Didi Kühbauer: Der Dalton wird zum Dschinni
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Didi Kühbauer: Der Dalton wird zum Dschinni

Der LASK-Coach hat sich gewandelt, ohne seine Kanten zu glätten – und genau das verändert alles.

Es waren einmal die "Daltons". Eine aus vier Brüdern bestehende Verbrecherbande aus der Comic-Reihe Lucky Luke.

Mitte der 1990er-Jahre wurde das Rapid-Quartett bestehend aus Didi Kühbauer, Stephan Marasek, Sergej Mandreko und Zoki Barisic als österreichische Fußball-Version der „Daltons“ bekannt.

Anführer und Zornbinkel

Wenngleich Kühbauer wohl in erster Linie aufgrund seiner Körpergröße mit Joe Dalton verglichen wurde, passte es auch von den charakterlichen Zuschreibungen ganz gut – Zornbinkel und Anführer, gefühlt der intelligenteste der Brüder.

Die "Daltons" waren einerseits die klassischen Bösewichte, vermochten aber durch ihre Tollpatschigkeit durchaus Sympathien zu gewinnen. Und am Ende besiegten sie sich praktisch immer selbst.

Der Rest der "Daltons": Marasek, Barisic und Mandreko
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Der Rest der "Daltons": Marasek, Barisic und Mandreko

Kühbauer als Bösewicht zu bezeichnen, wäre maßlos übertrieben. Eine extrem polarisierende Persönlichkeit ist er in der jüngeren Geschichte des österreichischen Fußballs aber allemal. Das war so, das ist so. Allerdings schlägt das Pendel mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung aus.

Und wer weiß, Sympathien folgen keinen physikalischen Gesetzen, das Pendel schwingt zwar weiterhin, die Ruhelage hat sich aber verändert.

Parallelen zu Arnautovic

Frag nach bei Marko Arnautovic, der zu Beginn seiner Karriere auch mehrheitlich negativ wahrgenommen wurde, inzwischen aber gefühlt "everybody’s darling" ist, ohne jemals an Authentizität eingebüßt zu haben.

So weit ist es bei Kühbauer freilich noch nicht. Doch das Momentum hat dem 55-Jährigen immerhin vielerorts jede Menge Anerkennung und Respekt beschert, um die er so lange ringen musste.

Jetzt muss der letzte Hater draufkommen, dass ich nicht mehr der Kühbauer bin, der als Spieler am Platz war

Didi Kühbauer

Er selbst sagt: "Ich polarisiere nach wie vor. Warum das so ist, weiß ich nicht. Jetzt muss der letzte Hater draufkommen, dass ich nicht mehr der Kühbauer bin, der als Spieler am Platz war. Als Spieler hätte ich mich selbst gehasst. Als Trainer war es in den ersten Jahren vielleicht ähnlich, da hatte ich meine Emotionen nicht so im Griff. Aber in den letzten zehn Jahren – seit ich wieder eingestiegen bin – bin ich ein anderer Mensch."

Ecken und Kanten, aber weiterentwickelt

Wer Kühbauer keine Entwicklung eingestehen will, ist in seiner Antipathie dem 55-Jährigen gegenüber wohl zu sehr verhaftet, um sie noch wahrzunehmen.

Ja, der LASK-Coach hat nach wie vor Ecken und Kanten. Ja, es gab auch in dieser Saison Momente, in denen er souveräner reagieren hätte können – oder müssen –, man denke nur an das Auswärtsspiel in Ried.

Drei Titel in zwei Saisonen
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Drei Titel in zwei Saisonen

Das redliche Bemühen, die eigene Außendarstellung zu verbessern – trotz glaubhaftem Desinteresse daran im eigentlichen Sinn –, sich als Führungspersönlichkeit einer Gruppe und als Trainer weiterzuentwickeln, ist ihm nicht abzusprechen.

Kühbauer zeigt seine menschliche und verletzliche Seite – wenn die Mama während einer Pressekonferenz anruft und er abhebt, wenn ihm Tränen in die Augen treten, weil er über die Unterstützung seiner Frau spricht. Das macht ihn nahbar, wo er früher oft nur schwer zugänglich wirkte.

Der Erfolg ist Fakt

Aber all das sind im beinharten Tagesgeschäft Fußball tatsächlich nur Nebenschauplätze. Was zählt, ist letztlich der Erfolg. Er definiert die Interpretation all der eben genannten Dinge.

Fakt ist, Kühbauer hat drei der letzten vier Titel geholt, die es in Österreich zu holen gab. Und keiner davon wurde ihm auch nur annähernd zugetraut. Ein Titel mit dem WAC – eigentlich unglaublich.

Ein Double mit dem LASK – angesichts der Situation bei seiner Amtsübernahme im Oktober ein Wunder.

Drei Titel in zwei Jahren sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis seiner Entwicklung – und jener seines Trainerteams.

Ein Menschenkenner!

LASK-Goalie Lukas Jungwirth

Kühbauer bringt mit seiner Lebenserfahrung und seiner Einstellung etwas mit, das in vielen Gruppen – gewiss nicht in allen – sehr gut funktioniert. "Ein Menschenkenner", sagt LASK-Goalie Lukas Jungwirth über ihn.

Authentizität als Plus und Minus

Während der Coach nach außen hin immer noch polarisiert, tut er das nach innen nicht. Wer ihn zum Trainer hat, weiß genau, was er zu tun hat. Dieser Mann verstellt sich nicht, seine Reaktionen sind erwartbar, wenngleich sicher nicht immer bequem.

In Linz unsterblich
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In Linz unsterblich

Es ist diese Authentizität, die einerseits Kühbauers großes Plus in der tagtäglichen Arbeit der Menschenführung ist, andererseits ihm eben diese öffentliche Rezeption beschert, die ihm das Leben mitunter schwer zu machen scheint.

Am Ende reißt Joe Dalton stets alles, was er sich aufgebaut hat, wieder selbst ein, weil er seine Emotionen nicht im Griff hat.

Der Dschinni des LASK

Aber Didi Kühbauer ist nicht Joe Dalton. Didi Kühbauer wurde diese Figur zugeschrieben. Er hat sie zeitweise angenommen und gespielt.

Das hat der französische Schauspieler Eric Judor in "Les Dalton" einst auch. Eineinhalb Jahrzehnte später mimte er dann in "Alad‘2" den Dschinni – eine Figur mit gutem Herz, die die kühnsten Träume wahrwerden lassen kann.

Das passt aktuell viel besser.

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