5-Jahreswertung: Totalausfall mit Schwerstfolgen
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5-Jahreswertung: Totalausfall mit Schwerstfolgen

Österreichs internationale Horrorsaison ist zu Ende. Übrig bleibt ein riesiger Schaden, der die heimische Liga viele Jahre begleiten wird. Eine Analyse:

(Bestenfalls) Rang 17, die Top-15 damit deutlich verpasst.

Der rot-weiß-rote Worst Case in der UEFA 5-Jahreswertung ist nun tatsächlich eingetreten.

Am Ende einer absoluten Horrorsaison verliert Österreich nicht nur die aus dem letzten Jahrzehnt gewohnte komfortable Ausgangssituation, fünf internationale Vertreter, von denen gleich mehrere Fixplätze haben, im internationalen Geschäft mitwirken lassen zu dürfen, sondern auch komplett den Anschluss nach oben im UEFA-Ranking.

Das bedeutet, dass Österreich ab der Saison 2027/28 nur mehr vier Mannschaften im Europacup an den Start schicken wird, von denen keine einzige (!) schon sicher in einem Hauptbewerb steht. Aufgrund des enormen Rückstands auf Rang 15 wird dies wohl für mehrere Jahre der rot-weiß-rote Status quo sein.

90minuten liefert alle Zahlen und Fakten zu Österreichs misslicher Lage in der 5-Jahreswertung:

Die Top-20 der aktuellen UEFA-5-Jahreswertung

Platz

Land

21/22

22/23

23/24

24/25

25/26

Gesamt

Teams

1

England

21,000

23,000

17,375

29,464

20,858

111,797

7/7

2

Italien

15,714

22,357

21,000

21,875

15,500

96,446

6/7

3

Spanien

18,428

16,571

16,062

23,892

15,531

90,484

5/8

4

Deutschland

16,214

17,125

19,357

18,421

16,214

87,331

7/8

5

Frankreich

18,416

12,583

16,250

17,928

13,750

78,927

5/7

6

Portugal

12,916

12,500

11,000

16,250

16,600

69,266

4/5

7

Niederlande

19,200

13,500

10,000

15,250

8,645

66,595

1/6

8

Belgien

6,600

14,200

14,400

15,650

10,000

60,850

2/5

9

Türkei

6,700

11,800

12,000

10,300

8,275

60,850

3/5

10

Tschechien

6,700

6,750

13,500

10,550

9,725

47,225

3/5

11

Griechenland

8,000

2,125

11,400

12,687

12,100

46,312

4/5

12

Polen

4,625

7,750

6,875

11,750

13,625

44,625

3/4

13

Dänemark

7,800

5,900

8,500

7,656

11,750

41,606

1/4

14

Norwegen

7,625

5,750

8,000

11,812

6,550

39,737

2/5

15

Zypern

4,125

5,100

3,750

10,562

11,906

35,443

2/4

16

Schweiz

7,750

8,500

5,200

7,050

6,000

34,500

1/5

17

Österreich

10,400

4,900

4,800

9,650

4,100

33,850

0/5

18

Schottland

7,900

3,500

6,400

9,250

4,600

31,650

1/5

19

Schweden

5,125

6,250

1,875

11,375

5,000

29,625

0/4

20

Israel

6,750

6,250

8,750

2,875

2,875

27,500

0/4

Punkteschlüssel:

Sieg* = 2 Punkte/Anzahl der Teilnehmer zu Saisonbeginn

Remis* = 1 Punkt/Anzahl der Teilnehmer zu Saisonbeginn

*in Qualifikationsphase nur die Hälfte

Alle Infos zu etwaigen Bonuspunkten sind unter diesem Link zu finden>>>


Ein Rückblick auf die Horrorsaison

Die Vorzeichen standen schon im Sommer schlecht. Salzburg und Sturm scheiterten in der Champions-League-Quali, der WAC sowohl in der Europa-League- und dann, so wie die Wiener Austria, in der Conference-League-Quali. Einzig der SK Rapid mühte sich mit viel Hängen und Würgen in die Conference League.

Damals hätte man es schon ahnen können, wie blamabel die Hütteldorfer Kampagne im dritthöchsten UEFA-Bewerb schließlich endete, kam dann aber doch sehr überraschend: Mit einem mickrigen Pünktchen wurden die international sonst so konstanten Grün-Weißen Stockletzter der 36er-Tabelle.

