Jahr im Herbst. Das Spiel gegen Liefering war von der Intensität und Struktur schon wieder sehr anspruchsvoll.

Nachdem man das Ziel geschafft hatte, glaubten viele im Umfeld, dass man wieder schnell vorne mitspielen kann – diese Träumereien habe ich auch im engeren Umfeld häufig gehört.

Christian Heinle

90minuten: Was kann das zweite Jahr nun generell bereithalten?

Heinle: Jahr eins war wichtig, weil die Anpassung vom Amateur- zum Profiverein Zeit braucht. Das haben wir auch gewusst. Wir haben diese Entwicklung in jeglicher Hinsicht geschafft, nicht nur sportlich, sondern auch hinsichtlich des Rundherums. Das große Ziel war der Klassenerhalt, jetzt im zweiten Jahr wollen wir die stetige Weiterentwicklung vorantreiben.

90minuten: Die Aufgabe Klassenerhalt ist aufgrund von Stripfing und Klagenfurt mit der Zeit leichter geworden. Wie nimmt das die Kabine auf, wie moderiert man dies als Trainer?

Heinle: Das mag nach außen hin den Anschein gehabt haben, dass es leichter wird. Eigentlich war es aber so, dass wir relativ lang von den Punkten her nah an Bregenz waren. Und es kann intern nicht unser Anspruch sein, dass wir den Ligaverbleib schaffen, weil andere sportlich oder wirtschaftlich Probleme bekommen. Mit dem Jahreswechsel sind wir in einen guten Lauf gekommen und haben eindrucksvoll bewiesen, was wir imstande sind zu leisten.

90minuten: Gefordert wurden dynamischer Fußball und Aktivität im Spiel. Inwiefern ist man schon nahe an dem Fußball dran, den man sich vorstellt?

Heinle: Wenn du im Fußball erfolgreich sein willst, musst du dir Ziele setzen. Mehr Spielaktivität und Dynamik sind nach wie vor unser Ziel, auch ein Jahr nach dem Aufstieg. Wir setzen es aber schon richtig gut um, auch wenn es im Herbst schwieriger war. Wir sind athletisch und taktisch besser geworden. Wenn wir das letzte Spiel gegen St. Pölten gewonnen und Liefering verloren hätten, wären wir sogar die beste Mannschaft in der Jahrestabelle 2026 gewesen – und das als Aufsteiger. So sind wir Dritter gewesen, also ist das sehr erfolgreich gewesen. Der Weg war aber mit sehr vielen Hindernissen und Herausforderungen verbunden.

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90minuten: Welche?

Heinle: In Wels war man es gewohnt, jahrelang in der Regionalliga mit einem sehr guten Budget ganz vorne mitzuspielen, obwohl man den Aufstieg jahrelang verpasste. Nachdem man das Ziel geschafft hatte, glaubten viele im Umfeld, dass man erstens mit ähnlichem Budget beziehungsweise zweitens generell wieder schnell vorne mitspielen kann – diese Träumereien habe ich auch im engeren Umfeld häufig gehört. Es ist zwar schön, wenn man sich Ziele setzt, diese müssen jedoch realistisch bleiben.

In einer Profiliga erstmals seit über 30 Jahren Fuß zu fassen, mit einem überschaubaren Budget und komplettem Wandel von Amateur in Profibetrieb ist enorm schwierig. Wir haben es toll gemeistert, es waren aber viele Adaptierungen über das Jahr hinweg notwendig – sei es am Spielersektor, als auch in unserem täglichen Tun. Es mussten harte Entscheidungen getroffen werden, die unumgänglich waren, im Nachhinein aber Goldes wert – vor allem was die Transferperiode im Winter betrifft.

90minuten: Mit Christopher Wernitznig und Stefan Haudum kamen zwei Routiniers, es wurden umgekehrt erfahrene Spieler abgegeben. Was waren bzw. sind in der Transferzeit die Ziele?

Heinle: Dieser Umbruch war größer als vielleicht zu Beginn gedacht. Wir haben uns weniger als zehn Zu- und Abgänge erwartet. Das Ziel war eigentlich, uns punktuell zu verstärken, was uns im Großen und Ganzen auch gelungen ist.

90minuten: Es ist übrigens nicht selbstverständlich, dass Spieler des Aufsteigers in die ADMIRAL 2. Liga zu größeren Klubs gehen.

