Der Traum der Alps Premier League ist (vorerst) zerplatzt

10er Liga, 16er Liga oder gar ein länderübergreifender Zusammenschluss? Kaum ein Thema wird im (österreichischen) Fußball so ausführlich diskutiert wie das Ligenformat. Eines der vieldiskutierten Konzepte der vergangenen Monate ist jenes einer transnation

 

Dieser Zusammenschluss von Klubs aus der Schweiz und Österreich zu einem gemeinsamen Bewerb sorgte bei Fans, Medienvertretern und Experten für Diskussionsstoff. Die Idee ist bekanntermaßen keine neue – ähnliche Konzepte gibt es bereits seit über zehn Jahren, auch in anderen Ländern. So wurde beispielsweise in Dänemark, Schweden und Norwegen von 2004 bis 2007 ein skandinavischer Meister ermittelt. Im Jahr 2012 wurde mit der "Sovjet Liga" der Versuch gestartet, einen Zusammenschluss der russischen und ukrainischen Top-Ligen herbeizuführen, bis man diesen Gedanken nach den Absagen von FIFA und UEFA wieder verwarf. Nach wiederholter umfassender Prüfung aller Für und Wider einer transnationalen Liga, nehmen auch die Österreichische Fußball-Bundesliga und die Swiss Football League derzeit Abstand von einem derartigen Konzept.

 

Sollten jedoch die derzeit medial kolportierten Pläne einer "Superliga" mit den stärksten Teams Europas in die Tat umgesetzt werden, müssen sich auch kleinere und mittlere Ligen Gedanken über neue Wege machen.

 

Schweiz & Österreich – zwei Länder, ein Format
Insbesondere die ÖFBL evaluiert laufend sämtliche Ligenformate und deren mögliche (positive) Auswirkungen auf den gesamtösterreichischen Fußball. Wichtig ist, dass bei dieser Prüfung sämtliche Aspekte berücksichtigt werden, die entscheidend für die Struktur des Fußballsports sind. Den Blick ausschließlich auf den Profibereich zu richten, wäre ebenso unzulässig, wie eine Reform, die ausschließlich auf rein wirtschaftlichen, infrastrukturellen oder sportlichen Aspekten basiert. Kurzum: Das Gesamtpaket muss stimmen.

 

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer über die allgemeine Ligenformatsdiskussion in Österreich: "Die obersten Ziele der Fußballstruktur sind die Entwicklung einer starken Nationalmannschaft, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Klubs und die Homogenität der Bewerbe unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten. Gemessen am sportlichen Erfolg, ist mit den zwei Zehnerligen aktuell eine gute Plattform zur Entwicklung und Ausbildung junger Spieler gegeben. Allerdings ist es notwendig, dass die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung mit der sportlichen mithalten kann. So hat uns beispielsweise der Fall Austria Salzburg gezeigt, dass die zwei Fixabsteiger in der Sky Go Ersten Liga zur höheren Risikobereitschaft bei den Klubs führen. Hier liegt auch der einzige Unterschied zur Schweiz, wo es in beiden Zehnerligen jeweils nur einen festen Abstiegsplatz gibt."

 


"Alps Premier League" auf dem Prüfstand
Der Österreichischen Fußball-Bundesliga und der Swiss Football League sind die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Fans ein wesentliches Anliegen und man ist sich der Verantwortung, diesen Erwartungen auch gerecht zu werden, bewusst.

 

Zwei dieser Fans waren in den vergangenen Monaten besonders engagiert. In Einzelgesprächen mit Klubs und auch den Vorständen von ÖFBL und SFL haben Josef Gfrerer und Marco Schober das Konzept der "Alps Premier League" präsentiert und diskutiert. Daraufhin haben sich die beiden Ligen gemeinsam vermehrt dem Thema einer transnationalen Liga, im Speziellen dem Konzept der "Alps Premier League", gewidmet.

 

Die Ergebnisse dieser Evaluierung wurden in weiterer Folge in den entsprechenden Gremien beider Länder mit den Klubs besprochen. Die Entscheidung ist in beiden Ländern einstimmig: Eine Umsetzung dieses Formats ist aufgrund einer Vielzahl an Faktoren nicht realistisch und zielführend. Man hat daher beschlossen, eine Umsetzung dieses Konzepts bis auf weiteres nicht weiter zu verfolgen.

