"Damit hat keiner gerechnet" - Als der LASK letztmals Doublesieger wurde
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"Damit hat keiner gerechnet" - Als der LASK letztmals Doublesieger wurde

Die Linzer holten vor 61 Jahren ihre ersten und bis dato letzten Titel. Ex-Spieler Hans Kondert erinnert sich im 90minuten-Interview an das sensationelle schwarz-weiße Double von 1965 - und erkennt Parallelen zu 2026.

"Europas Fußball-Sensation - DAS WUNDER VON LINZ"

So titelte der deutsche "Kicker" im Sommer 1965 über ein Kapitel österreichische Fußball-Geschichte, das sehr bald seine Wiederholung finden könnte.

Der LASK gewann in der Saison 1964/65 sensationell das Double - und das auch noch als erster Nicht-Wiener Verein.

Als klarer Favorit im Finale des UNIQA ÖFB-Cups und Spitzenreiter der ADMIRAL Bundesliga drei Runden vor Schluss könnte 61 Jahre später nun das zweite Double der "Athletiker" folgen.

"Die Möglichkeit ist groß, dass sie wieder beides holen", glaubt Hans Kondert.

Der heute 81-Jährige war damals als junger Spieler Teil der Doublesieger-Mannschaft. Insgesamt 21 Jahre seines Lebens verbrachte er beim LASK, zunächst als Aktiver, dann als Trainer bzw. Funktionär.

"Man lebt schon noch für den LASK", so Kondert, der - soweit es die Gesundheit zulässt - auch heute noch zu so vielen Heimspielen wie möglich pilgert.

"Vor einem halben Jahr habe ich mir gedacht: 'Ich weiß nicht, ob ich nochmal reinfahre'"

Auf der Linzer Gugl erlebte der in Siebenbürgen (heutiges Rumänien; Anm.) geborene Österreicher, der als Flüchtlingskind nach Oberösterreich kam, einen absoluten Horrorstart seines Herzensvereins in die aktuelle Saison.

"Vor einem halben Jahr habe ich mir gedacht: 'Ich weiß nicht, ob ich nochmal reinfahre.' Da war nichts da", gibt er zu.

Kondert war von 1982 bis 1987 und dann erneut in der Saison 2000/2001 Trainer des LASK
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Kondert war von 1982 bis 1987 und dann erneut in der Saison 2000/2001 Trainer des LASK

Zu diesem Zeitpunkt lag der LASK nur auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Fußball, den der damalige Coach Joao Sacramento spielen ließ, sagte Kondert überhaupt nicht zu: "Auf einmal haben die Trainer angefangen mit Ball halten, hin und her, vor und zurück."

"Wenn man innerhalb von 45 Minuten nur einen Abschluss hat, wann soll man dann ein Tor machen? Entscheidend sind die Aktionen vor dem Tor", weiß der langjährige Ex-LASK-Trainer, der in den Achtzigern mit seinen "Athletikern" - unter anderem mit einem Sieg über Inter Mailand im UEFA-Cup - international für Furore sorgte.

Jetzt sei der schwarz-weiße Fußball ein ganz anderer: "Es wird sehr direkt und schnell nach vorne gespielt, die Burschen sind auch im Eins gegen Eins gut."

Kondert über Kühbauer: "Der Bursche kennt sich aus"

Er hat viel Anteil daran, dass es so läuft.

Hans Kondert über Dietmar Kühbauer

Der Grund für den plötzlichen Aufschwung trägt einen Namen: Dietmar Kühbauer.

"Er hat viel Anteil daran, dass es so läuft", sagt Kondert über seinen Erben an der Linzer Seitenlinie. Den er kürzlich im Rahmen eines Interviews mit dem vom LASK produzierten "08er-Magazin" treffen konnte.

"Ich habe ihn auch als Spieler kennengelernt, aber nur aus der Ferne. Er war nicht unbedingt ein beliebter Spieler, er war ein Zornbinkel", so Kondert schmunzelnd.

Kühbauer habe sich seither menschlich weiterentwickelt - aber nicht ausschließlich. Dass der LASK plötzlich einen so attraktiven wie erfolgreichen Fußball spielt, "hat natürlich schon er bewirkt. Ich muss sagen: 'Hut ab, der Bursche kennt sich aus.'"

Viele Parallelen zu 1965

Ein Fehlstart in die Spielzeit, ein Trainerwechsel mitten in der Saison - das alles erinnert an das LASK-Double von 1965. Auch damals setzte es für die Stahlstädter zwei Niederlagen zum Auftakt, nach der Herbstsaison wurde Trainer Karl Schlechta durch den in Österreich weitgehend unbekannten Frantisek Bufka aus der ehemaligen Tschechoslowakei ersetzt.