Heinle: Dass Albin Gashi nicht zu halten sein wird, nach seiner besten Saison, war uns klar. Karim Conté ist zum Aufstiegskandidaten gewechselt, auch um Manuel Thurnwald gab es Interesse. Das sind drei Leistungsträger, sie zu ersetzen, war und ist eine große Herausforderung. Thurni ist zum Glück wieder bei uns gelandet. Wir haben in der Offensive viel Potenzial dazugeholt, Din Barlov und Yasin Mankan kennen die Liga, hatten aber aus diversen Gründen wenig Einsatzzeit. Unser Weg ist es, diese Spieler so zu begleiten, damit sie bei uns den nächsten Karrierestep gehen können.

Es ist unsere Verpflichtung, die Kicker auch dann besser machen zu wollen, wenn sie nicht spielen. Wenn das zusammenspielt, erkennt der Spieler dann, dass es in der Situation bei diesem Verein nicht gereicht hat, aber es war keine verlorene Zeit.

90minuten: Die 2. Liga hat die vielbeschworene Drehtüren-Funktion. Das heißt, manche schaffen es weiter rauf, andere gehen wieder in den Amateurbereich. Gesprochen wird eher über die, die es nach oben schaffen. Wie unangenehm ist es, jemandem mitzuteilen, dass es für den Profifußball nicht reicht?

Heinle: Wir führen viele offene Gespräche, nicht nur rund um die Transferzeit. Transparenz ist die gesamte Saison wichtig, um die Spieler zu verbessern, für sie persönlich und uns als Verein. Umgekehrt muss man dabei realistisch sein. Ein Spieler trainiert, um am Wochenende eingesetzt zu werden. Und dann erkennt man schon, dass es bei uns vielleicht schwieriger wird – in Abstimmung mit uns. Es soll nicht so sein, dass einer dann von so einer Entscheidung überrascht wird. Dazu braucht es die Ehrlichkeit. Es ist zudem unsere Verpflichtung als Trainerteam, die Kicker auch dann besser machen zu wollen, wenn sie nicht spielen. Wenn das zusammenspielt, erkennt der Spieler dann, dass es in der Situation bei diesem Verein nicht gereicht hat, aber es war keine verlorene Zeit.

90minuten: Vor allem kann man auch die Chancen sehen, oder? Wenn man mit 23 Jahren nicht Stammspieler bei Hertha Wels ist, dann kann es sein, dass die Kombination Privatwirtschaft und Amateurbereich nicht nur sportlich richtig ist, sondern auf Sicht auch finanziell.

Heinle: Genauso ist es. Wenn wir Potenzial sehen und der Spieler die richtige Mentalität hat, kann es richtig sein, am Traum festzuhalten und ein, zwei Saisons professionell weiterzuarbeiten. Dann kann danach noch immer eine Entscheidung getroffen werden. Ich bin kein Freund davon, so etwas schnell zu entscheiden. Am Ende des Tages wird es diese schwierigen Gespräche geben. Ich habe übrigens in den letzten Jahren oft mit routinierten Spielern geredet. Die haben es extrem geschätzt, wenn man offen und fair ist, sonst ist es für alle Seiten verlorene Zeit.

90minuten: Aktuell hat man ja ausschließlich Profis?

Heinle: Genau, mit Ausnahme des einen oder anderen jungen Spielers, den wir hochgezogen haben.

So wie hier Blau-Weiß Linz will Wels irgendwann auch einen Aufstieg bejubeln.
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So wie hier Blau-Weiß Linz will Wels irgendwann auch einen Aufstieg bejubeln.

90minuten: Es geht sich ja heutzutage trotz der Möglichkeit, mit Amateuren 2. Liga zu spielen, sportlich kaum aus, wenn einer 40 Stunden in der Woche im Büro hockt oder auf der Baustelle ist.

Heinle: Wenn ich als Verein hundert Prozent fordere, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen, damit der Spieler hundert Prozent geben kann. Ich kann mir ja nicht erwarten, dass einer bei jedem Training topfit und in jeder Videoanalyse hellwach ist, wenn er davor acht Stunden irgendetwas gearbeitet hat. Darum war es auch so wichtig, so schnell wie möglich auf Profibetrieb umzustellen.

90minuten: Wo kann die Reise nun hingehen – welche Ziele verfolgt Hertha Wels?

