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Andreas Müller: "Mein erster Trainer-Vorschlag wurde von Michael Krammer abgelehnt"

Zu Gast bei „Talk & Tore - Die Tipico Fußballdebatte" war am Sonntag Ex-Rapid-Vorstand Sport Andreas Müller. Hier einige Aussagen des von Martin Konrad moderierten Live-Talks.

Andreas Müller:

über sportliche Gründe für die Beurlaubung von Mike Büskens: Wir haben sehr oft darüber diskutiert, dass wir vor allem zu Beginn der Saison, viele Spiele hatten. Was man Büskens vielleicht vorwerfen kann und das hab ich ihm auch gesagt, dass wir alle Spiele mit den selben 12 oder 13 Spielern bestritten haben. So war vielleicht Müdigkeit im Team vorhanden und wir haben es nicht geschafft, mit 16 oder 17 Spielern zu rotieren.

über sensible Veränderungen in der Kampfmannschaft: Innerhalb der Hierarchie der Mannschaft hat sich einiges verändert. Steffen Hofmann war und ist natürlich die Überfigur bei Rapid. Er war zu Beginn der Saison verletzt. Stefan Schwab ist in seine Fußstapfen getreten, was eine riesige Bürde für ihn war. Der Umbruch innerhalb des Kaders, dass man eine neue Hierarchie mit Schösswendter, Schwab und Dibon findet, das hat die ganze Sache erschwert.

über den Abschied von Zoran Barisic und die Probleme bei der Neubestellung des Trainerpostens: Die Schwierigkeit für mich, einen neuen Trainer zu verpflichten, ging schon in die alte Saison hinein. Es war eine Unzufriedenheit da, was Barisic betrifft, nicht nur von meiner Seite sondern auch vom Präsidium. Es war ein hin und ein her. Such einen neuen Trainer, dann wieder nicht. Es ist auch etwas verloren gegangen. Ich nehme es auch auf meine Schultern, dass der nahe Draht zu Barisic in dem halben Jahr verloren gegangen ist. Es waren einige Dinge, die in der Kabine und im Umfeld vorgefallen sind, weswegen es auch zur Trennung gekommen ist. Am Ende gab es einen entscheidenden Punkt, wo sich auch Zoki fragen muss, warum ist es passiert? Dann war die Entscheidung da. Es war eine kurze Zeit, um einen neuen Trainer zu finden. Mein erster Vorschlag war nicht Mike Büskens sondern Franco Foda. Michael Krammer sagte, kommt nicht in Frage.

über Damir Canadi: Bei meiner Beurlaubung hat mich Michael Krammer gefragt, wieso ich im Sommer nicht über Damir Canadi nachgedacht hätte. Ich sagte, dass ich nicht von Canadi als Trainer für Rapid überzeugt bin, nicht weil er nicht erfolgreich gearbeitet hat, sondern weil die Mannschaft mit ihrer Spielphilosophie seit drei Jahren steht. Dementsprechend haben wir auch die Spieler ausgesucht. Vom Spielstil und der Anlage her passt Canadi nicht zu Rapid.

über die Causa Entrup: Als die Geschichte mit Max Entrup anfing, habe ich mich alleine gefühlt. Den Spieler habe ich geholt, 19 Jahre, mit einer Austria-Vergangenheit in der Fanszene, die vielleicht nicht jedem bei Rapid passt, mit einer unglaublichen Qualität im Abschluss. Sonst hätten wir ihn ja nicht geholt. Zuerst war es ein E-Mail an mich von einem Rapid-Ultra, dass es gar nicht geht, dass er spielt. Dann habe ich Partei ergriffen für den Jungen wie für meinen Sohn. Ich habe Peschek und Krammer die Frage gestellt, was würdet ihr machen, wenn das euer Sohn ist und beim Auslaufen schmeißt jemand einen Böller auf ihn? Das ist doch nicht normal. Da habe ich mich schützend vor den Jungen gestellt und gesagt, du bekommst unser vollstes Vertrauen. Da habe ich mich unbeliebt gemacht. Ich bin auch unbequem.

