Der LASK vollzieht einen Paradigmenwechsel in seiner Nachwuchsausbildung.
Die Linzer waren zuletzt nicht unbedingt dafür bekannt, vielen Eigenbauspielern den Weg nach oben zu ermöglichen. Das soll sich künftig ändern.
"In unserer Zeitrechnung beginnt die Stunde der Akademie erst jetzt", verkündet Siegmund Gruber bei einem Pressegespräch in der "LASK Performance Academy powered by voestalpine" in Pasching.
Geladen hat der LASK-Geschäftsführer zu diesem aus gutem Grund: Kürzlich siedelte der gesamte schwarz-weiße Nachwuchs nach Pasching auf das ehemalige Trainingsgelände der Kampfmannschaft über. Dort soll künftig unter hochprofessionellen Bedingungen daran gearbeitet werden, den schwarz-weißen Akademie-Output deutlich zu erhöhen.
"Genau so wie der Umzug der Profis in die Raiffeisen Arena ein Meilenstein war, ist der Umzug der Akademie nach Pasching ein Meilenstein", erklärt Valentin Grubeck, seines Zeichens technischer Direktor beim LASK, stolz.
Bedingungen wie bei den Profis
Auf dem Gelände rund um das voestalpine Stadion, ehemals unter anderem als Waldstadion bekannt, kann auf insgesamt fünf Trainingsplätzen trainiert werden.
Neben der zweiten Mannschaft des LASK haben 154 Nachwuchsspieler hier mittlerweile ihre sportliche Heimat gefunden, diesen könne man nun "eine Top-Infrastruktur, Top-Trainingsbedingungen bieten", so Grubeck.
"In der Trainingsgestaltung wird eins zu eins wie bei den Profis gearbeitet: Training Load Calculation, alle Plätze sind mit Videosystemen ausgestattet, damit wir individuell als auch mannschaftstaktisch jede Trainingseinheit analysieren können, es wird mit GPS-Systemen gearbeitet, um die Spieler ab der U15 weg optimal zu belasten", führt der Ex-Profi aus.
"Uns ist ganz wichtig, auch Persönlichkeiten auszubilden"
Sportlicher Leiter der Akademie ist Carlos Chaile, der in dieser Funktion zuvor jahrelang in der AKA St. Pölten NÖ tätig war. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Fußballer mit Wiedererkennungswert auszubilden. "Mein Wunsch wäre, dass unsere Spieler Kämpfer sind", so der Argentinier.
Neben einer intensiven Spielweise soll einen schwarz-weißen Nachwuchskicker "Professionalität, am Platz und außerhalb" auszeichnen. Damit eine solche gewährleistet ist, wird auch viel Wert auf die schulische Bildung der Kinder in Pasching gelegt.
"Uns ist ganz wichtig, neben Fußballern auch Persönlichkeiten auszubilden", ergänzt Nachwuchsleiter Philipp Leeb.
"In diese Akademie wollte keiner gehen"
Leeb steht in seiner Funktion in regelmäßigem Austausch mit den Eltern der Jungfußballer. Der Umzug nach Pasching habe unter diesen "für großen Wirbel gesorgt, weil man sieht: Hier entsteht etwas. Wir bieten als Verein jetzt ein durchlässiges Bild. Wir können den Spielern eine Vision bieten, wo es hingehen kann."
Die eingangs erwähnte mangelnde Durchlässigkeit aus der LASK-Akademie nach oben sei laut Gruber schlicht daran gelegen, dass nicht genügend talentierter Nachwuchs angeworben werden konnte.
"Wenn man die besten Jugendlichen aus Oberösterreich nicht bekommt, wird es relativ schwer, diese Jungs nach oben in die erste Mannschaft zu bringen", gibt der CEO zu bedenken.
Das ehemalige Akademiegelände im Trainingszentrum Seidelbastweg in Linz, "kann man eigentlich nicht herzeigen. Das ist bei weitem nicht das, was einer Fußballakademie entspricht", sagt Gruber über die veralteten Räumlichkeiten. "In diese Akademie wollte keiner gehen."
Es geht um die Prass', Floruczs und Ballos von morgen
"Wir verlieren Spieler jetzt nicht mehr regelmäßig - wohin auch immer."
