Machtwechsel im österreichischen Frauen-Fußball?
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Machtwechsel im österreichischen Frauen-Fußball?

Zum dritten Mal in Folge steht die Austria im Finale des ÖFB-Frauen-Cups. 90minuten hat mit Trainer Stefan Kenesei und Torfrau Jasmin Pal gesprochen.

Ob alle guten Dinge drei sind? "Das würde ich mir auf jeden Fall wünschen", erklärt Austria-Cheftrainer Stefan Kenesei gegenüber 90minuten vor dem dritten Cup-Finale in Folge.

Wie schon 2024 und 2025 haben es die violetten Fußballfrauen in das Endspiel des ÖFB-Frauen-Cups geschafft. Diesmal soll der Coup, der erste Titel, endlich gelingen.

Klar ist: "Wir hatten mit St. Pölten im Achtelfinale oder Sturm Graz im Halbfinale einen sehr harten Weg, weswegen wir überglücklich sind, im Finale zu stehen. Trotzdem ist es anders als in den Vorjahren. Unser Ziel ist es, den Titel zu holen und nicht, nur ins Finale zu kommen. Wir geben uns mit dem Erreichen des Finales sicher nicht zufrieden."

Was macht die Austria so stark?

Doch nicht nur im Cup winkt den Austrianerinnen der Triumph. In der Meisterschaft liegen die Austria-Frauen ebenfalls auf Titelkurs.

Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf Serienmeister St. Pölten drei Spieltage vor Schluss, im Falle einer Niederlage der Wölfinnen könnte der Meistertitel schon am Sonntag in Graz fixiert werden. Mit sechs Gegentoren in 21 Spielen stellt die Truppe von Stefan Kenesei zudem die beste Defensive der Liga.

"Wahrscheinlich wärst du in jeder anderen Liga schon frühzeitig Meister, wenn du so performst. Das ist schon etwas Besonderes, was meine Mannschaft leistet."

Stefan Kenesei

"Das sind alles überragende Zahlen. Wahrscheinlich wärst du in jeder anderen Liga schon frühzeitig Meister, wenn du so performst. Das ist schon etwas Besonderes, was meine Mannschaft leistet. Es ist uns heuer gelungen, eine gute Mischung im Team zustande zu bekommen. Mit routinierten und auch neuen Spielerinnen, die zum Verein gestoßen sind. Mit Spielerinnen, die sich in diesem Jahr entwickeln konnten und teilweise auch zu Nationalteamspielerinnen geworden sind", so Kenesei.

Die Erfolgsfaktoren aus seiner Sicht? "Wir haben ein super Mannschaftsgefüge, was, wie ich finde, ein Erfolgsindikator von Teams ist. Wir haben aber auch die Ruhe, Gelassenheit und Klarheit für diese großen Spiele. Wir waren schon öfters in Entscheidungsspielen gefordert, oder es wurde im Vorhinein ausgerufen, dass St. Pölten zurückschlagen will, vor allem in dem Nachtragsspiel, wo wir sie dann aber bezwungen haben."

Auf die defensive Stärke werden die Veilchen jedenfalls auch in Zukunft zählen können. Nachdem Innenverteidigerin und Nationalspielerin Kathi Schiechtl erst vor kurzem verlängert hatte, entschied sich nun auch Virginia Kirchberger für eine violette Zukunft (Hier nachlesen >>>).

Gute Mischung im Kader

Außerdem ist die Kaderzusammenstellung am Verteilerkreis für die laufende Saison besonders hervorzustreichen.

"Es ist uns heuer gelungen, eine gute Mischung im Team zustande zu bekommen. Mit routinierten und auch neuen Spielerinnen, die zum Verein gestoßen sind. Mit Spielerinnen, die sich in diesem Jahr entwickeln konnten und teilweise auch zu Nationalteamspielerinnen geworden sind", betont Kenesei.

Neben den oben bereits genannten, routinierten Defensivstützen, wie die rot-weiß-roten Nationalspielerinnen Jasmin Pal im Tor sowie Gini Kirchberger und Kathi Schiechtl in der Verteidigung, avancierten auch die sogenannten "jungen Wilden", wie Louise Schöffel, die kürzlich ihr A-Team-Debüt feierte, oder Stürmerin Almedina Sisic, zu Leistungsträgerinnen in violett.

Gejagter statt Jäger

Neu für die Austrianerinnen ist die Rolle des "Gejagten". In den letzten Jahren galt man stets als erster Verfolger von Serienmeister St. Pölten, heuer marschierte man von Anfang an vorne weg.

"Die Rolle, in der man es selbst entscheiden kann, wenn es um einen Meistertitel geht, ist mir ehrlich gesagt lieber."