hatte im Fall Entrup keine Unterstützung innerhalb des Vereines: Ich hatte keine Rückendenckung. Ich bin nicht derjenige, der wie Krammer und Peschek mit den Ultras im Bett liegt. Ich nicht. Das muss ich ganz deutlich sagen. Ich finde es fatal, bei all dem Support, der herausragend ist vom Block West, das habe ich selten gesehen, daraus einen Anspruch abzuleiten, in die Entscheidungen eines Vereines einzugreifen. Das ist kompletter Wahnsinn.

kann die Aussprache mit den Fans auf einem Parkplatz nicht nachvollziehen: Hans Krankl hat gesagt, er wäre nicht auf den Parkplatz gefahren. Ich auch nicht. Das ist ein No-Go für mich. Ich habe den Vorschlag an Andi Marek gemacht, ich setze mich mit ihnen hin und diskutiere das mit ihnen aus. Das wollten sie nicht. Vier Wochen später nach der Niederlage gegen die Austria hätte ich dann kommen sollen. Ich habe ganz klar gesagt, keiner bestimmt, mit wem ich wo rede. Das habe ich auch den Präsidium gesagt.

über die tatsächlichen Gründe seiner Beurlaubung: Ich finde es schade nach drei vertrausvollen Jahren der Zusammenarbeit. Ich habe Michael Krammer bei der Beurlaubung gefragt, was wirfst du mir vor? Wie war mein Job? War der okay? War der gut oder sehr gut? Da sagt er, Andi, dein Job war sehr gut. Und jetzt? Warum tust du mich raus? Ganz offen gesagt, der einzige Grund ist, dass die Rapid-Ultras mit mir nicht mehr klar gekommen sind. Die wollten mich weghaben.

"Keiner hat die Courage um aufzustehen und zu sagen, wir müssen eine Grenze setzen." - Andreas Müller über die Ultras

über absurde Forderungen der Fans in der Causa Entrup: Von der Gruppierung der Rapid-Ultras wurde Druck auf Krammer und Peschek gemacht. Ich habe keine sportlichen Gründe genannt bekommen. Das einzige, das Michael Krammer zu mir gesagt hat war, ich war zu emotional. Ich war ganz klar emotional in der Causa Entrup, wo ich meinen Standpunkt klar dargestellt habe. Er hätte die Nummer wechseln sollen, weil er die 99 hat. Da habe ich gefragt, warum das denn? So ein Schwachsinn. Das wäre ein Affront wegen 1899. Das kommt bei mir nicht in Frage. Er durfte nicht mehr in die Kurve nach den Spielen. Ich sagte, wo sind wir? Wenn die Mannschaft gewinnt, gehen entweder achtzehn in die Kurve oder keiner. Es wurde gesagt, er darf nicht in die Kurve. Keiner hat den Junge gesehen, ich kam runter und habe ihn gesehen. Siebzehn haben in der Kurve gefeiert und der Junge stand im Kabinengang und hat die Tränen in den Augen. Da fühle ich mich nicht mehr wohl. Der Junge gehört zur Familie und den unterstütze ich. Das habe ich gemacht, aber das war nicht mehr gefragt.

über die generelle Problematik bei Rapid mit den Ultras: Das ist latent vorhanden seit vielen Jahren. Alle, mit denen ich gesprochen habe und den Klub kennen, wissen genau, dass es so immer abläuft. Das ist nichts neues. Ich sagte, wir müssen eine Lösung finden, diesen Einfluss langsam zurückzufahren. Das geht nicht mit Gewalt. Ich kannte sowas gar nicht. Mein Fehler war, dass ich gesagt habe, da gehen wir mit dem Kopf durch die Wand. Dieses Problem hat jedoch Rapid schon seit ewiger Zeit. Keiner hat die Courage um aufzustehen und zu sagen, wir müssen eine Grenze setzen.

lobt Ex-Rapidler Guido Burgstaller: Ich hätte ihm das, ganz ehrlich, nicht zugetraut. Ich war beim Rückspiel gegen Ajax im Stadion, er ist Publikumsliebling. Er verkörpert, was die Leute auf Schalke sehen wollen, das malochen und rackern. Dann macht er noch sehr wichtige Tore. Es freut mich sehr für ihn. Er wird dort geliebt. Er hat dort schon den Ritterschlag.

 

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