 

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, über die Diskussion zu einer gemeinsamen Liga mit Österreich: "Die Swiss Football League ist der Ansicht, dass der aktuelle Modus in der Schweiz mit zehn Klubs die sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch beste Lösung darstellt. Auch weil die Liga derzeit im europäischen Vergleich (Zuschauerzahlen Rang 11, UEFA-Rang 12) sehr gut dasteht, unternimmt sie momentan keine Anstrengungen, über eine gemeinsame Meisterschaft mit einem anderen Land zu diskutieren. Von Seiten der Klubs ist dieser Wunsch zudem in den letzten Jahren nicht an die Schweizer Liga herangetragen worden. Eine länderübergreifende Meisterschaft würde die teilnehmenden Ligen vor riesige organisatorische Herausforderungen stellen, sei es im Bereich der unterschiedlichen Reglemente und gesetzlichen Grundlagen, bezüglich der länderspezifischen Marketing- und TV-Situationen oder im logistischen Bereich für Fans und Teams. Und wohl als wichti gstes Argument: die ablehnende Haltung von FIFA und UEFA gegenüber länderübergreifenden Meisterschaften."

 


Transnationale Liga – nüchtern betrachtet
Die wesentlichen Gründe, warum die SFL und die ÖFBL ein derartiges Projekt aktuell nicht weiter vorantreiben, sind:

 

FIFA & UEFA Regelungen
Die aktuellen Statuten von FIFA und UEFA lassen einen Zusammenschluss zweier Ligen nicht zu. Von den notwendigen Ausnahmebewilligungen durch den Welt- und Kontinentalverband darf nicht ausgegangen werden, wie auch die Vergangenheit bereits zeigte. Der skandinavischen "Royal League" wurden die internationalen Startplätze nicht anerkannt. Diese wurden weiterhin über die nationalen Bewerbe vergeben, womit die transnationale Liga als Lückenfüller für die langen Spielpausen in Skandinavien fungierte. Diese ablehnende Haltung gegenüber Ligen-Zusammenschlüssen bestätigten FIFA und UEFA erneut im Jahr 2012, als Russland und die Ukraine eine gemeinsame "Sovjet Liga" planten.

 

Die Statuten im Wortlaut:
FIFA: "Jede Konföderation hat folgende Rechten und Pflichten: […] dafür zu sorgen, dass es ohne ihr Einverständnis und die Einwilligung der FIFA nicht zur Bildung von internationalen Ligen oder anderen ähnlichen Zusammenschlüssen von Klubs oder Ligen kommt."

 

UEFA: "Ohne Bewilligung der UEFA dürfen keine Vereinigungen oder Gruppierungen zwischen UEFA-Mitgliedsverbänden bzw. zwischen Ligen oder Klubs, die mittelbar oder unmittelbar verschiedenen UEFA-Mitgliedsverbänden angehören, gebildet werden."

 

UEFA-Fünfjahreswertung
Aufgrund der Zusammenlegung würden internationale Startplätze verloren gehen. Mit Meisterschaft und Pokalwettbewerb hat die Schweiz aktuell fünf internationale Startplätze, Österreich ist mit 2016/17 mit vier Klubs vertreten. Selbst wenn man sich langfristig unter den ersten drei Plätzen der UEFA-Fünfjahreswertung positionieren könnte, würden zwei internationale Starter verloren gehen.

 

Die Annahme, dass jede Nation einen eigenen Cup spielt und diese von der UEFA mit jeweils einem internationalen Startplatz goutiert werden, ist äußerst fraglich. Dies insbesondere unter dem Aspekt, dass die UEFA erst vor kurzem das Reglement dahingehend geändert hat, dass ausschließlich Cupsieger einen Startplatz bekommen und nicht auch Finalisten, sofern der Cupsieger auch über die Meisterschaft international qualifiziert ist.

 

Des Weiteren besteht die Gefahr, dass international nur oder fast ausschließlich Klubs einer Nation vertreten sind, was nicht im Interesse aller Beteiligten wie bspw. Klubs, Fans und Sponsoren ist.

 

Abstiegsregelung
Es gibt keine Abstiegsregelung, die unter sportlichen Kriterien gewährleistet, dass die transnationale Liga früher oder später eine nationale Liga wird. Steigen, wie üblich, immer die Letztplatzierten der Liga ab, kann nicht verhindert werden, dass nach einigen Jahren ausschließlich Klubs aus einem einzigen Land an der Meisterschaft teilnehmen.

