Wie rüstet sich Wacker Innsbruck für den Aufstieg?
Foto © GEPA / Wacker Innsbruck (Fotomontage 90minuten)

Wie rüstet sich Wacker Innsbruck für den Aufstieg?

Wacker Innsbruck hat einen Fuß in der Tür zur 2. Liga. Nach zwei Aufstiegen in Folge bringt der erhoffte Übertritt in den Profibereich einige Herausforderungen mit sich. 90minuten hat erfragt, was der Verein aktuell plant.

Noch sei der Aufstieg nicht geschafft, betont Hannes Rauch im Telefongespräch mit 90minuten gelegentlich. Es könne im Frühjahr noch einiges passieren.

Die Argumente für das Bremsen der Euphorie sollten dem Präsidenten von Wacker Innsbruck in den kommenden Monaten aber rasch ausgehen. Konkurrenten gibt es keine mehr, der zweite Tabellenplatz würde reichen. Der Abstand auf Rang drei beträgt elf Punkte.

Nur das Auftaktspiel in der Regionalliga West gegen Seekirchen ging für Wacker verloren. Auf den ersten Schreck antwortete man mit 14 Siegen in Serie. Im letzten Spiel vor der Winterpause wurden die Punkte geteilt, das Duell mit der zweiten Mannschaft des SCR Altach geriet dank Ausschreitungen nach dem Schlusspfiff in die Schlagzeilen.

Nachspiel?

Von Rauch und Kooperationspartner LAFC wurde Fehlverhalten innerhalb der eigenen Anhängerschaft öffentlich kritisiert - ob es für den Verein Konsequenzen geben wird, steht noch immer nicht fest. Während der SCR Altach als Veranstalter beim Vorarlberger Verband bereits aus dem Schneider ist, wird der TFV das Auswärtsteam Wacker erst abhandeln.

Auf See und vor Gericht weiß man nie, was herauskommt

Präsident Rauch hofft auf einen Freispruch

"Auf See und vor Gericht weiß man nie, was herauskommt", meint Rauch. Zuständig ist freilich kein Gericht, sondern der Tiroler Strafsenat. Dass in diesem auch Westliga-Konkurrenten vertreten sind, stört ihn nicht besonders. So sei das System einfach.

Eine Strafe für den Verein hielte er jedenfalls für ungerecht, weil: "Wir in Tirol sagen immer: Oa Scheit alloa brennt nit."

Wacker-Präsident Hannes Rauch
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Wacker-Präsident Hannes Rauch

Intern habe man die Vorkommnisse bereits aufgearbeitet. Rauch hält fest: "Wir sind nicht so. Es hat in den vergangenen Jahren eigentlich nie Vorfälle gegeben. Auswärts nicht und bei Heimspielen ist sowieso immer Volksfeststimmung."

Für das Umfeld war der Vorfall ein Weckruf, nachdem die letzten Spielzeiten ohne Berührungspunkte mit Rivalen über die Bühne gegangen sind. Schon rund um das Cup-Spiel gegen den SK Rapid im Sommer gab es angespannte Situationen, letztlich blieb alles friedlich. Der Austausch zwischen Ultras und Verein ist gut und wird gut bleiben müssen, um die im Profibereich teuren Strafen - auch für Pyrotechnik - zu vermeiden.

Ausgliederung naht

Es gibt bei Wacker auch noch andere Baustellen. Zwar steht der Zweitligazulassung durch die Bundesliga grundsätzlich nichts im Weg, formal will trotzdem alles ordentlich aufbereitet sein, bevor die Unterlagen Ende März eingereicht werden.

Schon seit mehr als einem Jahr wird an der Gründung von zwei GmbHs gearbeitet, die künftig die Agenden rund um die Kampfmannschaft sowie die Vermarktung verwalten sollen.

Es ist ja kein Geheimnis, in den nächsten Tagen finden die Notartermine statt.

Hannes Rauch

Immer wieder wähnte man sich kurz vor dem Abschluss, bis heute ist der Gründungsprozess nicht finalisiert. Dieses Mal soll es aber wirklich soweit sein: "Es ist ja kein Geheimnis, in den nächsten Tagen finden die Notartermine statt. Das wird jetzt relativ zügig vonstattengehen", sagt Hannes Rauch.

