Wann ist ein Block ein Block? Ein Schiriexperte erklärt
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Wann ist ein Block ein Block? Ein Schiriexperte erklärt

Von der Ringereinlage beim Duell Altach gegen Rapid bis zu jedem Standard fragen sich Fans, wie und welche Art zu blocken im Fußball erlaubt ist. 90minuten klärt mit Schiriexperte Gerald Gerstenmayer auf.

Wien-Hütteldorf würde besser schlafen, wenn Christian-Petru Ciochirca beim Ringkampf zwischen Dejan Stojanovic und Nikolaus Wurmbrand auf den Punkt gezeigt hätte. Das hätte er auch tun müssen. Solche Szenen kommen öfter vor.

Vermutlich hätte sich auch Frans Krätzig in der Finalphase des ÖFB-Cup-Halbfinales einen Strafstoß gewünscht, als er in ähnlich griechisch-römischer Manier mit Sandro Ingolitsch raufte.

Allerdings: Die Szene mit Rapid war ein Vergehen, das andere nicht.

Rempeln, stoßen, blocken – das kommt im Fußballspiel dutzendfach vor und einmal ist es ein Foul, dann wieder nicht. 90minuten bringt mit Regel-Experte und Schiribeobachter Gerhard Gerstenmayer Licht ins Dunkel.

Tausendmal berührt

Auf den ersten Blick ist das Regelwerk bezüglich physischen Kontakts zwischen Spielern klar. Bezogen auf den Oberkörper und das Blocken sind folgende Handlungen gemäß Regel 12 mit einem direkten Freistoß bzw. Strafstoß zu ahnden: Rempeln, Stoßen sowie Halten oder Sperren des Gegners.

Achtet jemand gar nicht auf den Ball und seine Bewegung richtet sich nur gegen den Gegner – dann will er sich einen Vorteil verschaffen und er interessiert sich nicht für die Verteidigung des Balls oder des Raums.

Gerhard Gerstenmayer

Es kommt allerdings so oft vor, dass es gefühlt bei jedem Standard einen Strafstoß geben müsste. Ziel all dessen ist freilich, dass sich der Angreifer selbst oder seinen Mitspieler in eine gute Position bringt, um ein Tor zu erzielen.

"Der Schiedsrichter muss in diesen Situationen klären, ob es sich um einen Zweikampf handelt oder nicht", so Gerstenmayer im Gespräch. Die bloße Anwesenheit eines Spielers, etwa vor dem Torhüter, ist natürlich kein Vergehen.

Ohne dich

Beim Zweikampf geht es generell um Ball und Raum. Früher sah die Direktive vor, dass die Arme dabei nichts zu suchen haben, das ist heute nicht mehr der Fall. Vielmehr geht es um ein paar Parameter, die der Schiedsrichter in der Sekunde eruieren muss. Etwa: Orientiert sich der "Täter" beim Block am Ball oder ausschließlich am Spieler.

"Bei Eckstößen kann das Schiedsrichterteam genau hinsehen: Achtet jemand gar nicht auf den Ball und seine Bewegung richtet sich nur gegen den Gegner – dann will er sich einen Vorteil verschaffen und er interessiert sich nicht für die Verteidigung des Balls oder des Raums, sondern nur für den Gegner."

Katzer und Hoff Thorup konnten es nicht fassen - und lagen richtig
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Katzer und Hoff Thorup konnten es nicht fassen - und lagen richtig

Ein Indiz, dass es sich bei der Konfrontation um einen Zweikampf handelt, ist stets die Reaktion des Zweiten. Wenn beide mit in etwa derselben Intensität dasselbe tun – am Leibchen ziehen, rempeln, mit den Armen arbeiten – werden die Schiedsrichter es eher weniger als Foul werten.

Hier wird deutlich, dass erst die Beobachtung beider Spieler die Entscheidung erleichtert.

Der Kommissar

Letztlich geht es auch um die Wiederholung. Beim ersten Blocken in Minute 4 wird das Schiedsrichterteam zunächst ermahnen. Nach mehrmaligem Hinweis gibt es dann die Konsequenzen. Zu Beginn einer Saison oder eines Spiels werden solche Vergehen oft schärfer ermahnt, um eine Linie ins Spiel zu bringen.

Die gesamte Intensität eines Spiels – Scheiberlkick vs. Abstiegskampf – fließt hingegen nicht mit hinein. Wobei die generelle Qualität schon eine Rolle spielen dürfte. Gerstenmayer berichtet, dass im Unterhaus massiv geblockt wird, in der Bundesliga genug, aber weniger und in den Topligen so gut wie gar nicht.

Am Ende muss der Schiedsrichter mit Fußballverständnis vorgehen und die Situation bewerten.

Gerhard Gerstenmayer

"Am Ende muss der Schiedsrichter mit Fußballverständnis vorgehen und die Situation bewerten", meint er. "Rangeln, stoßen, blocken gehört ja zum Fußball dazu. Ich kann mir auch vorstellen, dass Ciochirca das Reinlehnen von Wurmbrand in den Tormann durchaus als gleichwertige Aktion gewertet hat."

Vienna Calling

Wie bereits erwähnt, war dies eine Fehlinterpretation, die ihm spätestens bei der Ansicht der TV-Bilder nach VAR-Hinweis hätte auffallen müssen. Stojanovic macht eben viel mehr als Wurmbrand – wohingegen sich Krätzig und Ingolitsch nichts geschenkt haben.

Wenn sich also der VAR aus Wien einschaltet, hätte die Szene neu bewertet werden müssen.

In der Nachbetrachtung der Szene durch VAR-Instruktor, Schiedsrichterbeobachter vor Ort und Schiriboss Viktor Kassai gab es nicht viel zu diskutieren.

Beichler hätte vermutlich gerne über einen vermeintlichen Elfer geklagt, dafür waren die Bullen aber zu selten im Strafraum
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Allerdings ist eine einheitliche Linie schwierig: "Im Weg stehen ist nie verboten, sich aktiv in den Weg stellen und so blockieren schon – aber es geht sehr schnell und dann kann man nicht sagen: Das eine ist immer ein auflaufen lassen, das andere nicht."

Nur geträumt

Ein spannender Aspekt: Bei der letzten Europameisterschaft gab es laut Gerstenmayer keinen einzigen Eingriff des Videoassistenten wegen eines Vergehens mit dem Oberkörper. Zwar ist man angehalten, auf den Ellbogeneinsatz zu achten, aber dies bedingt ohnehin eine aktive Bewegung, die im Regelwerk klar geregelt ist.

Das aktuelle Schwerpunktthema ist, siehe die geplanten Neuerungen rund um Einwürfe oder Auswechslungen, das Spiel schneller zu machen. Gerstenmayer denkt allerdings, dass man sich wie beim Handspiel dann damit befassen wird, wenn es bei großen Bewerben ein Thema ist.

Vollkommen unvorbereitet sind die Schiedsrichter hierzulande natürlich auch nicht: In intensiven Analysen wird herausgefiltert, welche Teams viel oder wenig blocken – sei es im Strafraum oder bei Abseitssituationen.


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