"Irgendwie gibt es Parallelen. Bufka ist im Winter gekommen, man war im Herbst nur auf dem siebten Platz", sieht Kondert Ähnlichkeiten zu heute.

Bufka organisierte als erste Maßnahme ein Wintertrainingslager in Obertraun am Hallstätter See, wo tagtägliche Läufe auf den 2.100 Meter hohen Krippenstein am Programm standen.

"Ob das maßgeblich war, kann ich nicht sagen. Ein gezieltes Training war dort jedenfalls nicht möglich, es lag ein halber Meter Schnee. Der Bufka hat nur gesagt: 'Gute laufen, gute Spiel, gute Geld.' Das waren seine Deutschkenntnisse", erinnert sich Kondert lachend.

Kondert damals als elfter Feldspieler dabei

Zu diesem Zeitpunkt war Kondert gerade mal 20 Jahre alt. Aufgrund seiner Verpflichtungen beim Militär in Salzburg konnte er kaum zu einem Training kommen, trug als elfter Feldspieler - Wechsel während eines Spiels waren damals noch nicht möglich - aber immerhin drei Tore in sechs Einsätzen zum Double bei.

Der ehemalige Mittelfeldspieler, über den der "Kicker" damals schrieb: "Feiner Techniker, körperlich noch zu schwach, sehr wertvoller Ersatzmann, guter Torinstinkt", kann sich bis heute nur schwer erklären, was dann im Frühjahr 1965 passierte.

"Es läuft oft eigenartig, oft auch von alleine. Ein bisschen Glück gehört auch dazu", erkennt Kondert auch in dieser Hinsicht Parallelen zur gegenwärtigen Saison: "Zum Beispiel im Herbst, der LASK ist 0:3 gegen Hartberg hinten und kommt in den letzten Minuten noch zu einem 3:3 (so geschehen am 9. Spieltag, Anm.). Das sind die Glücksmomente, die dann oft entscheiden."

Es sei damals "sicher ein bisschen Glück, aber auch Können und Einsatz" dabei gewesen. "Was man halt alles braucht, um Meister zu werden."

Ein Boykott stand im Raum

Es hat ein bisserl Prämie gegeben, eine goldene Uhr, die eh nicht golden war, und noch ein paar Sachen. Es war auch in Ordnung.

Hans Kondert über die Meisterprämie 1965

Meister wurde der LASK vor 61 Jahren am allerletzten Spieltag der Staatsliga, wie Österreichs höchste Spielklasse damals hieß, nachdem nur eine Woche zuvor der Cup-Titel gegen Wr. Neustadt eingefahren wurde.

Am 3. Juli 1965 gastierten die schwarz-weißen Kicker unter eigentlich schlechten Vorzeichen bei der Vienna auf der Hohen Warte; Rapid ging als Tabellenführer und großer Favorit ins Parallelspiel beim GAK.

Zumal es beim LASK im letzten Training vor dem Spiel zum Boykott kam. Präsident Otto Jungbauer weigerte sich zunächst, Meisterprämien auszuspreche. Es stand im Raum, dass im entscheidenden Meisterschaftsspiel eine Reserve-Mannschaft zum Einsatz kommen soll.

"Der Jungbauer wollte das Geld nicht hergeben, die Mannschaft hat gesagt: 'Wir boykottieren das Ganze.' Wir waren alle Vertragsspieler, einzig der Pauli Kozlicek war Berufsfußballer und hat nur von dem gelebt. Er hat gesagt, er kann sich das nicht erlauben, und ist als Einziger auf dem alten LASK-Platz in der Paul-Hahn-Straße seine Runde gelaufen", erzählt Kondert.

Schlussendlich sei man sich "doch irgendwie einig geworden. Es hat ein bisserl Prämie gegeben, eine goldene Uhr, die eh nicht golden war, und noch ein paar Sachen. Es war auch in Ordnung."

"Damit hat wirklich keiner gerechnet"

2:0 dank Toren von Adolf Blutsch und Gyula Szabo gewann der LASK damals bei der Vienna, Rapid lag zum Zeitpunkt des Abpfiffs auf der Hohen Warte völlig überraschend mit 0:1 hinten, das Spiel in Graz ging aber noch einige Minuten.

Um ein Radio versammelt verfolgten die Linzer Fußballer das Geschehen im Parallelspiel - und hörten schließlich, dass der große Coup gelungen ist.

"Man hat auf dem Platz erfahren: Es ist gelaufen, wir sind Meister. Es war wirklich überraschend, damit hat im Grunde genommen wirklich keiner gerechnet", so Kondert.

