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Taktik-Analyse: Salzburg mit effektivem Ballbesitz, starkem Pressing

Die Salzburger zeigten gegen Konyaspor eine starke Leistung in allen Aspekten des Spiels.

Eine Taktik-Analyse von David Goigitzer

 

Auswärts in Konya siegten die Salzburger in der Europa League souverän mit 2:0. Nach einer starken Vorstellung in allen Spielphasen zeigt man sich in guter Form. Gulbrandsen konnte früh in der 5. Minute nach kurz abgespielter Ecke und flacher Hereingabe von Ulmer das 1:0 erzielen. Dabbur rundete die starke Leistung in der 80. Minute mit dem 2:0 ab

 

Sauber koordiniert im Pressing

Salzburg agierte wie immer im 4-1-2-1-2 im Pressing. Situativ schob Wolf zwischen beide Stürmer, um einen zurückfallenden Akteur der Türken zu verfolgen und unter Druck zu setzen. Gulbrandsen und Dabbur positionierten sich jeweils im ballnahen Halbraum und an der Außengrenze des Zentrums. Mit Wolf etwas versetzt dahinter konnte man das Zentrum effektiv versperren und das Leiten des Gegners auf die Flügel war ein Einfaches für die Bullen.

 

War der Ball auf den Flügeln, schoben die Salzburger stark ballorientiert zu und umkreisten den Ballführenden teilweise mit vier Spielern. Dies sollte die potentielle Schwäche in der Flügelverteidigung, die formativ bedingt war und die schon von Rijeka und Vitoria Guimaraes mit starken Dribblern und Überladungen offenbart wurde, ausgleichen. Aggressiv verteidigten die Außenverteidiger nach vorne, Samassekou sowie der ballnahe Achter attackierten den Ball, während Wolf den unterstützenden Sechser mannorientiert verfolgte.

 

Das Umschalten nach Ballverlust funktionierte hervorragend, mit hoher kollektiver Intensität agierten die Salzburger im Gegenpressing und konnten immer wieder verlorene Bälle zurückgewinnen und bisweilen auch sofort Konter einleiten.

 

Generell gab es defensiv jedoch nicht allzu viel Forderndes für die Salzburger an diesem Tag, die die Partie klar dominierten.

Gulbrandsen (Bild) und Dabbur positionierten sich jeweils im ballnahen Halbraum und an der Außengrenze des Zentrums.

Im Aufbau mit vielen Optionen

Im tiefen Aufbau agierten die Achter situativ recht breit und tief, was Stabilität in das Ballbesitzspiel der Bullen brachte. Man hatte Anspielstationen für Verlagerungen, Haidara und Berisha besitzen zudem die Fähigkeit, mit dem Ball nach vorne zu dribbeln und Durchbrüche zu generieren. Es gab auch Situationen, wo Samassekou sich zwischen die beiden Innenverteidiger fallen ließ, wenn diese den Ball etwas höher hatten und die Doppelspitze von Konyaspor etwas stärker Druck ausübte. Im Anschluss an das Abkippen bewegten sich Haidara und Berisha automatisch enger in die Mitte, auch Wolf ließ sich etwas tiefer fallen. Diese Abkippbewegungen wusste man jedoch meist zu vermeiden, in dem Walke sich mehr in den Aufbau einband. Zudem agierten die türkischen Stürmer nicht äußerst druckvoll, weshalb dieses taktische Mittel nicht oft vonnöten war.

 

Hatte Ulmer den Ball, lief Berisha oft von der Achterposition diagonal nach außen in den Raum hintern den Außenverteidiger. Prinzipiell sind Pässe entlang der Linie wegen nach außen gerichteter Körperposition des Passempfängers nicht immer ideal, die Salzburger schafften jedoch klug vorbereitend Raum. Zudem wird hier kollektiv nach gegangen, um Gegenpressing zu ermöglichen, falls der Pass nicht kontrolliert werden kann. Durch Dabburs Position im Halbraum hatte Berisha zudem immer eine dynamisch nachrückende Anspielstation. Konnte Ulmer mit dem Ball dribbeln, dann bot sich Dabbur für einen flachen Diagonalpass an, während Ulmer durchlief. So hatte man nach Rückpass von Dabbur eine Anspielstation in die Tiefe.

 

Zentrumsfokussierte Kombinationen

Chancen wussten die Salzburger auf mehrfache Weise zu generieren: Zum einen versuchte man durch schnelle, zentrumsfokussierte Kombinationen durchzubrechen und entweder mittig in den Strafraum zu dringen, oder über den Halbraum flache Hereingabe in den Strafraum zu spielen, wo man dann immer zumindest zwei Spieler in der Box hatte. Diese schnellen Kombinationen sind stets geprägt von Läufen in die Tiefe als Anschlussaktion nach dem gespielten Pass, was Unordnung in die mannorientiert agierenden gegnerischen Reihen brachte und Raum für viele diagonale Flachpässe schuf.

 

Auch Durchbrüche am Flügel durch die Außenverteidiger und die unterstützenden Achter waren ein Mittel der Salzburger, um Angriffe aufzubauen. Ulmer agierte etwas zurückhaltender, was Berisha Raum zum wiederholten Besetzen des Flügels gab, jedoch rückte der Routinier auch immer wieder in passenden Situationen nach, um als Anspielstation zu dienen oder Raum zu schaffen. Wenn Berisha nach außen rückte und den Ball erhielt, ergaben sich interessante Situationen für Chipbälle hinter die gegnerische Abwehrlinie. Da der Außenverteidiger auf Berisha rückte, Dabbur seine Position hielt und den Gegner band, gab es für Gulbrandsen Räume zum Hineinsprinten. Einmal gab es in Halbzeit eins diese Situation, Berisha konnte den Ball jedoch nicht genau genug zu Gulbrandsen bringen. Die rechte Seite der Salzburger war an diesem Tag etwas weniger aktiv. Lainer ist linearer als Ulmer und auch weniger gedankenschnell am Ball, agiert aber auch generell höher und weiträumiger. Haidara bliebt hier meist im Halbraum und ist Kombinationsunterstützer.

 

Fazit

Die Salzburger zeigten ein starkes, dominantes Spiel. Im Ballbesitz besetzte und schuf man Räume immer wieder effektiv, das Positionsspiel war sauber koordiniert. Auch im Pressing war man einmal mehr stark, wusste den Gegner in die geplanten Zonen zu leiten und dort den Ball zu gewinnen. Eine starke Leistung der Salzburger in allen Aspekten des Spiels.

 

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