Ursache für die Verzögerung war die kompliziert gestrickte Konstellation um die Markenrechte. Nach dem Konkurs des FC Tirol Innsbruck 2002 sicherte sich eine Faninitiative die Kontrolle über Vereinsfarben, Wappen und Namen.

Wenn sich drei Parteien an einen Tisch setzen müssen, geht es selten schnell. Von Rauch gibt es zu diesem Thema keinen Kommentar. Einige Gespräche hätten länger gedauert, meint er.

Mehrheit geht an LAFC

Sobald die GmbHs in trockenen Tüchern liegen, ist auch die Verknüpfung mit LAFC weiter intensiviert. Die klare Mehrheit der Anteile werden an den Kooperationspartner abgetreten, im Einklang mit der "50+1"-Regel soll die Stimmenmehrheit bei Gesellschafterbeschlüssen aber auf Seite des Vereins bleiben.

Wie die Geschäftsführungen besetzt werden, ist derzeit noch offen. "Es werden sowohl Vereinsvertreter als auch Vertreter von LAFC sein", lässt Rauch durchklingen. Gut möglich ist, dass die Wahl letztlich auf ihn, sowie Sportvorstand Jakob Griesebner fällt. Seitens LAFC kommen ergänzend wohl Lukas Grether und Harald Gärtner infrage - die beiden Deutschen vertreten die Eigentümer in Europa und stehen mit den Tiroler Verantwortlichen im engen Austausch.

Harald Gärnter im 90minuten-Interview:


Stolperstein 2. Liga?

Wacker Innsbruck würde mit viel Wucht in den Profifußball zurückkehren. Der US-amerikanische Partner ist zahlungskräftig, über das gemeinsame Netzwerk gibt es zudem intensive Verbindungen zu Bayern München.

Dass schon andere ambitionierte Projekte in der 2. Liga verendet sind - man denke an den SKN St. Pölten im Zusammenspiel mit dem VfL Wolfsburg - sollte eine Warnung sein. Trotzdem stellt Rauch fest: "Wacker Innsbruck ist in jeder Liga lebensfähig. In der fünften, der vierten, der zweiten und wäre es auch in der Bundesliga." Man brauche starke und verlässliche Partner, um stabil zu sein, meint der ehemalige Politiker. 

Dass die zweite Liga für viele Vereine eine Herausforderung ist, ist unbestritten.

Hannes Rauch

Fehler, die in der Vergangenheit passiert sind, möchte man jetzt vermeiden und sich nicht überheben: "Das ist für uns immer die oberste Prämisse: Stabilität und Liquidität geht über alles. Ich mache mir keine Sorgen. Dass die zweite Liga für viele Vereine eine Herausforderung ist, ist unbestritten."

Aktuell wird der Verein vor allem von ehrenamtlicher Arbeit getragen, das will man sich auch ein Stück weit beibehalten. 

"Nach dem Konkurs haben wir das sogenannte Wacker-Team ins Leben gerufen, das soll bestehen bleiben. Ich glaube, dass uns das Vereinsleben in den letzten Jahren ausgezeichnet hat. Wir wollen bodenständig sein und bleiben", erklärt der Präsident. Als Gegenleistung bietet der Verein Aufmerksamkeiten wie Freikarten oder Meet-and-Greets.

Effiziente Professionalisierung

Trotzdem wird sich das Team hinter den Kulissen in den kommenden Monaten vergrößern. "Es gibt jetzt schon einige Mitarbeiter, die etwas bezahlt bekommen", heißt es von Hannes Rauch. Mit den GmbH-Gründungen kommen weitere Personen dazu, man werde aber im einstelligen Bereich bleiben. Schlank und effektiv soll die Management-Struktur sein, betont er.

Möglich wäre auch eine Erweiterung des Vorstandes auf drei Personen, breit genug dafür wäre das Aufgabenportfolio. Viele Prozesse im Hintergrund laufen nicht rein hausintern ab, die Abstimmung mit dem Partner bringt Aufwand mit sich, diverse Abläufe sind noch nicht eingespielt. Wenn in der 2. Liga zusätzliche Reisen und Verpflichtungen dazukommen, bleibt wenig Zeit für Nebenschauplätze.

