Cup-Held Gattermayer auf Jobsuche: Warum Vertrauen mehr zählt als die Liga
Vor 14 Monaten war er der gefeierte Cup-Held des WAC, heute sucht er einen Verein. Bei 90minuten spricht der Offensivspieler über seine Zukunft, intensive Verhandlungen und warum ihm Vertrauen wichtiger ist als der Name einer Liga.
Donnerstagabend, 1. Mai 2025, Wörthersee-Stadion. Eine Flanke von Ervin Omic findet den Kopf des eben erst eingewechselten Angelo Gattermayer, der Momente später jubelnd abdreht.
Es ist das Siegtor für den WAC im Finale des UNIQA ÖFB-Cups gegen Hartberg. Für Gattermayer ein Durchbruch, den ihm viele nicht mehr zugetraut hatten.
14 Monate später sieht die Realität anders aus: Gattermayer trainiert inzwischen im von der Gewerkschaft Younion organisierten Camp auf dem ÖFB-Campus, das längst nicht mehr nur vereinslosen Profis offensteht.
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Rückschlag, Neustart, Cup-Goldtor
Ob er denn gedacht hätte, dass er sich - etwas mehr als ein Jahr, nachdem er für den WAC zum "Goldjungen" im Cup-Finale wurde - im Camp der "Younion" wiederfinden würde? "Natürlich nicht", entgegnet Gattermayer, der gerne bei den Wolfsbergern geblieben wäre.
Doch Gattermayer kennt Situationen wie diese. Trotz seiner erst 24 Jahre hat er bereits einige Rückschläge erlebt. Das Auslandsabenteuer beim deutschen Drittligisten Waldhof Mannheim scheiterte krachend. Nach einem halben Jahr wurde er im Februar 2024 an den SKU Amstetten verliehen, gleichzeitig rief ihn das Bundesheer zurück nach Österreich. Im Mostviertel begann schließlich sein sportlicher Neustart.
Man habe ihn dort aufgefangen, ihm Spielpraxis verschafft, blickt Gattermayer später positiv auf eine Frühjahrssaison zurück, nach der die Mostviertler sportlich abgestiegen waren - und nur in LigaZwa verblieben, weil Dornbirn und Leoben zwangsabsteigen mussten. Doch Gattermayer konnte sein Talent aufblitzen lassen, Didi Kühbauer gab ihm beim WAC eine Chance, die er eindrucksvoll nutzen konnte - gekrönt vom Goldtor im Cup-Finale.
"Man muss nach vorne schauen"
Die vergangene Saison beim WAC verlief für niemanden nach Wunsch, auch für Gattermayer nicht. Unter Thomas Silberberger war er aber wieder gesetzt und ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Klassenerhalt.
Silberberger habe ihn "unbedingt behalten" wollen, erzählt der 24-Jährige, als ihn 90minuten im Camp der "Younion" besucht. "Ich hatte mit ihm ein sehr gutes Verhältnis, unter ihm als Trainer hätte ich mir einen Verbleib richtig gut vorstellen können."
Es habe schließlich aber mit den sportlich Verantwortlichen keine Einigung gegeben. Das sei "natürlich schade, aber man muss nach vorne schauen".
Ich muss das Gefühl haben, dass man mir dort vertraut. Dann ist es am Ende nicht so entscheidend, in welchem Land das ist.
Am Horizont tun sich spannende Optionen auf. Interesse aus der Ligue 1, der Deutschen Bundesliga, aus Schottland, aber auch aus der ADMIRAL Bundesliga soll es Medienberichten zufolge geben. In die Karten blicken will sich Gattermayer aber nicht zu sehr lassen, wo es konkret hingeht: "Ich bin für alles offen, im ersten Schritt muss die sportliche Perspektive passen. Am wichtigsten ist, dass ich Spielpraxis bekomme."
Seine Aussagen zeigen, dass ihn die Erfahrungen der vergangenen Jahre geprägt haben. "Ich muss das Gefühl haben, dass man mir dort vertraut. Dann ist es am Ende nicht so entscheidend, in welchem Land das ist", unterstreicht er.
Entscheidung wird "bald fallen"
Er sei aber durchaus für den erneuten Schritt ins Ausland zu haben, lässt er schließlich doch eine leichte Tendenz erkennen. Wohin es ihn letztlich zieht, soll schon bald klar sein. "Es gibt schon Gespräche, einige davon sind sehr intensiv", verrät der fünffache U21-Teamspieler.
Der Markt bewegt sich aufgrund der WM erwartbar langsam, "aber ich denke, dass bald eine Entscheidung fallen wird".
Ob er eine Wunschdestination hat, eine Liga, in der er unbedingt einmal spielen möchte, will 90minuten abschließend wissen. "Die Top-5-Ligen sind der Traum eines jeden Fußballers", sagt Gattermayer grinsend.
Vor 14 Monaten war er der Goldtorschütze eines Cup-Finales. Heute hält er sich im Younion-Camp fit und wartet auf den nächsten Karriereschritt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Angelo Gattermayer nach einem Rückschlag stärker zurückkommt.
René Mersol