Heinle: Für mich als Trainer ist es wichtig, die Situation richtig einzuschätzen und geduldig zu bleiben. Wir waren im Frühjahr extrem weit, waren in jeder Spielphase extrem klar. Nach so einem großen Umbruch im Kader und dem Abgang von Albin – er war an über 50 Prozent unserer Tore beteiligt – muss man ein gewisses Vakuum füllen. Wir setzen uns schon unsere Ziele. Mittelfristig wollen wir beispielsweise um den Aufstieg mitspielen. In den nächsten ein bis zwei Jahren wollen wir uns stetig weiterentwickeln.

90minuten: Was heißt das konkret?

Heinle: Dass wir Platz neun anpeilen, also einen einstelligen Tabellenplatz. So könnte man das plakativ sagen. Wenn wir aber eine Topsaison spielen, inhaltlich besser werden und Spieler den nächsten Schritt machen und dann ist es Rang elf, ist es für uns auch okay. Wir wollen eine sorgenfreie Saison und so arbeiten, dass wir Spieler wie Gashi oder Conté halten können, um Richtung Tabellenspitze zu schielen.

90minuten: Stichwort Tabellenspitze: Was unterscheidet Ihre Mannschaft von einer, die um den Aufstieg mitspielt – sind das drei oder elf Bundesligaspieler, die Wels fehlen?

Heinle: Ich würde sagen, die Wahrheit liegt in der Mitte. Und wir stellen uns diese Frage regelmäßig in der Kaderplanung, gerade wegen unserer mittelfristigen Ziele. Was am meisten fehlt, ist das Budget. Ich denke aber schon, dass man mit akribischer Arbeit und wenn man in einen Flow kommt, vorne mitspielen kann. Dennoch ist gerade die 2. Liga extrem. Als wir im Frühjahr gegen die Admira gespielt hatten, hatte die gesamte Startelf Bundesliga-Erfahrung. Bei uns waren es mit Thurnwald und Luan nur zwei Spieler. Der Rest kam aus der zweiten oder dritten Leistungsstufe. Also ist es in erster Linie ein monetäres Thema.

Du kannst dir immer und überall etwas abschauen, das ist mein Grundsatz. Gemeinsam mit dem Videoanalysten vergleichen wir auch ständig unsere Szenen mit Lösungen von Topteams. Der Unterschied ist natürlich groß.

90minuten: Die Weltmeisterschaft hat gezeigt: Handlungsschnelligkeit ist entscheidend. Kann man sich aber als österreichischer 2.-Liga-Trainer überhaupt was von dort abschauen oder ist das in Wahrheit eine andere Sportart?

Heinle: Du kannst dir immer und überall etwas abschauen, das ist mein Grundsatz. Gemeinsam mit dem Videoanalysten vergleichen wir auch ständig unsere Szenen mit Lösungen von Topteams. Der Unterschied ist natürlich groß, neben der Handlungsschnelligkeit offenbart ein genauerer Blick, dass jeder Pass genau zum Fuß geht, jeder Spieler weiß, was dann passieren muss. Mich freut es persönlich, dass eine Ballbesitzmannschaft wie Spanien so dominiert, weil das ganze Spiel wirkt wie aus einem Guss.

90minuten: Sprechen wir noch über die Möglichkeit, dass man absteigen könnte. Mit Voitsberg gibt es einen Aufsteiger mit Profibetrieb, also eine harte Nuss – es gibt ab diesem Jahr einen Absteiger weniger. Hat das Auswirkungen?

Heinle: Nicht unmittelbar. Meine operative Tätigkeit im Trainergeschäft kann nie darauf abzielen, nicht abzusteigen. Wir wollen das Maximale erreichen. Ich habe meine Spielidee vor drei Jahren im Nachwuchszentrum eingeführt, dann haben wir uns letztes Jahr auf einen Spielstil committed. Man muss sich aber anpassen. Als ich im Herbst gemerkt habe, dass wir uns athletisch schwer tun, mussten wir das Training anpassen, weil der Klassenerhalt ja über allem stand.

90minuten: Welche Ziele verfolgt man denn nun konkret über die erwähnten hinaus?

Heinle: Die Spielentwicklung per se. Schauen wir uns Stefan Haudum an. Der kam von der Admira und wollte zu uns, um gemeinsam mit uns den nächsten Step zu gehen. Er ist ja auch noch jung genug, um einmal um den Aufstieg mitzuspielen. Jetzt müssen wir aber unsere Spielidee erst einmal allen neuen Spielern beibringen – sonst brauchen wir nicht über Weiterentwicklung reden.

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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