Thomas Tuchel: "Es ist ein etwas ohnmächtiges Gefühl"
Die wichtigsten Stimmen im Vorlauf zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco bei Sky.
Die wichtigsten Stimmen im Vorlauf zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco bei Sky.
Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund)
... zur momentanen Gefühlslage: „Mir geht es ganz gut. Jeder bei uns hat aber das Recht, das auf seine Weise zu verarbeiten. Es gibt Spieler, die haben es lockerer weggesteckt. Aber es gibt auch Spieler, die hat es sehr mitgenommen. Die sind nachdenklicher. Es ist eine sehr gemischte Gefühlslage für alle.“
... zur Notwendigkeit der Spielansetzung am Mittwoch: „Wir hätten uns gewünscht, dass wir mehr Zeit bekommen hätten, das von gestern zu verarbeiten. Letztendlich wurde in Nyon in der Schweiz entschieden, ob gleich noch oder am nächsten Tag gespielt wird, ohne dass irgendwie das Ausmaß klar war. Es ist ein etwas ohnmächtiges Gefühl.“
... zur Bedeutung des heutigen Spiels: „Das fühlt sich heute erst einmal nicht an wie ein Champions-League-Feiertag. Es ist Sport und wir versuchen, uns damit auch ein Stück weit abzulenken. Mal gucken, ob uns das heute gelingt. Ich habe es allen freigestellt, heute zu spielen. Das hat nichts mit Professionalismus zu tun. Profi bist du dann, wenn du für alle sportlichen Probleme eine Lösung findest. Gestern ist uns das als Menschen wiederfahren, das steckt allen in den Knochen.“
Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund)
... zur Bedeutung des heutigen Spiels: „Es ist immer noch ein wahnsinniger Druck auf der Mannschaft. Wir haben heute Morgen das ganze Für und Wider diskutiert. Im Endeffekt bin ich der Mannschaft unheimlich dankbar, dass sie sich zur Verfügung gestellt hat. Es geht heute nicht nur darum, ein Fußballspiel zu absolvieren. Heute stehen die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand. Die müssen wir stärken. Da leistet die Mannschaft heute einen weltweit beachteten Beitrag. Das ist das Allerwichtigste.“
... zur Notwendigkeit der Spielansetzung am Mittwoch: „Die Terminproblematik der UEFA gibt es, aber die war mir völlig egal. Für mich ging es darum, zu zeigen, dass wir uns unseren Terminplan nicht von Terroristen diktieren lassen und unsere freiheitliche Grundordnung nicht zur Disposition steht. Das ist das Signal, das die Welt heute sieht.“
Thomas de Maizière (Deutscher Bundesinnenminister)
… zur Signalwirkung seines Besuchs: „Das ist ein Zeichen von der Bundesregierung und von mir persönlich, dass wir wollen, dass solche Spiele stattfinden. Es ist ein Zeichen der Unterstützung. Ich bin selbst bekennender BVB-Fan. Aber heute geht es nicht um Dortmund, sondern heute geht es um den ganzen Fußball und alle großen Veranstaltungen. Wir wollen dem Terror nicht weichen. Wir sollen seriös und verantwortungsvoll Veranstaltungen durchführen, aber nicht absagen.“
… zur Spielansetzung am Mittwoch: „Ich will mich in die sportlichen Belange nicht einmischen. Aber das im Ergebnis die Mannschaft sagt „wir wollen spielen“, dass Marc Bartra sagt „spielt für mich“, das ist ein Zeichen der Freiheit und des Stolzes. Das ist in diesen Stunden sehr gut.“
… zur Bedeutung des Angriffs für den Sport: „Der Fußball hat eine große Faszination und deswegen übt er auch eine große Versuchung für Terroristen aus, die öffentliche Wirkung zu missbrauchen. Deswegen ist es richtig, dass wir uns so gut wie möglich schützen, aber uns die Faszination nicht wegnehmen lassen von Kriminellen.“
Sky Experte Lothar Matthäus
… zur Spielansetzung am Mittwoch: „Man muss sich in die Lage der Spieler versetzen. Es lastet ein enormer Druck auf den Spielern. Wie ich aus Mannschaftskreisen gehört habe, wollten viele Spieler heute nicht spielen. Aber die UEFA übt Druck aus und die Politik bittet Borussia Dortmund, dem Terror zu trotzen. Für mich ist es unverantwortlich, dass die Spieler heute auflaufen müssen. Es ist eine unverständliche Entscheidung der UEFA, die Dortmund unter Druck gesetzt hat. Der UEFA geht es um den Wettbewerb und das Wirtschaftliche. Aber in dem Fall muss man an die Spieler denken und alles hintenanstellen.“