Stefan Kenesei

Trainer Stefan Kenesei hat eine klare Präferenz: "Die Rolle, in der man es selbst entscheiden kann, wenn es um einen Meistertitel geht, ist mir ehrlich gesagt lieber. Wir waren letztes Jahr in der Verfolgerrolle und ich finde, dass damals spürbar mehr Druck war, weil wir gewusst haben, dass wir auf keinen Fall auslassen dürfen, weil wir sonst nicht herankommen."

Weiter führt er aus: "In der Rolle ist jetzt St. Pölten. Es ist auch für sie ungewohnt, dass sie die Spiele gewinnen müssen und wir – das ist zwar eine alte Fußball-Floskel – wirklich von Spiel zu Spiel schauen, dass wir unsere Punkte machen. So haben wir uns einen guten Vorsprung erarbeitet, sodass uns selbst ein 0:0 in Salzburg nicht aus der Bahn wirft. Unsere Leistungen in den direkten Duellen mit St. Pölten waren heuer sehr gut. Deswegen bin ich, sollte es in der letzten Runde noch um alles gehen, sehr zuversichtlich, dass wir das Spiel positiv bestreiten."

Im österreichischen Frauenfußball zeichnet sich also ein Machtwechsel ab - die Austria steht kurz davor, ihn zu vollenden.

Starker Rückhalt im Tor - trotz Abgang von Stammkraft

Torfrau Jasmin Pal ist maßgeblich am Erfolg der Wienerinnen beteiligt. Erst im Sommer stieß die Nationalspielerin als Ersatz für die nach Deutschland abgewanderte Larissa Haidner an den Verteilerkreis. Seitdem habe sie ihre Qualität eindrucksvoll bewiesen.

"Jassi hat noch immer die Qualität, in der deutschen Bundesliga zu spielen, hat sich aber bewusst für unseren Weg entschieden", so Kenesei.

"Ich kann mich an kein Spiel erinnern, wo sie ihre Leistung nicht gebracht hat. Diese Konstanz über diesen langen Zeitraum ist sehr wichtig. Das hilft der Mannschaft und gibt Sicherheit, und da spielt Jassi eine sehr entscheidende Rolle. Ich glaube, dass es für sie mit Austria Wien das 'perfect Match' ist, weil sie sich in der Mannschaft sehr wohlfühlt."

Jasmin Pal hütet seit Sommer das Tor der Wiener Austria.
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Jasmin Pal hütet seit Sommer das Tor der Wiener Austria.

In Wien hat sich die gebürtige Tirolerin, die eigentlich "nie nach Wien" wollte, gut eingelebt. "Mir gefällt es richtig gut. Ich wollte ein Umfeld haben, wo ich mir sicher bin, dass ich mich wohlfühle. Bei der Austria habe ich gemerkt, dass das von Anfang an gegeben war", erzählt sie.

Die Psychologie-Studentin legt einen großen Wert auf die psychische Komponente, versucht, sich selber zu verstehen, um den Umgang mit Mitspielerinnen zu erleichtern. Auch kleine Rituale stehen an der Tagesordnung. Zum Beispiel zieht Pal stets den rechten Handschuh vor dem linken an.

"Wollen beweisen, dass Leistung kein Zufallsprodukt ist"

Die Saison geht also dem Ende zu, am Donnerstag erscheint das Cup-Finale als erstes großes Endspiel.

"Es geht um sehr viel und wir wollen beweisen, dass die Leistung, die wir über die ganze Saison hinweg gebracht haben, kein Zufallsprodukt ist, sondern wir uns das wirklich verdient haben", betont Pal.

Die Stimmung sei zum Endspurt hin "vielleicht ein Ticken angespannter", man sei aber "zuversichtlich".

Freude über Austragung in Wien

Die Vorfreude ist jedenfalls groß. Torfrau Jasmin Pal gibt einen Einblick: "Ich freue mich extrem. Das Finale ist in Wien, es wartet ein cooler Gegner, der uns alles abverlangen wird. Es kommen viele Zuschauer, wir werden total viel Unterstützung haben, auch die Männermannschaft von uns kommt. Allgemein von der Atmosphäre und dem Umfeld, auch wie sie es aufziehen und dass wir im Sport-Club-Stadion spielen, macht es besonders."

Die Veränderung des Spielorts ist eine, die der Trainer der Violetten begrüßt: "Ich freue mich, dass wir im Sport-Club-Stadion spielen. Einerseits, weil ich das Stadion sehr schätze. Es ist ein sehr traditionsreicher Ort, der jetzt neu eröffnet hat. Dort gibt es auch eine sehr treue Fangemeinde."

Die Austria-Anhänger sorgten schon in Wiener Neustadt für Finalstimmung.
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Die Austria-Anhänger sorgten schon in Wiener Neustadt für Finalstimmung.