Aber auch hier sieht man vorerst keinen Handlungsbedarf, das Zweierteam Rauch-Griesebner wurde erst vor einem Jahr auf einer Mitgliederversammlung mit 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Gutes Geld

Auf wirtschaftlicher Ebene hat der Verein mit der sportlichen Entwicklung mitgehalten und sie wahrscheinlich bereits überholt. Einnahmen aus dem Merchandising seien inzwischen ein wesentlicher Bestandteil des Budgets, berichtet Rauch. Schon jetzt, in der dritten Liga, habe man das Niveau von vor dem Konkurs erreicht.

Ich glaube, dass sich der eine oder andere Bundesligist in Österreich sehr über unsere Verkaufszahlen freuen würde.

Hannes Rauch

Alleine mit Trikots und anderen Fanartikeln wird ein sechsstelliger Umsatz verbucht. Zugegeben, das lässt einen breiten Rahmen - trotzdem ist damit eine Schallmauer gebrochen, zu der sich viele andere Vereine mühsam strecken müssen: "Ich glaube, dass sich der eine oder andere Bundesligist in Österreich sehr über unsere Verkaufszahlen freuen würde."

Im Sommer ging es dem Verein sogar eine Spur zu schnell: Der SK Rapid war im ÖFB-Cup zu Gast, das Tivoli-Stadion ausverkauft, aber auch die Trikots waren vergriffen.

"Dafür konnten wir natürlich nicht planen. Man bestellt die Merchandising-Artikel sechs bis acht Monate vor der Saison, kurzfristig reagieren, kann man dann nicht mehr", sagt der Wacker-Präsident. Ein Problem sieht er nicht: "Lieber bin ich ausverkauft und hocke nicht auf vollen Kartons."

Das Wacker-Heimtrikot 25/26 wurde zum Verkaufsschlager:

Auch im Merchandising-Bereich kommt Rauch auf die Schlagwörter "schlank“ und "effizient" zurück. Man habe sich bewusst für eine schmale Produktpalette entschieden, um die Lagerung einfach zu halten.

Neuer Hauptsponsor im Sommer?

Im Sommer endet der Vertrag mit dem derzeitigen Hauptsponsor, einem Tiroler Logistikunternehmen. Derzeit laufen Gespräche, wie eine weitere Zusammenarbeit aussehen kann. Zufällig gewählt war das Timing wohl nicht. Für den Verein ist die Verhandlungsposition kurz vor dem Übertritt in den Profibereich ideal.

Über die letzten Monate wurden diverse Kontakte geknüpft, auch in diesem Punkt könnte der Partner behilflich sein. Der Grasshopper Club Zürich - wie Wacker Innsbruck Teil des LAFC-Netzwerks - hatte über Jahre gar keinen Hauptsponsor, im Juli 2025 wurde ein Schweizer IT-Unternehmen an Land gezogen.

Wir sind als Marke wieder sehr attraktiv für Partner aus der Wirtschaft.

Hannes Rauch

Das Interesse an Wacker Innsbruck sei jedenfalls auch in dieser Hinsicht gestiegen, versichert der Präsident. "Wir sind als Marke wieder sehr attraktiv für Partner aus der Wirtschaft. Man sieht jetzt, dass Firmen auf uns zukommen. Sponsoren und Unterstützer kann man nie genug haben." Laut 90minuten-Informationen soll demnächst ein Autopartner präsentiert werden.

Vergessen möchte man all jene, die dem Verein in den letzten Jahren auf die Beine geholfen haben, nicht. "Wir haben es immer so gesagt: Jene Sponsoren, die schon früh bei uns eingestiegen sind, sollen später natürlich merken, dass die Treue in beide Richtungen hält. Wir wollen sie deswegen auch in Zukunft gut behandeln."

