Zuschauercheck Bundesliga, 6. Runde: Schlechter als letztes Jahr, aber...

Ein nicht ganz ausverkauftes Wiener Derby und sonst eher leere Ränge. Die ersten sechs Runden der vorigen Saison waren besser besucht als in dieser Spielzeit. Doch der erste Eindruck täuscht - es gibt auch positive Entwicklungen.

Ein Zuschauercheck von Georg Sander

 

6.766 - so hoch war der Zuschauerschnitt der ersten sechs Runden 2018/19, 6.690 beträgt er im selben Zeitraum in der laufenden Spielzeit - nach jeweils sechs gespielten Runden könnte man sagen: Letztes Jahr kamen mehr Fans in die Stadien. Ein detaillierter Blick auf die einzelnen Begegnungen zeigt aber: Es geht trotzdem ein bisschen was weiter.

 

Admira als Sorgenkind, SKN auf ersten Blick positiv entwickelt

Klar, die Südstadt und Mattersburg sind nicht weit voneinander entfernt, einen richtigen Derbycharakter gibt es nicht und die sportliche Performance der Admira, die mit fünf Niederlagen und einem Remis in die Saison gestartet ist, lässt viel Luft nach oben. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber die diesmal auch auf die Einerstelle bekannt gegebene Zahl 1.905 ist um knapp 300 höher als im April dieses Jahres. Generell ist das Spiel keine beliebte Paarung, die maximale Fananzahl in der Bundesliga datiert vom 13. August 2011 mit 4.271 Fans, am wenigsten kamen in der 33. Runde 2004/05 – 736. Warum dieser Ausflug in die Geschichte? Weil über die schlechten Zuschauerzahlen der Panther ohnehin schon alles gesagt wurde.

Ganz anders eigentlich beim SKN St. Pölten. Obwohl die Niederösterreicher kaum besser in die Saison gestartet sind, kamen gegen den TSV Hartberg 3.402 Fans in die NV Arena. Im Vergleich zu vor einem Jahr (2.565) sind das deutlich mehr. Jetzt kommt jedoch das Aber: St. Pölten hat im Vorfeld des Spiels die Ehrungen aller Nachwuchsmeister der NÖ-Ligen vorgenommen und jeder Mannschaft 20 Freikarten zugeteilt, wie uns ein aufmerksamer 90minuten.at-Leser mitgeteilt hat. Die rund 50 Mannschaften haben demnach rund 1.000 Tickets erhalten. Insofern sind die 3.402 wohl oder übel nur als Strohfeuer zu sehen bzw. wird uns das nächste Heimspiel zeigen, ob es doch einen nachhaltigen Effekt gibt.

 

Altach im Rahmen, Spitzenspiel der Runde ist nicht das Derby

2014, kurz vor Weihnachten, konnten die Altacher zuletzt gegen den SK Sturm Graz gewinnen. Im Vergleich zum Novemberduell aus 2018 sind die 5.041 vom Sonntag gegenüber den 3.876 damals eine kräftige Steigerung. Wirft man nun einen Blick auf alle Duelle in der Bundesliga seit 2006, die in Altach stattfanden, liegt der Wert vom Wochende um 600 unterhalb des Gesamtschnitts und gut 150 unterhalb des Durchschnitts seit dem Altacher Wiederaufstieg. Etwas schwierig ist die Bewertung in Bezug auf die letzten drei Sturm-Partien, denn auch die drittletzte (3.872) fand bereits im Dezember statt und die vorletzte war das letzte Saisonheimspiel 2017/18 (5.129). Insofern kann man in Vorarlberg also eine Verbesserung der Zuschauerzahlen feststellen.

Lask gegen WAC - das noch junge Duell auf Bundesliga-Niveau war - zumindest nach sportlicher Wertung - das Spitzenspiel der Runde. Es war das zweitbestbesuchte Aufeinandertreffen in Oberösterreich, nur der Saisonkehraus 17/18 war mit 5.468 Fans besser besucht. Insofern ist die aktuelle WAC-Zuschauerzahl dieser Runde positiv zu bewerten.

 

Spektakel am Tivoli, ein nicht ausverkauftes Derby

Während der andere Klub vom Tivoli durchaus eine traditionsreiche Rivalität mit Red Bull Salzburg hat, sieht es bei der WSG Tirol anders aus. Die 5.400 sind eine ambitionierte Zahl für ein Heimspiel der Wattener. Bei Wacker gegen Salzburg Mitte März des letzten Jahres kamen mit 6.476 zwar über 1.000 mehr, aber das war dann eben auch ein Klub, der aus Innsbruck kommt und nicht dem kleinen Wattens. Umgekehrt sind Spiele gegen Salzburg derzeit ohnehin eigentlich meist recht unterhaltsam. Schafft es der Außenseiter – gegenwärtig eigentlich jedes heimische Team – zu gewinnen, dann freut man sich. 

Laut Datenservice fand am 1. September 1967 ein Duell zwischen der drittplatzierten Wiener Austria mit unter anderem Thomas Parits gegen Tabellenführer Rapid Wien mit beispielsweise Günther Kaltenbrunner vor 60.000 Menschen im Prater statt. Es war ein Heimspiel der Veilchen und man weiß heute nicht, was unrealistischer ist: Die Platzierungen oder die Zuschauerzahlen? Vermutlich beides, letztere aber vor allem bei einem Heimspiel der Favoritner. Auch wenn es die Veilchen ihren Fans nicht leicht machen, waren nicht viele Bundesligaderbies, die in der jeweiligen Heimstätte der Favoritner stattfanden, besser besucht. Das letztjährige Skandalderby im Dezember, die beiden Spiele in der Saison 2016/17, um aber mehr als 14.615 zu finden, muss man ansonsten schon ins Jahr 2005/06 in die 33. Runde zurück blättern. Da kamen 18.400, die sich aber im riesigen Praterstadion verloren.

Die nächste Runde wird ein Test

Die kommende Runde wird für viele, vor allem Zuschauer-starke, Klubs, ein Test. So empfängt Red Bull Salzburg den TSV Hartberg. Das heißt Erster gegen Fünfter – gegen die Admira kamen 10.000 Fans. Dann: Sturm erwartet den LASK. Ob das kritische Grazer Publikum schon so weit zufrieden gestellt ist, um wieder in Scharen zu kommen? Die Rapidler können sich auf die Admira freuen, in der gegenwärtigen Situation wohl ein dankbares Spiel für die Hütteldorfer. Altach empfängt St. Pölten und kann gleich beweisen, ob weiterhin mehr Fans kommen. Und in Wolfsberg spielen die Wölfe gegen die Austria. Das könnte für Heimfans sehr amüsant werden. Mattersburg hat auch ein Heimspiel, auch darüber werden wir berichten.

Resümierte 90minuten.at vor einer Woche noch mit Zurückhaltung, kann man eigentlich sagen: Der Zuschauerschnitt wird wieder anziehen. Nach sieben Runden lag der Schnitt 2018/19 bei 6.795.