Wer zum Geier ist der neue Ried-Trainer Mario Despotović?
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Wer zum Geier ist der neue Ried-Trainer Mario Despotović?

Nach dem Abgang von Erfolgstrainer Maximilian Senft nach etwas mehr als drei Spielzeiten übernimmt der gebürtige Kroate Mario Despotović die SV Ried. Den hatte niemand auf der Rechnung. 90minuten kennt die Hintergründe.

Mario Despotović war vermutlich nicht einmal den meisten Fußball-Insidern ein Begriff. Doch die SV Ried entschied sich für den 41-Jährigen, der in Kroatien, Kanada und Ägypten arbeitete und aus dem Dunstkreis der Taktiker von spielverlagerung.de kommt.

Er soll bei den Innviertlern nun die Arbeit von Maximilian Senft weiterführen, verfeinern und den nächsten Schritt machen. Wie schon bei so mancher Trainerbestellung pokert Sportvorstand Wolfgang Fiala durchaus hoch.

Fiala ist kein sportlicher Leiter, der die einfache Lösung sucht. Anfang 2021 war er für die Verpflichtung von Miron Muslic verantwortlich. Der war bei der SV Ried im Grunde komplett erfolglos und zeigte sein Potenzial erst im Ausland.

Nach eher konservativen Verpflichtungen – Heraf, Ibertsberger – durfte Christian Heinle ran. Der bis dato ebenfalls eher unbekannte Coach konnte mit Aufsteiger Hertha Wels und Rang zehn in der vergangenen Saison eine Duftmarke setzen. Die Abstiegsnot konnte Nachfolger Senft auch nicht lindern.

Abgang und Suche

Nach dem Abstieg begann jedoch eine Erfolgsgeschichte. Ried stieg unter Senft im zweiten Jahr aus der Zweitklassigkeit auf, gewann die Qualifikationsgruppe und war nur einen Sieg vom Europacup entfernt. Der Karlsruher SC kam auf den Coach zu, und er zog weiter. Mit mehr als drei Jahren in Ried verblieb er knapp drei Mal so lang beim Klub wie ein durchschnittlicher Bundesliga-Trainer.

Maximlian Senft brachte die SV Ried in die Bundesliga und verabschiedete sich nach der letzten Saison Richtung Karlsruhe
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Maximlian Senft brachte die SV Ried in die Bundesliga und verabschiedete sich nach der letzten Saison Richtung Karlsruhe

Somit brauchten die Innviertler einen neuen Trainer. Fiala beschrieb die Suche im 90minuten-Exklusiv-Interview so: Er hat ungefähr einen Überblick, wer frei sein könnte, befasse sich aber erst mit der Frage nach dem neuen Übungsleiter, wenn es sein muss. Schon drei Monate wären eben eine lange Zeit.

Am Ende waren laut Medienberichten doch sieben Trainer in der engeren Auswahl. Co-Trainer Moritz Kossmann kannte Mario Despotović bereits länger, Fiala und der technische Direktor Lukas Brandl lernten ihn auf einem Branchenevent namens TransferRoom in Berlin im Jahr 2025 kennen.

So tickt er

In einem Interview vor ein paar Jahren sprach der neue Ried-Coach über seine Entwicklung.

Der Trainer selbst bezeichnet sich als ehrgeizig, leidenschaftlich und klar in seinen Vorstellungen. Am Trainingsplatz sind ihm Ehrlichkeit, Kommunikation, der Wohlfühlfaktor und Arbeitsethos wichtig.

Despotović ist mit René Marić, dem mittlerweile legendären Taktik-Nerd und Bayern-Co-Trainer, bekannt. Das zeigt wohl eine gewisse Stoßrichtung auf.

Seine Trainerkarriere begann der neue Ried-Coach 2007 bei NK Hrvatski Dragovoljac. Danach heuerte er bei Radnik Sesvete an, wo er Co-Trainer der ersten Mannschaft war.

Viele Spieler und auch der Cheftrainer kamen damals von Dinamo Zagreb, wo später auch Despotović im Nachwuchs arbeitete. Von Jänner 2016 bis Jänner 2017 wirkte er in Kanada beim FC London, wo er Cheftrainer und Technischer Direktor war.

Vereine machen aber oft den Fehler, dass sie Trainer wählen, die nicht zum Entwicklungsstand des Vereins passen. Der Max war auch ein Taktikfuchs, da kann ich niemanden hinstellen, der sagt: Geht's raus und spielt's.

