Titelfavorit BW Linz? "Man muss sich von der Depression befreien"
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Titelfavorit BW Linz? "Man muss sich von der Depression befreien"

Die Oberösterreicher starten mit einem großteils neuen Kader in die LigaZwa-Saison. Statistisch gesehen ist der direkte Wiederaufstieg schwer, das sieht auch Trainer Michael Köllner so.

Blau-Weiß Linz startet nach dem Abstieg aus der Bundesliga am Freitag gegen die Young Violets (18:30 Uhr im LIVE-Stream) in die neue Saison in der ADMIRAL 2. Liga.

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Für viele zählen die Oberösterreicher zu den Titel-Favoriten, ein einfaches Unterfangen wird der direkte Wiederaufstieg jedoch nicht. Zuletzt gelang das dem FC Linz im Jahr 1996.

Die These, dass der Absteiger auch unmittelbar wieder aufsteigen muss, gilt laut Blau-Weiß-Trainer Michael Köllner damit nicht.

"Wir haben letztes Jahr 31 Mann im Kader gehabt, davon sind acht übrig geblieben. Wir haben 15 Transfers getätigt und müssen noch ein, zwei Spieler holen", so Köllner. "Man muss den Abstieg als Verein auch verkraften, die Fans haben das super angenommen und unsere Sponsoren haben auch ein klares Commitment abgegeben. Am Ende geht es darum, sich relativ schnell von der Depression, die den Verein ein Stück weit überfällt, wenn man absteigt, zu befreien."

Zeit als ausschlaggebender Faktor

Als besonders wichtig erachtet der Deutsche das Thema Zeit. Man müsse innerhalb weniger Wochen eine Mannschaft auf den Platz bringen, die zurecht das Trikot trage und eine klare Idee verfolge.

Aus der letzten Bundesliga-Startelf gegen den GAK sind dem Verein mit Strauss, Maranda, Pasic und Ronivaldo lediglich vier Spieler erhaltengeblieben. Diese müssen nun den Weg vorgeben. Gelingen würde ihnen das schon gut, meint der Trainer.

Mir ist egal, ob das 15 Mannschaften sind, die Meister werden wollen, oder eine. Unser eigener Standard, unser eigener Anspruch, der muss hoch sein.

Köllner über die Ziele der nächsten Saison

Ohne Trainingslager musste innerhalb weniger Wochen ein neues Team um die vier aufgebaut werden. Zeit für Begegnungen sei besonders wichtig gewesen. Nicht nur die Frage, welche Rolle ein Spieler als Sportler einnehmen soll, sondern auch der soziale Aspekt war zu klären. Ein Team zu formen sei aber ein spannender Prozess.

"Ein Team kannst du innerhalb von ein, zwei Wochen verlieren, du kannst aber auch riesige Erfolge feiern. Deswegen muss man unheimlich vorsichtig sein und alles genau einschätzen können und am Ende immer wieder die richtigen Knöpfe drücken, damit das Team weiterwächst", sagt Köllner.

Zufriedenstellende Vorbereitung

Es brauche nicht nur Harmonie, sondern auch "die nötigen Reibepunkte, um maximal viele Siege am Ende produzieren zu können. Dann brauchst du auch eine gute Konfliktstruktur und - management in einer Truppe. Da sind wir momentan dabei."

Dennoch sei es bereits gut geglückt, eine Mannschaft zu formen: "Das, was wir uns vorgenommen haben, ist eins zu eins eingetreten", erklärt der 56-Jährige.

Mit der Vorbereitung ist er bisher zufrieden. Nach sechs Testspielen ist Blau-Weiß Linz noch ungeschlagen. Drei Unentschieden und drei Siege stehen zu Buche.

Diese seien eine gute Überprüfung, aber dennoch immer schwer lesbar, da sich manche Gegner erst am Beginn der Vorbereitung befinden würden und andere bereits fast am Ende. "Es gibt so viele Fragezeichen. Am Ende geht es für mich darum, Dinge zu sehen, die unseren Fußball betreffen. Damit waren wir recht zufrieden. Wir spielen stabil und wir sind in den verschiedenen Spielphasen recht geordnet", meint Köllner, erkennt aber auch noch in manchen Dingen Verbesserungspotenzial.

Grimbs und Ronivaldo überzeugen

Neuzugang Nico Grimbs ist bei den Testspielen mit fünf Toren besonders herausgestochen. Der deutsch-österreichische Doppelstaatsbürger war bereits für den FAC im Einsatz, kam nun aber direkt von Schweinfurt 05. "Ein sehr schlauer und intelligenter Spieler, der die Dinge verstehen will und dann unheimliches taktisches Verständnis hat", analysiert der Trainer.

Direkt hinter ihm reiht sich Ronivaldo mit vier Toren ein. Köllner kommt, wenn es um den 37-Jährigen geht, ins Schwärmen.

Köllner schwärmt von Ronivaldo: "Manchmal denke ich, er ist 18" >>>

Ronivaldo steuerte in der Vorbereitung vier Tore bei und beeindruckt damit seinen Trainer.
Foto © GEPA
Ronivaldo steuerte in der Vorbereitung vier Tore bei und beeindruckt damit seinen Trainer.

"Unsere Ansprüche müssen hoch sein"

Bereits am Freitag wäre es für Blau-Weiß wichtig, dass sie sich in die Torschützenliste der 2. Liga eintragen. Auch wenn der Klub von einigen als Titel-Favorit genannt wird, spüren die Linzer keinen Druck von außen.

"Den machen wir uns selbst", sagt Köllner und fügt hinzu: "Mir ist egal, ob das 15 Mannschaften sind, die Meister werden wollen, oder eine. Unser eigener Standard, unser eigener Anspruch, der muss hoch sein."

Die Oberösterreicher peilen an, um die Meisterschaft zu spielen. Dennoch müssen sie "erst schauen, ob wir das schaffen können. Das ist vor allem vom Gegner abhängig. Wie gut sind sie, welche Spieler haben sie verpflichtet, wie sind sie beieinander? Wenn wir das nach sechs bis acht Spielen ausloten können und sehen, ob es wirklich korrekt ist, dass wir mit unserem Kader, mit unseren Möglichkeiten um die Meisterschaft spielen können, wollen wir das natürlich vorantreiben", so der Deutsche.

Fans stehen hinter Verein

Einen wichtigen Beitrag dazu könnten die Fans leisten. Die Dauerkarten mussten aufgestockt werden und waren anschließend innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

"Liebe kennt keine Liga" und das merkst du auch hier. Am Ende gehen wir davon aus, dass wir bei Heimspielen ausverkauft sind. Aber es kann nur passieren, wenn wir am Ende wieder Spiel für Spiel eine super Leistung oder ein super Engagement auf den Platz bringen."

Mit Blau-Weiß Linz und Wacker Innsbruck verstärken zwei große Namen die bereits gut besetzte ADMIRAL 2. Liga (zum Spielplan >>>). Einige spannende Duelle warten auf die Fans. "Ich glaube, dass jede Liga ihren Reiz hat", meint Köllner.

Im eigenen Land hat er diesen Gedanken etwas vermisst. "Das ist hier in Österreich noch ein Stück weit ehrlicher. Ich bin das erste Mal im Ausland, da hat man das Gefühl, das ist in Deutschland die letzten Jahre abhandengekommen."

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