Original-Bilder des LASK-Doubles 1965 in einer "ORF"-Doku von 1991 (VIDEO):


"Das war natürlich schon ein Schlag für die Wiener Vereine"

Die Hälfte aller 14 Staatsliga-Vereine kamen damals aus Wien, die österreichischen Titel im Fußball teilten sie sich davor einzig und allein untereinander auf. "Das war natürlich schon ein Schlag für die Wiener Vereine."

Eine Meisterfeier war im Voraus nicht geplant, so unwahrscheinlich schien der Titelgewinn. Nach einem Abstecher zu einem Wiener Heurigen kam die Mannschaft erst weit nach Mitternacht nach Linz zurück.

"Beim Heimfahren hat keiner geglaubt, dass irgendetwas ist. Als wir auf der Blumau in Linz ankamen, waren Hunderte, vielleicht auch Tausende, die auf den Bus gewartet haben", schildert Kondert.

Tatsächlich sollen es rund 5.000 Menschen gewesen sein, die diesen für den LASK so historischen Tag bis in die Morgenstunden zelebrierten.

Kondert glaubt an das Double

61 Jahre später könnte die oberösterreichische Landeshauptstadt erneut zur Partymeile tausender überglücklicher Fußballfans avancieren. Nämlich spätestens am 17. Mai, wenn der LASK womöglich das zweite Double seiner Klubhistorie eingefahren hat.

"Wenn man den letzten Sieg (5:1 gegen Hartberg, Anm.) betrachtet, kann man schon daran denken. Das Spiel am Freitag gegen Altach dürfte mit dieser Überzeugung, mit der sie gerade spielen, im Grunde genommen kein Problem sein. Rapid am Montag wird auch zu schlagen sein", hofft Kondert.

Das angesprochene Heimspiel gegen die Hütteldorfer, angesetzt nur drei Tage nach dem Cup-Finale, sieht er als Schlüsselspiel: "Wenn der LASK Rapid schlägt, schaffen sie es."

Wenn es einer wissen muss, dann Kondert - einer der viel zu wenigen noch verbliebenen Aktiven, die einmal erleben durften, was es heißt, mit dem LASK das Double zu holen.

Kondert (links im Bild), mit dem legendären LASK-Stürmer Helmut Köglberger (†2018, Mitte) und dem Co-Trainer 1965 Laszlo Simko (†2011, rechts) bei einer Reunion der Double-Sieger im Jahre 2009
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Kondert (links im Bild), mit dem legendären LASK-Stürmer Helmut Köglberger (†2018, Mitte) und dem Co-Trainer 1965 Laszlo Simko (†2011, rechts) bei einer Reunion der Double-Sieger im Jahre 2009

Als Trainer führte Kondert den LASK 1985 zu einem 1:0-Sieg über ein starbesetztes Inter Mailand in der zweiten Runde des UEFA-Cups, nach einem 0:4 im Rückspiel schied man aus. Konderts lesenswerte Erinnerungen daran:

"Wir haben gewonnen, es war natürlich ein hoher Trubel und Heiterkeit, die Leute haben sich gefreut. Aber im Grunde genommen war es auch nur ein Spiel, das man gewonnen hat.

Was mich damals schon geärgert hat, war, dass die Medien gesagt haben: 'Das war die Sternstunde.'

Ich sehe das nicht so. Ich habe mir Inter Mailand davor in Bari angeschaut, bin zurückgekommen und habe gesagt: 'Wir haben eine Chance, die zuhause zu schlagen.' Ich wurde für verrückt gehalten.

Wenn man eine Mannschaft gut einstellt und die Burschen eine Verbissenheit zeigen, ist vieles möglich.

Ich habe in den italienischen Zeitungen damals gelesen: 'I dilettanti', der LASK. Ich habe mir gedacht: 'Verdammt nochmal, ein Dilettant ist ein Nichtskönner.' Derweil heißt es auf Italienisch einfach nur Amateure.

Ich habe das in der Spielbesprechung natürlich ganz anders dokumentiert. Ich habe gesagt: 'Die halten uns für Bloßfüßige.' Das hat die Burschen vielleicht auch ein bisschen beeinflusst. (lacht)

Beim Rückspiel in Mailand haben wir meiner Ansicht nach spielerisch besser agiert als in Linz. Der Schiri, ein Russe (Velodi Miminoshvili aus der ehemaligen Sowjetunion; Anm.), hat aber gleich einen Elfmeter gegeben, der keiner war. Dennoch stand bis zehn Minuten vor Schluss ein Weiterkommen auf der Kippe."

Ein Tag mit Sasa Kalajdzic (VIDEO):

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