Dies habe zur Folge gehabt, dass man die talentiertesten Fußballer aus dem Raum Linz reihenweise von anderen Akademien abgeworben bekam - Alexander Prass, Raul Florucz oder Thierno Ballo etwa, um nur die aktuellsten Beispiele zu nennen.
"Das sind Spieler vom internationalen Kaliber, die wir früher aufgrund der Rahmenbedingungen und auch der Bedeutung des Klubs damals verloren haben. Es hat sich wahnsinnig viel geändert", meint Grubeck auch in Anspielung an die internationalen Erfolge des LASK in den letzten Jahren.
Speziell bei den jüngeren Jahrgängen sei bereits ein Effekt zu erkennen: "Wir verlieren Spieler jetzt nicht mehr regelmäßig - wohin auch immer."
Guter Output am Torwartsektor
Der wichtigste Punkt in dieser Hinsicht sei, "Beispiele von Spielern zu liefern, die den Weg über die zweite Mannschaft zu den Profis schaffen. Da sind wir mittendrinnen, es gibt aber auch schon einige Beispiele."
Keito Nakamura, Hyun-seok Hong oder ab Sommer Keba Cisse sind das etwa, die in der zweiten Mannschaft des LASK begannen und sich bis in eine Top-5-Liga hochspielten.
Bei den drei Genannten handelt es sich allerdings ausschließlich um internationale, zugekaufte Talente. Von den Eigenbauspielern schafften zuletzt mit Tobias Lawal und aktuell Lukas Jungwirth einzig zwei Torleute nachhaltig den Sprung nach oben - mit U17-Vizeweltmeister Christof Katzmayr steht bereits der nächste Schlussmann bereit, dem ein solcher Weg zugetraut wird.
"Riesen-Respekt vor der gesamten Torhüterabteilung, das ist sicher kein Zufall. Wenn ich die ganze Akademie durchgehe, haben wir schon wieder sehr viele hochtalentierte Tormänner in den Startreihen", verrät Grubeck.
Individualtrainings mit den Top-Talenten: "Wollen die Spitze richtig gut machen"
Gleichzeitig hält der 31-Jährige fest: "Ein großes Anliegen unsererseits ist, im Feldspielerbereich gleichzuziehen." Zu diesem Zweck wird mit den aussichtsreichsten Talenten viel auf Individualbasis gearbeitet. "Wir sind bestrebt, die Spitze richtig, richtig gut zu machen."
"Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich - wenn ich mir unsere künftigen Generationen anschaue - guter Dinge bin, dass wir den einen oder anderen bald in der Raiffeisen Arena sehen werden", so Grubeck.
Mit Paul Krapf, der aktuell in der ÖFB U18-Bundesliga den zweiten Platz der Top-Torjägerliste belegt, wurde ganz aktuell ein spannendes Offensivtalent zu den Amateuren, die noch auf einen 2.-Liga-Aufstieg hoffen dürfen, hochgezogen.
Die Amateure sind zurzeit großteils mit jungen Legionären und nur vereinzelt mit heimischen Eigenbauspielern besetzt. Diese Kaderabmischung soll sich künftig im Idealfall anders gestalten.
Amateure sollen "eine gute Mischung aus Akademiespielern und internationalen Talenten" werden
"Unser Anspruch bei der zweiten Mannschaft ist es, die bestmöglichen Talente zu gewinnen. Wenn ich die Top-Spieler aus der Region aufgrund von Rahmenbedingungen schon frühzeitig verliere, habe ich sie nicht bei der zweiten Mannschaft und kann sie dementsprechend der ersten Mannschaft nicht zur Verfügung stellen. Das ändert sich gerade. Auf Sicht wird es eine gute Mischung aus Akademiespielern und hochkarätigen internationalen Talenten werden", verspricht Grubeck.
Ob diese Neuausrichtung in der schwarz-weißen Nachwuchsausbildung Früchte tragen wird, wird sich freilich erst in einigen Jahren beurteilen lassen.
Der Umzug nach Pasching und die damit deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für den Nachwuchs der "Athletiker" kann für den LASK langfristig aber mit Sicherheit nur von Vorteil sein.
Simon Urhofer