Martin Bruckner: "Wir haben eine gehörige Portion von Frust abbekommen"

Der Präsident von SK Rapid Wien sprach in der Sky-Sendung "Talk & Tore" über die aktuelle Corona-Situation und über Yusuf Demir.

Wir wollen mit unserem eigenen Nachwuchs, mit unseren eigenen Spielern den Weg beschreiten

Martin Bruckner

Martin Bruckner (Präsident SK Rapid Wien):
...auf die Frage, ob man nach den vielen positiven Corona-Tests der Salzburger schon wisse, ob sich beim Spiel Rapid-Spieler angesteckt haben: „Nein, wir wissen es nicht. Wir haben heute die routinemäßigen Testungen durchgeführt, werden morgen die Ergebnisse wissen und werden dann zur Sicherheit am Donnerstag eine zweite Testreihe fahren.“

...über die Verletzung von Dejan Ljubicic und ob man schon näheres wisse: „Leider ist es nicht so gut. Ich habe gerade gehört, dass er wahrscheinlich heuer nicht mehr spielen wird. Ich wünsche ihm alles Gute für seine Genesung. Er wird, glaube ich, in sechs Wochen wieder mit dem leichten Training beginnen und dann im Frühjahr voll Einsteigen können.“

...über den finanziellen Verlust aufgrund der Geisterspiele, den man vor allem auch in der Europa League zu spüren bekommt: „Wir hätten mit Sicherheit unsere Dreier-Abos sehr schnell ausverkauft gehabt und so ein Spieltag in de Europa League bringt uns einen Gewinn von knapp über 1 Million Euro pro Spiel. Also in einem normalen Jahr haben wir hier drei Millionen zusätzliche Einnahmen, die jetzt über den Sportligen-Fonds nicht kompensiert werden, weil dieser ja nur den nationalen Wettbewerb hier kennt und beim nicht-nationalen Wettbewerb die Ausfälle nicht kompensiert.“

...darüber, ob er die aktuellen Geisterspiele nachvollziehen könne: „Es ist völlig klar, dass die Gesundheit vorgeht, über das braucht man nicht zu sprechen. (...) Wir haben hier (Anm.: in der Zeit als Fans ins Stadion durften) die Fußballzuschauer wirklich richtig eingeschätzt, die Eigenverantwortung ist gelebt worden. Aber so wie die Zahlen jetzt gestiegen sind, ist es völlig klar, dass man hier irgendwann mal sagt: Es gibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und der stellt man sich und sagt, auch wir leisten unseren Beitrag.“

...über die äußerst schwierige Situation mit den Fans aufgrund der aktuellen Lage: „Wir haben 10.000 Abonnenten und wir mussten ab dem zweiten Spieltag unsere treusten aller treuen Fans vertrösten, irgendwelche Lotterien fahren, irgendwelche Versuche machen, die ja alle irgendwie zum Scheitern verurteilt sind. Jemandem, der gerne zum Spiel gehen möchte, zu sagen ,Du kommst dieses Mal nicht dran, sondern ein anderes Mal‘, das führt dann dazu, dass wir eine gehörige Portion von Frust abbekommen haben. Also unsere Damen und Herren im Klubservice können ein Lied davon singen, dass wir hier der Blitzableiter waren, für etwas, das in der Kommunikation schwierig rübergekommen ist.“

...darüber, wie man nun mit der Zuschauer-Thematik umgehe: „Das sind jetzt alles Themen, die wir jetzt intern besprechen, wo wir dann auch wieder unseren Abonnenten Geld zurückgeben werden und auch mit unseren Partnern sprechen. Und hier dann dementsprechend diese Nachteile erleiden. Das wird in der einen oder anderen Form auf uns zukommen. Aber die Schwierigkeit ist: Es ist so extrem in Bewegung, dass das, was auch immer wir jetzt sagen, bald nicht mehr stimmen muss.“

...darüber, ob ein Demir-Verkauf oder andere Transfers eine Möglichkeit in der schwierigen finanziellen Phase sei: „Es ist natürlich so, dass wir wissen, dass Yusuf ein unglaublich talentierter Spieler ist und dass wir ihn noch sehr, sehr lange in der Dress sehen wollen. Aber das brauche ich nicht an einem einzelnen Spieler festhalten. Es geht eher darum, dass wir auch schon seit einem Jahr gesagt haben, wir wollen mit unserem eigenen Nachwuchs, mit unseren eigenen Spielern den Weg beschreiten, dass wir unsere eigenen Spieler entwickeln und keine teuren Transfers im Einkauf machen, sondern eher wenn dann Spieler teuer verkaufen. (...) Es wird sich natürlich der ganze Fußball adaptieren. Die Transfers werden weniger und werden in einer ersten Phase nicht so hoch sein. Aber dann muss man halt wirklich mit all dem, was man hat, haushalten und schauen, wie man mit den vorhandenen Mitteln über die Runden kommt.“

...darüber, ob das Geschäftsmodell Spieler teuer zu verkaufen in Zukunft aufgrund der Corona-Auswirkungen nicht schwierig werden könnte: „Man hat im Fußball auch die Möglichkeit das Geschäftsmodell anzupassen. Und wenn ich sage, ich möchte hier mit meinen eigenen Spielern weiter erfolgreich sein, dann habe ich die alternative Möglichkeit mich über eine Europacup-Teilnahme wieder finanziell in Sphären zu heben. Ich habe viele verschiedene Stellschrauben. (...) Eines ist klar: Fußball ist auch jetzt in schwierigen Zeiten etwas, das boomt. Je schwieriger die Zeiten waren, umso voller waren die Stadien. In den Nachkriegszeiten war Fußball auch eines der wenigen günstigen Vergnügungen, die man hatte. Es spricht nichts dagegen, dass die Leute dann auch wieder ins Stadion gehen und wir wieder sehr volle Tribünen haben. Dann haben wir wieder einen anderen ausgleichenden Effekt. (...) Wir haben so viele Variablen und mindestens genauso viele Möglichkeiten, die aufzulösen.“