Neuer Rasen

Ausdruck der allgemeinen Euphorie sind die positiven Zuschauerzahlen. In der Bundesliga zählte Wacker Innsbruck zum Schluss im Schnitt 4.700 Fans, eine Etage tiefer bis zu 3.500. Mit dem Aufstieg würde man diese Richtwerte wohl deutlich übertreffen, schon jetzt läge man in der 2. Liga ganz vorne.

Das Tivoli erhält vor der kommenden Saison einen neuen Rasen
Foto © GEPA
Das Tivoli erhält vor der kommenden Saison einen neuen Rasen

Für die 2. Liga plant Wacker mit der West- und Nordtribüne, das ergibt eine Kapazität von rund 8.000 Plätzen. Bei Bedarf kann auch der Gästesektor geöffnet werden. Nur bei Hochsicherheitsspielen, wie etwa gegen Austria Salzburg, müsste man adaptieren.

Schon im vergangenen Sommer sollte der Tivoli-Rasen getauscht werden, das Vorhaben ist aufgrund der letztlich erfolglosen Innsbrucker Songcontest-Bewerbung gescheitert. In wenigen Monaten ist es jetzt aber soweit. Teilen müsste man ihn sich bald auch nicht mehr, die WSG Tirol möchte nach Fertigstellung des neuen Gernot-Langes-Stadions zurück nach Wattens.

Über Visionen möchte ich nicht reden. Grundsätzlich sind wir mit der Infrastruktur am Tivoli zufrieden.

Hannes Rauch

Wie es darüber hinaus mit der Infrastruktur aussehen könnte, verrät Rauch nicht. "Wir setzen einen Schritt nach dem anderen. Über Visionen möchte ich nicht reden. Grundsätzlich sind wir mit der Infrastruktur am Tivoli und eigentlich auch mit den Nebenplätzen zufrieden." Die Idee und Möglichkeit, zu wachsen, gäbe es zwar. In den nächsten ein, zwei Jahren sei das aber kein Thema.

Partnerschaft

Als Treiber hinter vielen Entwicklungen bei Wacker Innsbruck steht Partner LAFC. Mit dem Aufstieg in den Profifußball würde sich die Zusammenarbeit und die Investitionen der US-Amerikaner erst richtig lohnen.

Man möchte gemeinsam Geld verdienen - davon ist man jetzt noch ein Stück weg, sagt Rauch. Weder in der dritten noch in der zweiten Liga sei das gut möglich.

Wie die Aufteilung der Einnahmen in Zukunft konkret aussehen könnten, lässt er offen: "Das sind natürlich angenehme Probleme, die wir gerne lösen, wenn sie da sind." Auf Nachfrage heißt es dann: "Es gibt sehr detaillierte Verträge, die Wacker Innsbruck und LAFC kennen. Dabei wollen wir es auch belassen."

Wacker Innsbruck profitiert vom "Red & Gold"-Netzwerk, einem Projekt von LAFC und dem FC Bayern München
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Wacker Innsbruck profitiert vom "Red & Gold"-Netzwerk, einem Projekt von LAFC und dem FC Bayern München

Der LAFC-Einstieg wurde 2023 auf einer breiten Basis im Rahmen einer Generalversammlung beschlossen und in den Statuten verankert. Man ist einseitig exklusiv verpartnert: Wacker Innsbruck darf sich nur an Gesellschaften beteiligen, an denen auch Los Angeles Anteile hält.

"Entscheidend ist, dass man die eigenen Wurzeln nicht vergisst", meint Hannes Rauch, angesprochen auf das stetig wachsende Netzwerk, zu dem man inzwischen gehört.

Es wird sich zeigen, ob der Standort Innsbruck letztlich ein besserer ist als Zürich. Die Grasshoppers spielen in der Super League abermals gegen den Abstieg, im Vereinsumfeld des Rekordmeisters rumort es seit Monaten. Die Fanszene kritisiert den Mangel an Investitionen in den Sport und nicht eingehaltene Versprechen immer heftiger, die LAFC-Führung setzt auf wirtschaftliche Konsolidierung und bündelt derzeit viele Ressourcen in der Schweiz.

In Innsbruck ist von derartigen Turbulenzen noch nichts zu spüren. Die kommende Saison wird ein guter Indikator dafür, ob es so bleiben kann.

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