Bestenfalls verläuft eine Vorbereitung ruhig. Das Team kann sich kennenlernen, der Trainer hat Zeit, um seinen Spielern seine Spielphilosophie einzutrichtern und die beste Elf zu finden.
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Nimmt man das als Anhaltspunkt, verlief die Vorbereitung auf die ADMIRAL 2. Liga für Aufsteiger ASK Voitsberg komplett suboptimal. David Preiß, der seit 2022 in verschiedenen Funktionen für den Klub gearbeitet hatte, lange Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion war, musste sich nach einer schweren Knieverletzung einer zweiten Operation unterziehen – und wollte sich auf seine Genesung fokussieren.
Im Profifußball, wo es Normalität ist, seinen Körper zu schinden, ist das ein ungewöhnlich vernünftiger Schritt.
Ein Vakuum sei durch den Rücktritt keines entstanden, erklärt Sportdirektor Sebastian Szvetits. Der 29-Jährige hat den Posten erst Anfang Juli von Preiß übernommen, zuvor war er Technischer Direktor und Videoanalyst, als Spielanalyst arbeitete er auch schon beim SK Sturm.
Voitsberg wäre ohne David Preiß jetzt sicher nicht da, wo der Klub jetzt wieder stehe, sagt Szvetits auch, und dass der Klub Preiß sehr viel zu verdanken habe. Dennoch habe man die sportliche Ausrichtung über Jahre hinweg so aufgebaut, dass sie auch ohne ihn funktionieren könne. Stressig aber war der Ausfall in der Vorbereitung schon.
"Ich glaube, für beide Seiten waren es sehr turbulente Tage, aber auch sehr aufregende", sagt Szvetits, der in der neuen Aufgabe direkt einen neuen Trainer suchen musste. Intensiv sei das gewesen, aber im Auswahlprozess hat sich Voitsberg schnell auf einen festgelegt, der in seiner Rolle ebenfalls noch vergleichsweise wenig Erfahrung hat. Beim Interview steht er neben Szvetits: Philipp Zulechner.
Der 36-Jährige hat als Cheftrainer im Erwachsenenbereich bislang nur beim viertklassigen ASK Ybbs gecoacht, aktuell steht er vor dem Abschluss der UEFA-A-Lizenz, mit dem Engagement bei Ostligist SC Krems hätte eigentlich bereits der nächste Karriereschritt folgen sollen.
Eigentlich, denn nach gut zwei Wochen Vorbereitung übersprang der ehemalige Mittelstürmer diesen einfach. Zur Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt der ADMIRAL 2. Liga am 21. Juli kommt Zulechner gerade von seinem zweiten Training in Voitsberg.
Einige Kilometer habe er in den letzten Tagen abgespielt, meint Zulechner. "Aber natürlich ist es eine Riesenchance für mich." Es gebe genügend Trainer, die auf genau so eine Möglichkeit warten würden. "Und dann wäre ich blöd, wenn ich die nicht nutzen würde."
Zumal Voitsberg sportlich seinen Vorstellungen entspreche – und nach dem ersten Gespräch auch klar gewesen sei, dass es menschlich funktioniere. "Für mich gab es gar kein Überlegen, ich wollte das unbedingt machen“, sagt Zulechner. Auch seine Frau habe ihn da unterstützt.
"Ich wäre blöd, wenn ich diese Chance nicht nutzen würde."
Aber wofür will der Trainer Philipp Zulechner stehen? "Für mutigen, aggressiven Offensivfußball", sagt der Ex-Stürmer. "Ich bin sehr ehrgeizig, sehr zielstrebig und genau so will ich auch Fußball spielen."
Als Trainer sei er keiner, der besonders auch sich herausgehe, "ich bin emotional sehr geerdet", sagt er. Seine Ansprachen seien ruhig, rational, fachlich, lauter könne er nur mal am Trainingsplatz werden. Zulechners Werte und die Spielidee würden sich mit jenen von Voitsberg decken, ergänzt Szvetits. "Ich bin schon sehr froh, dass das geklappt hat."
Freie Abendgestaltung
Für Voitsberg ist es nach 2024 bereits der zweite Aufstieg in die ADMIRAL 2. Liga. Mit dem ersten Aufstieg, der direkt mit dem Abstieg endete, könne man das nicht mehr wirklich vergleichen, sagt Szvetits, der im Sommer 2024 zum Klub gestoßen war.
"Zum damaligen Zeitpunkt war es kein Profiverein", sagt er. Den Trainingsplan musste man in Abstimmung mit den arbeitenden Spielern gestalten, trainierte wurde abends um 18:30 Uhr, manchmal auch erst um 19:00 Uhr.