Wolfgang Fiala

Während in Kroatien die strukturierte Entwicklung der Spieler, traditionelle Werte wie Identität und taktische Disziplin im Vordergrund standen, war das in Nordamerika anders.

Dort ging es um einen ganzheitlichen Ansatz, langfristige Planung und den Aufbau von Strukturen nahezu bei null. Die offizielle Bilanz beim FC London: 23 Spiele, 15 Siege, 2 Unentschieden, 6 Niederlagen, 66:36 Tore – ein Punkteschnitt von 2,04. Ein gelungener Start als Cheftrainer im Erwachsenenfußball.

Rückkehr nach Europa

In weiterer Folge kehrte er nach Kroatien zurück und betreute zunächst zwei Jahre lang die U19 des Traditionsvereins Hajduk Split. Auch dort fielen die Ergebnisse beachtlich aus: 65 Spiele, 47 Siege, 9 Unentschieden, 9 Niederlagen, 224:63 Tore – ein Punkteschnitt von 2,31.

Anfang 2019 beförderte ihn der Klub zum Cheftrainer der zweiten Mannschaft. In der Prva Nogometna Liga, der zweithöchsten Spielklasse des Landes, trafen die besten Zweitvertretungen des Landes auf "normale" Vereine. Das anspruchsvolle Umfeld spiegelte sich auch im Punkteschnitt wider: Dieser lag bei 1,42. Im ersten Halbjahr führte er Split II auf Rang vier.

Im Dezember 2020 musste er gehen. Der Klub war laut offiziellen Angaben mit der Entwicklung der jungen Spieler nicht mehr zufrieden.

Auf nach Ägypten

Mit dem 1. Jänner 2021 heuerte der Kroate bei Wadi Degla in Kairo an, zuerst als Jugendleiter.

Nach dem Abstieg der ersten Mannschaft wurde Despotovic zum Sportdirektor befördert. Als dieser hatte er die Aufgabe, die technische Ausrichtung der ersten Mannschaft und des Nachwuchsbereichs zu koordinieren.

Zudem war er für die Verbindung von Akademie und erster Mannschaft, das Scouting und Recruiting, die Strategieplanung rund um die Entwicklung der Spieler sowie Budget, Infrastruktur und langfristige Entwicklungsziele zuständig.

Ried-Sportvorstand Wolfgang Fiala geht gerne ungewöhnliche Wege
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Ried-Sportvorstand Wolfgang Fiala geht gerne ungewöhnliche Wege

Im Gegensatz zu anderen ägyptischen Klubs, die stark auf Ergebnisse fokussieren, ist Spielerentwicklung für Wadi Degla nicht nur ein Ziel des Klubs, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Mit Ticketeinnahmen könne man aus verschiedenen Gründen nicht planen; es gibt nur sehr wenige Orte mit Fankultur und auch Sponsoring ist ein schwieriges Feld des Landes. Also setzt man auf die eigene Akademie und Partnerschaften, etwa mit Arsenal, Lierse oder Ergotelis.

Nach einem halben Jahr bei dem Verein musste der Klub in die zweite Leistungsstufe absteigen. 2025 kehrte der Klub ins Oberhaus zurück, verpasste als Neunter knapp den Einzug in die Championship-Playoffs der ersten sieben Teams, musste sich mit den restlichen elf Klubs in der Relegationsrunde duellieren und gewann diese.

Das sprach für ihn

Genau diese Vielseitigkeit in seiner Vita ist das, was die SV Ried attraktiv fand – auch die Innviertler sind dazu angehalten, möglichst nachhaltig auszubilden und zu wirtschaften. Dazu kommt, dass Despotović charakterlich nicht weit von Senft entfernt ist.

"Vereine machen aber oft den Fehler, dass sie Trainer wählen, die nicht zum Entwicklungsstand des Vereins passen. Der Max war auch ein Taktikfuchs, da kann ich niemanden hinstellen, der sagt: Geht's raus und spielt's", formuliert es Fiala.

Und falls jemand im Kader die fußballerische Credibility vermisst, wird er das vermutlich mit Routinier Stefan Schwab ausmachen können.

Ob es mit dem großen Unbekannten nun funktioniert, steht wohl in den Sternen. Die jüngere Vergangenheit zeigt allerdings, dass die SV Ried bei Trainerentscheidungen meist ein gutes Händchen bewiesen hat.


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