Weiter: "Andererseits freue ich mich auch für unsere Fans, die nach Wiener Neustadt eine etwas weitere Anreise hatten und jetzt die Möglichkeit haben, uns innerhalb von Wien zum Finale zu begleiten. Das ist eine coole Sache. Die Stimmung wird - wie in den letzten beiden - wahrscheinlich ausschließlich von unserer Seite kommen. Das ist einfach der Vorteil unserer treuen Fangemeinde."

Schon in den letzten beiden Finalspielen sorgten vor allem die zahlreichen mitgereisten Fans der Austria für tolle Stimmung. Kenesei bezeichnete sie als "richtige Fußballfeste". Ein solches soll auch am 14. Mai gefeiert werden. Über 3.200 Tickets sind bereits abgesetzt - ein neuer Rekord ist damit gesichert.

"Gibt keinen Raum für zweite Chancen"

2024 stand man erstmals gegen St. Pölten im Finale - damals hatte man gegen den Seriensieger noch keine Chance. Im vergangenen Jahr gestaltete sich die Sache schon deutlich enger, am Ende stand man aber doch mit leeren Händen da.

Was man dazugelernt hat? "Es gibt keinen Raum für Unsicherheit oder zweite Chancen. Zu diesem Zeitpunkt musst du zu 100 Prozent da sein. Das konnten wir uns von St. Pölten abschauen. Sie waren immer da, wenn es drauf angekommen ist, und haben in den entscheidenden Spielen geliefert."

Gerade als Keeperin trägt man gerade in solchen Spielen eine große Verantwortung auf den Schultern, das weiß auch Jasmin Pal: "Auf meiner Position kann eine Kleinigkeit entscheiden. Ich finde, dass man bei K.o.-Spielen von Grund auf mehr Nervosität hat, weil gewisse Dinge in Momenten mehr Konsequenzen haben können. Wir bereiten uns bei K.o.-Spielen schon mental expliziter vor, sodass ich mir der Situation bewusst bin und versuche, in meinem Kopf und meinen Aktionen sehr klar zu bleiben."

Durch die eindrucksvolle Europacup-Reise, die erst im Viertelfinale des UEFA Women's Europa Cups endete, hat man in Sachen wichtigen K.o.-Spielen nun viel Erfahrung gesammelt. Nun möchte man sich endlich mit einem Titel für die jahrelange Arbeit belohnen.

Neue Rolle, neuer Gegner

Anders als in den vergangenen beiden Jahren gegen St. Pölten gehen die Veilchen als Favoritinnen in das Endspiel gegen den FC Red Bull Salzburg, der erstmals im Finale des Bewerbs steht.

Erst kürzlich traf man in der ADMIRAL Frauen-Bundesliga auf die Mozartstädterinnen, über ein 0:0 kam man jedoch nicht hinaus. Was die Salzburgerinnen auszeichnet?

Die Salzburgerinnen bereiten ihren Gegnerinnen stets Probleme.
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Die Salzburgerinnen bereiten ihren Gegnerinnen stets Probleme.

"Es ist eine sehr laufintensive und zweikampfstarke Mannschaft. Sie haben auf allen Positionen gut ausgebildete Spielerinnen, die wirklich alles geben und immer zu 100 Prozent motiviert sind", analysiert Kenesei den Finalgegner, dessen Hauptaugenmerk auf "Intensität, den Zweikämpfen und dem intensiven Pressing" liege.

"Wir müssen es schaffen, spielerisch dagegen zu halten oder gute Lösungen für uns zu finden und auch konsequent sein. Wir müssen zeigen, welche Robustheit wir als Mannschaft mitbringen", so Pal.

"Auszeichnungen, die für die Ewigkeit bleiben"

Ein Titelgewinn der Veilchen wäre aus vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung. Einerseits wäre es eben der erste Titel, den die Frauen des FK Austria Wien als eigenständiger Verein bejubeln dürfen.

Andererseits: "Es ist sehr harte Arbeit, die mein Staff und ich absolvieren. Unser Staff ist auch, anders als bei anderen Teams in der Liga, nicht hauptberuflich angestellt. Das ist nochmal eine größere Challenge, das alles neben einer beruflichen Tätigkeit zu schaffen. Oftmals leidet auch die Familie darunter, die neben der Arbeit und dem Fußball manchmal zu kurz kommt", schildert Kenesei.

Denn Titel "sind Auszeichnungen, die für die Ewigkeit bleiben".

Auch die Spielerinnen sind - anders als im Männerfußball - nicht hauptberuflich im Sport tätig, viele, wie auch Torhüterin Pal, absolvieren beispielsweise nebenbei ein Studium.

Ob die Nerven der Wienerinnen halten und der erste Titel tatsächlich gelingt, kannst du am Donnerstag ab 14:30 Uhr bei ORF 1 oder LIVE im Stadion mitverfolgen.

Tickets für das Spiel kannst du weiterhin HIER erwerben.

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