Schon während der ersten Saison wurde Voitsberg auf Profibetrieb umgestellt, das ist auch heute so. Ein paar Studenten gebe es zwar noch, aber auf die könne man keine Rücksicht nehmen. "Das klingt jetzt vielleicht auch hart, aber das bringt einfach das Profileben mit sich", sagt Szvetits.
Die Professionalisierung ist Neo-Trainer Zulechner aufgefallen, auch im Vergleich zum Regionalligisten Krems, bei dem er zumindest kurzzeitig tätig war. Es gibt einen Analysten, jedes Training kann gefilmt werden, man könne sich als Cheftrainer auf andere Dinge konzentrieren, als das Training aufzubereiten.
"Weniger Arbeit ist vielleicht der falsche Begriff, aber es bleibt die Arbeit, die ich vielleicht nicht perfekt ausführen kann, nicht an mir hängen, sondern bei dem, der das perfekt kann", sagt er.
Fischen im Teich der Großen
Und auch wenn sich in Voitsberg seit dem ersten Aufstieg einiges getan hat – die Grundausrichtung ist ähnlich geblieben. Man wolle eine Plattform bieten, sagt Szvetits. Mit Sturm und dem GAK hat man zwar vor der Haustür zwei Schwergewichte, die in ähnlichen Teichen fischen. Aber der Pool an Spielern sei vielleicht etwas größer als in anderen Bundesländern, und wer es in Graz nicht schafft, kann für Voitsberg interessant sein.
Mit Sebastian Pirker (20) wechselte beispielsweise ein Innenverteidiger von Sturm II zu Voitsberg, auch Verteidiger Manuel Polster (23) fällt in dieses Schema, obwohl er zunächst bei der Wiener Austria gespielt hatte und im Ausland den Durchbruch nicht schaffte.
Der Kader hat ein Durchschnittsalter von 23,2 Jahren, "das ist unser Weg, für den haben wir uns als Verein entschlossen", so Szvetits. Kapitän Andreas Pfingstner (33/Karriereende) hat den Verein wie mehrere erfahrenere Spieler verlassen, Tormann Filip Dmitrovic und Angreifer Fabian Schubert (beide 31) sind die einzigen verbliebenen Routiniers.
Liefert die Tormaschine weiter?
Letzterer hatte einen großen Anteil daran, dass Voitsberg nicht nur den Wiederaufstieg geschafft, sondern dabei die Liga regelrecht zerschossen hat.
80 Punkte holte man in der Regionalliga Mitte, erzielte 113 Tore – und 43 Tore und fünf Vorlagen in 29 Spielen gingen auf das Konto von Schubert, der 2020/21 mit Blau-Weiß Linz die Meisterschaft geholt hatte und Torschützenkönig sowie Spieler der Saison geworden war.
Dass man da einen richtig guten Stürmer im Kader habe, wisse man natürlich, sagt Szvetits. "Aber wir wollen nicht die komplette Last auf ihn legen, wir müssen sie verteilen. Er wird eine wichtige Rolle einnehmen, das ist uns bewusst." Aber auch alle anderen Kaderspieler und Personen im Vereine würden das. Sie sollen dafür sorgen, dass auch Schubert wieder performt.
Ankommen, und bleiben
Wohin kann es für die Steirer denn gehen, wenn Schubert performt und die Jungen aufzeigen? Beim Mediaday wollte sich Zulechner noch nicht festlegen, das interne Ziel berede man beim da noch ausstehenden Teambuilding.
"In erster Linie wollen wir die Klasse so früh wie möglich halten", bleibt er diplomatisch. Mit dem aktuellen Umfeld und dem Stadion brauche man jedenfalls noch nicht zu groß und zu weit denken, sagt Szvetits. In der Liga etablieren wolle man sich, sich einen Namen für junge Spieler machen. Wie viel Zeit das mit dem neuen Trainer in der neuen alten Liga brauche?
Das werde man sehen, meint Zulechner. Er habe vormittags seine zweite Einheit geleitet, da habe er vieles gesehen, was in die Richtung gehe, wie er sich das vorstelle. "Vielleicht ist es auch schon so weit, dass es gut funktioniert."
Der Auftakt im Cup gegen den DSV Leoben wurde mit 6:0 jedenfalls locker gewonnen, mit Amstetten wartet heute um 18:30 daheim ein Überraschungsteam der vergangenen Saison (zum Live-Stream >>>).
Schritt für Schritt wolle man machen, sagt Zulechner. So arbeite der Verein. "Und deswegen habe ich gesagt, kann ich hier auch so kurzfristig zusagen." Der anfänglichen Hektik soll die Ruhe folgen.
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