Salzburg hat ein Europa-League-Weiterkommen nicht gegen Aston Villa verspielt
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Salzburg hat ein Europa-League-Weiterkommen nicht gegen Aston Villa verspielt

Nicht viel besser schaut es bei den beiden Europa-League-Vertretern aus. Die Salzburger konnten nicht an ihre alten Glanzzeiten in diesem Bewerb anschließen, wurden erst viel zu spät wach und schieden schlussendlich am letzten Spieltag aus. Das ist bitter, aber angesichts der vielen Selbstfaller im Herbst alles andere als unverdient.

Sturm punktete zuhause brav, blieb auswärts aber (wieder einmal) viel zu harmlos. Diese Auswärtsschwäche der Grazer hat ihnen in den letzten Jahren nun schon die eine oder andere K.o.-Phase gekostet.

Österreichs Platzierung in der fiktiven 1-Jahres-Wertung

Rang

Nation

Punkte

25

Bulgarien

4,687

26

Schottland

4,600

27

Irland

4,250

28

Österreich

4,100

29

Kosovo

3,781

30

Armenien

3,687

31

Finnland

3,625

Mit 4,100 Zählern hat Österreich die zehntniedrigste Punkteausbeute seit der Saison 2000/01 eingefahren - nur 27 Nationen punkteten schwächer.

Das liest sich weit weniger schlimm, als es tatsächlich ist. Seit der Einführung der UEFA Conference League zur Saison 2021/22 und speziell seit der Implementierung der Ligaphasen in der Vorsaison hat es eine brutale Punkteinflation in der 5-Jahreswertung gegeben.

Sieht man sich den Durschnittswert der Ränge 10 bis 20, sprich jener Ränge, die eigentlich in rot-weiß-roter Reichweite sein sollten, an, hat Österreich um 3,921 Punkte, sprich um fast 50 Prozent, schlechter abgeschnitten.

Das erinnert an ganz dunkle Zeiten des österreichischen Klubfußballs aus den frühen Nullerjahren.

Die schlechtesten Saisonen Österreichs in diesem Jahrtausend

Saison

Punkte

Vergleich zum Durchschnittswert der Ränge 10 bis 20

2006/07

1,500

-69,34%

2003/04

2,125

-63,28%

2008/09

2,250

-47,49%

2012/13

2,250

-60,13%

2007/08

3,200

-45,62%

2005/06

3,250

-48,36%

2001/02

3,375

-30,62%

2015/16

3,800

-28,09%

2002/03

4,000

-20,69%

2025/26

4,100

-48,88%

Zyprische und polnische Überflieger

Jene Nationen, die vor der Saison als die großen Kontrahenten um die Top-15 ausgemacht wurden, sind uns großteils komplett davongezogen.

Allen voran Zypern befindet sich mitten in einem historischen Aufschwung und hat mit 11,906 Zählern die erst in der Vorsaison aufgestellte Rekord-Punktemarke bereits übertroffen. Zusätzlich haben die Zyprer mit AEK Larnaca und Omonia Nikosia noch zwei Eisen im Conference-League-Feuer.

Hätte der WAC in Überzahl Omonia Nikosia im Conference-League-Playoff eliminiert, wäre Österreichs Lage nicht ganz so horrend
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Hätte der WAC in Überzahl Omonia Nikosia im Conference-League-Playoff eliminiert, wäre Österreichs Lage nicht ganz so horrend

Apropos Omonia Nikosia - wäre der WAC im Sommer nicht so dermaßen unnötig an den "Kifines" gescheitert, wäre Platz 15 jetzt wohl mit Sicherheit noch nicht verloren und vor allem nicht so unerreichbar auf lange Sicht. Doch dazu später mehr.

Polen (13,625) hat die Punktefabrik Conference League einmal mehr gnadenlos ausgenutzt und ist mit noch drei Vertretern in diesem Bewerb im Inbegriff, an der 15-Punkte-Marke zu kratzen.

Auch Norwegen, Schweiz und Schottland strauchelten

Auch Dänemark (11,750) hat trotz nur zwei Ligaphasen-Vertretern brutal stark gepunktet und ist damit genauso wie Zypern und Polen für Jahre uneinholbar.

Norwegen (6,550), die Schweiz (6,000) und Schottland (4,600) erwischten hingegen ebenfalls recht schwache Saisonen, haben aber allesamt noch mindestens einen Vertreter in einer K.o.-Phase dabei und können den Vorsprung auf Österreich zum Start der nächsten Saison damit noch weiter ausbauen.

Der Rückstand auf die Top-15 für die kommenden Jahre

2026/27 (Zypern)

2027/28 (Zypern)

2028/29 (Norwegen)

-7,868 Punkte

-7,668 Punkte

-4,612 Punkte

Realistisch betrachtet ist die Top-15 für Österreich für mindestens zwei Jahre außer Reichweite.