 

Ermittelt man die Absteiger anhand klar definierter Quotenregelungen, verzichtet man bei der Ab- und Aufstiegsfrage bewusst auf den sportlichen Grundgedanken. Selbst eine Mischform dieser Varianten reduziert zwar die Wahrscheinlichkeit, löst aber nicht die Grundproblematik einer nationalen Meisterschaft in der internationalen Liga. Gesamt betrachtet gehen alle Varianten zu Lasten der sportlichen Qualifikation.

 

Vermarktungspotenzial – Sponsoren & TV
Im ersten Moment scheint die einfache Rechnung logisch: legt man zwei Ligen mit zwei eigenen Märkten zusammen, erhöhen sich die Sponsoreneinnahmen aufgrund der erhöhten Reichweite.
Analysiert man beide Fußball-Märkte und die dort aktiven Unternehmen, wird jedoch erkenntlich, dass diese beiden Märkte sehr unterschiedlich sind. Die aktuellen Klub-Sponsoren sind in beiden Ländern großteils regional vertreten, die Liste an potentiellen länderübergreifend tätigen Unternehmen ist sehr überschaubar.

 

Banal gesagt: Ein lokaler Autohändler Bern wird kaum Interesse an Werbeflächen in Salzburg haben und noch weniger bereit sein, dafür höhere Preise zu bezahlen. Genauso verhält es sich mit großen national agierenden Unternehmen. Ob bspw. für die Trikotsponsoren der beiden Wiener Großklubs Werbung in der Schweiz strategisch wertvoll ist, darf ebenso bezweifelt werden, wie die Vorstellung, dass ein Unternehmen aufgrund eines Ligen-Zusammenschlusses den Eintritt in einen neuen Markt wagt.
Gleiches gilt auch für die aktuelle TV-Landschaft, die sich hinsichtlich Free- und Pay-TV in beiden Ländern ausschließlich auf den nationalen Markt beschränkt.

 

Zuschauerzahlen & Attraktivität der Liga
Einzelne Spielbegegnungen wie FC Basel gegen SK Rapid Wien haben zweifelsohne ein hohes Fanpotential. Andere Begegnungen allerdings wiederum weniger, die Anfahrtswege für Auswärtsfans wären größer und es würde weniger regionale Derbys geben.

 

Eine Prognose, dass eine Erhöhung der Zuschauerzahlen durch Erhöhung der Klubanzahl in der Liga resultiert, kann nicht generell getroffen werden. Dieser Schluss wird häufig mit dem internationalen Vergleich der Top-Ligen (!) argumentiert, die immer mit mehr als zwölf Mannschaften gespielt werden und dem Ergebnis, dass man nur zweimal gegen jeden Gegner antritt.

 

Eine derart isolierte Betrachtung und der daraus gewonnene Umkehrschluss, dass mit mehr Teams in einer Liga auch die Zuschauerzahl steigt, sind nicht zulässig. Zuschauerzahlen hängen vielmehr von vielen Faktoren ab:


- teilnehmende Klubs
- Infrastruktur/Stadien
- sportliche Situationen der einzelnen Klubs
- Wichtigkeit einer Spielpaarung (sportlich, emotional)
- Einzugsgebiet

 

Unterschiedliche Rechtslage

Wenn man die Unterstützung und den Willen hat, kann man die unterschiedlichen Verbandsbestimmungen aus Österreich und der Schweiz für den Profibereich anpassen. Mit der gesetzlichen Grundlage sieht es etwas schwerer aus. Unterschiedliche Arbeitsbedingungen und –rechte sind schwer zu überwindende Hürden für eine transnationale Meisterschaft.

 

Abschließend halten die Österreichische Fußball-Bundesliga und die Swiss Football League fest, dass man nach eingehender Diskussion in den Gremien beider Ligen darauf verzichtet, das Projekt einer transnationalen Liga weiter zu diskutieren. Sollten jedoch die medial kolportierten Pläne einer "Superliga" mit den stärksten Teams Europas in die Tat umgesetzt werden, wäre ein Zusammenschluss kleiner und mittelgroßer Ligen eventuell wieder ein Thema.

 

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