Gerald Baumgartner: 'Spieler haben viel Macht'
Zu Gast bei „Talk und Tore“ - Die Tipico Fußballdebatte" am Sonntag, 19. April 2015 waren Ex-Austria-Trainer Gerald Baumgartner, Sturm-Kicker Michael Madl, Ex-Erfurt-Trainer Walter Kogler und Sky-Experte Martin Scherb. Hier einige Aussagen des von Martin
Gerald Baumgartner...
...über Roman Kienast und sein Aufblühen bei Sturm Graz: „Natürlich kommt die Frage, das war ja klar. Ich denke, dass es gut für Roman war, dass er eine andere Herausforderung gesucht hat. Er ist bei uns nicht so in Schuss gekommen, war auch längere Zeit verletzt. Er war körperlich nicht so drauf wie jetzt. Jetzt hat er einige Spiele, hat einige Tore geschossen, steckt voller Selbstvertrauen. Er hatte einige Probleme über den Sommer hinweg, dass er nicht so viel gespielt hat am Anfang, dann auch nicht so in Form war. Jetzt bei Sturm Graz gefällt es ihm wahrscheinlich sehr gut. Er hat von Anfang an das Vertrauen vom Trainer bekommen und auch seine Einsätze. Er ist mit dem Erfolg der Mannschaft mitgewachsen, hat bis jetzt eine erfolgreiche Frühjahrssaison gespielt und einige sehr wichtige Tore geschossen."
...über die Tatsache, dass sich sein Vertrag mit der Austria automatisch verlängern würde, wenn die Mannschaft nächste Saison international spielt: „Eine mögliche Vertragsverlängerung ist ganz hinten in meinem Kopf. Es ist vielleicht eine gewisse Absicherung, aber im Endeffekt will jeder Trainer, solange es ihm persönlich und gesundheitlich gut geht, gleich wieder arbeiten, wenn er sich fit genug dazu fühlt. Ich habe ungefähr eine Woche gebraucht um meinen Akku wieder aufzuladen und bin bereit für neue Aufgaben. Ich bespreche solche Dinge in der Öffentlichkeit nicht, aber wenn es soweit sein sollte, wird es bestimmt Lösungen geben."
...zieht über seine Austria-Zeit Bilanz: „Es gibt einige Gründe, es wäre zu einfach zu sagen, der Trainer ist der alleinschuldige. Aber du bist einfach der, der das Ganze steuern muss und der mögliche Problemzonen bei einem Verein in die richtige Richtung zu steuern hat. Das war von Anfang an schwierig. Es war eine neue Ära bei der Austria. Die Austria hat mit mir auch einen Trainer ausgesucht, der vielleicht andere Spielkonzepte in seinem Kopf hat. Das wollten wir von Anfang an reinbringen. Das ist in der Vorbereitung ganz gut gegangen, in der Meisterschaft weniger. Wir hatten sehr viele Unentschieden, bis wir den ersten Sieg einfahren konnten. Ab diesem Zeitpunkt war auch enormer Druck da, für uns alle, auch für die Spieler. Da war es dann schwierig, wieder auf Kurs zu kommen. Wir haben auch gute Spiele abgeliefert, haben in Salzburg gewonnen, konnten zwei von drei Derbys gewinnen, wo du dir als Trainer denkst, das könnte der Antrieb sein, dass die Mannschaft auf Kurs kommt. Das ist uns aber nicht so richtig gelungen und du bist im Endeffekt das schwächste Glied in der Kette. Und dann ist es so passiert, wie es passiert ist."
...auf die Frage, ob er über einige Austria-Spieler gestolpert ist: „ich denke generell, dass heutzutage Spieler viel Macht haben. Du musst dich als Trainer nach vielen Seiten absichern. Du hast die Medien, du hast die Spieler, du hast den Vorstand, du hast das eigene Trainerteam. All das gilt es zu steuern, das sollte gut funktionieren. Und bei Erfolgserlebnissen funktioniert das viel besser wie wenn du unter Druck kommst. Da ziehen auch manche einmal zurück, gehen nicht so hundertprozentig an die Sache heran, wie man sich das vorstellt. Es gab natürlich schon die eine andere Situation, wo mir zu Ohren gekommen ist, dass sich der eine oder andere Spieler ausgeraunzt hat. Das wollte ich professionell steuern und von mir weghalten. Wir haben auch mit den Spielern Gespräche unter vier Augen gehabt, da wurde mir gesagt, es ist nicht so, wie es mir zu Ohren gekommen ist. Und dann bin ich auch einer, der seinem Gegenüber den Glauben schenkt an seine Antwort."
Michael Madl:
...über das Betriebsgeheimnis von Sturm Graz: „Franco Foda legt irrsinnigen Wert auf die Defensive. Jeder muss wissen, was der andere in der Situation denkt. Es müssen einfach Automatismen vorhanden sein. Das liegt jetzt nicht nur bei der Viere-Abwehr, das fängt wirklich beim Stürmer vorne an, wie wir den Gegner anlaufen, wie wir gegen den Ball arbeiten. Es ist der Verdienst der ganzen Mannschaft, dass wir so wenige Tore erhalten."
...lässt sich von Moderator Martin Konrad zu keinem Ständchen nach der letzten Runde überreden: „Nein, tut mir leid. Wenn wir am Ende Zweiter werden, lässt der Trainer die Helene Fischer einfliegen, hat er gesagt. Da singt dann wer anderer. Er hat gesagt, er besorgt sie und der Herr Jauk bezahlt es. Ich glaube, um die Bezahlung wird es noch Probleme geben."
...über das vorentscheidende Spiel gegen Rapid Wien: „Es ist ein vorentscheidendes Spiel für beide Mannschaften. Ich bin mir sicher, dass das Stadion ein Hexenkessel sein wird. Wir freuen uns schon alle drauf und hoffentlich mit einem positiven Ende für uns."
Walter Kogler:
...über seine Entlassung: „Überraschend, weil es so schnell gekommen ist. Wenn wir früher von Stress gesprochen haben, da war da positiver Stress. Wir sind mit vier Siegen ins Frühjahr gestartet, haben uns auf dem zweiten Tabellenplatz wiedergefunden, waren weit über Schnitt. Nach vier gewonnenen Spielen sind vier gekommen, die wir alle verloren haben. Die letzten zwei jeweils 0:1 in der 90. Minute und danach war das Kapitel beendet. Von dem her sehr schnell beendet. Mein Vertrag wäre im Sommer zu Ende gewesen."
Sky-Experte Martin Scherb:
...sah für Gerald Baumgartner im Frühjahr wenig Chancen, die Saison zu überleben: „Die heutige Spielergeneration ist schon so, dass sie in erster Linie den Fehler nicht immer bei sich selbst sucht und den leichteren Weg geht und andere für die Negativereignisse oder Niederlagenserien verantwortlich macht. Ich denke ein Verein hat die Verantwortung, einen Trainer bis zum letzten Tag zu stützen, egal in welche Richtung, nach außen und nach innen. Aus meiner Sicht war dem Gerald seine Demontage spätestens mit dem ersten Spiel im Frühjahr, mit der Niederlage in Kärnten erledigt. Ich habe keine Unterstützung mehr für ihn gespürt. Es wäre für mich ein Wunder gewesen, wenn er diese Saison als Trainer überlebt hätte. Es waren auch die Aussagen vom Verein nicht so, wie man sich das als Trainer wünschen würde."