Knapp acht Punkte auf Zypern, das ja sogar noch weiter ausbauen kann, in zwei oder gar einer Saison aufzuholen, erscheint illusorisch.

Dafür müssten die rot-weiß-roten Eurofighter in der kommenden Spielzeit, in der noch ein letztes Mal fünf Vereine an den Start gehen dürfen, ein völlig anderes Gesicht zeigen und anschließend 2027/28 die Quali-Lotterie mit mindestens drei von vier Vertretern überleben.

Das wirkt in diesem Moment nicht sehr realistisch. Viel wahrscheinlich ist, dass sich die heimischen Fußball-Fans in den kommenden Jahren damit abfinden müssen, dass nur mehr vier Bundesliga-Vereine pro Saison international an den Start gehen werden.

Doch wie sieht die Verteilung dieser Startplätze genau aus?

Die Zugangsliste für die Ränge 16 bis 22

Meister

Cup-Sieger (bzw. Vize-Meister)

Vizemeister (bzw. Rang 3)

Sieger des Europacup-Playoffs

Champions-League-Quali, Runde 2

Europa-League-Quali, Runde 1

Conference-League-Quali, Runde 2

Conference-League-Quali, Runde 2

Zum erneuten Verständnis: Kein einziger österreichischer Klub hat in der Saison 2027/28 eine Teilnahme an einer internationalen Ligaphase sicher.

Die besten Chancen hat noch der Meister, der bei einem Ausscheiden noch die Fangnetze Europa-League- bzw. Conference-League-Quali hätte.

Der Cup-Sieger bzw. der Vize-Meister, falls der Meister den Cup gewinnt, würde immerhin noch eine zweite Chance in der Conference-League-Quali bekommen.

Für die restlichen beiden Vertreter würde jedes Scheitern auf dem langen Weg in die Conference League mit einem Komplett-Aus im Europacup gleichkommen.

Die Zeiten, in denen Österreich regelmäßig vier Mannschaften in einen europäischen Herbst durchbrachte, sind also so gut wie sicher ab 2027 vorbei - künftig muss man schon über zwei Ligaphasen-Teilnehmer froh sein.

Was bedeutet das für das Europacup-Playoff?

Durch dieses Abfallen in der 5-Jahreswertung könnte es künftig zu der kuriosen Situation kommen, dass der Dritte der Meistergruppe den Europacup komplett verpasst, während der Tabellen-Achte international vertreten ist.

Wie Bundesliga-Pressesprecher Michael Eisner erst kürzlich gegenüber "Sky" erklärte, ist es geplant, das ligainterne Europacup-Playoff auch bei nur vier internationalen Startplätzen beizubehalten.

Selbstverschuldet

Dass man sich nun in einer derart misslichen Lage befindet, haben sich die österreichischen Top-Klubs einzig und alleine selbst zuzuschreiben.

Blamagen wie jene des SK Rapid gegen Vaduz kann und darf sich der österreichische Klubfußball künftig nicht mehr leisten
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Blamagen wie jene des SK Rapid gegen Vaduz kann und darf sich der österreichische Klubfußball künftig nicht mehr leisten

Viel zu oft setzte es in den letzten vier Jahren Blamagen in diversen Quali-Phasen, vom Europacup-Spirit der Zehner- und frühen Zwanziger-Jahre war zuletzt bei kaum einem Verein etwas zu sehen.

Natürlich ist das Timing, dass ausgerechnet heuer die Rekordsaison 2021/22 aus der Wertung fällt, bitter. Doch während Teams aus vermeintlich kleineren Fußballnationen zuletzt immer wieder über sich hinauswuchsen, hat man es schon länger nicht mehr miterlebt, dass ein österreichischer Klub ein (zumindest kleines) europäisches Fußballwunder vollbrachte.

Aus dieser Krise kommt man - ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen - nur zusammen raus. Natürlich braucht es ein starkes Salzburg, um wieder in die Top-15 oder womöglich noch weiter hinauf vorzudringen.

Seit der Einführung des neuen Modus reicht es aber nicht mehr aus, nur ein Zugpferd zu haben. Alle Verantwortlichen im österreichischen Klubfußball wären gut darin beraten, sich nicht mit einer spannenden österreichischen Meisterschaft zufrieden zu geben, sondern daran zu arbeiten, dass ihr Team auch international konkurrenzfähig ist.

VIDEO: Ist der Österreicher-Topf am Ende?

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