Christian Benbennek: 'Sind auf dem richtigen Weg'

Seit einem halben Jahr heißt der Cheftrainer der SV Guntamatic Ried Christian Benbennek. Im klubeigenen Interview spricht der 44-jährige Deutsche unter anderem über sein erstes halbes Jahr als SVR-Trainer, über den Fußball in Österreich, über seine Famili

 

Nach 15 Runden liegt die SV Guntamatic Ried mit 17 Punkte auf Tabellenplatz sieben. Wie sieht deine bisherige Bilanz aus?

Wir haben vieles sehr gut gemacht. Wie die Mannschaft mitarbeitet, wie sie die Systemumstellung mitgemacht hat – vieles klappt schon richtig gut. Sonst hätten wir auch nicht gegen Rapid, Altach oder Sturm gewinnen können. Andererseits haben wir Spiele verloren, die wir nicht hätten verlieren müssen. Wenn man alles berücksichtigt, dann ist es gut, wo wir jetzt stehen. Aber wir haben noch Luft nach oben. Wir sind noch immer am Anfang unseres Wegs.

 

Am Samstag geht es gegen St. Pölten. Wie wichtig ist dieses Spiel?

Es ist natürlich ein ganz, ganz wichtiges Spiel, weil es eine Mannschaft ist, die hinter uns steht. Es geht darum, den Abstand zu bewahren oder auszubauen. In St. Pölten haben wir gewonnen, unsere erste Halbzeit war hervorragend. Kurz danach haben wir im Cup ein anderes Gesicht gezeigt und verdient verloren. Es wird eine schwierige Aufgabe für uns. Wir müssen 100 Prozent abrufen. Dennoch: Wir spielen zuhause und wir sind in diesem Spiel der Favorit.

 

Es sind noch fünf Runden bis zur Winterpause. Gibt es ein Ziel bis zur Pause?

Wir wollen auf jeden Fall zumindest auf diesem Tabellenplatz bleiben, wenn möglich auch einen Schritt nach vorne machen. Wir müssen die Spiele bis Weihnachten nutzen, um uns noch klarer als es jetzt ist von der Abstiegszone zu entfernen.

 

Wie siehst du rückblickend dein erstes halbes Jahr als Trainer in Ried?

Es ist vieles noch sehr neu für mich. Es kommt mir immer noch vor, als wäre ich erst zwei, drei Monate hier. Ich sehe, dass wir mit der Mannschaft auf dem richtigen Weg sind. Trotzdem bin ich sehr ungeduldig, will schneller vorankommen. Aber es ist ein Prozess für die Mannschaft, für uns alle. Selbst wenn etwas nicht gelingt – die Mannschaft zeigt einen großen Willen, alles umzusetzen und immer besser zu werden. Als es zu Beginn nicht gut gelaufen ist, sind alle ruhig geblieben. Diese Ruhe wird uns weiter stark machen. Ich kann im Verein mit der Führungsspitze gut kommunizieren – mit Roland Daxl aus dem Vorstand, mit dem sportlichen Direktor Stefan Reiter. Wir haben einen täglichen Austausch, es ist ein sehr gutes Miteinander. Ich bin hier in Ried toll willkommen geheißen worden. Nach einem halben Jahr kann ich nur bestätigen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Es ist eine richtige Freude für die SV Ried zu arbeiten.

 

Ist die österreichische Bundesliga so, wie du sie dir vorgestellt hast?

Ich wusste vorher schon, dass es ein Gefälle in der Liga gibt, eine Zweiklassen-Gesellschaft. Ich hätte mir gedacht, dass der Fußball in Österreich stärker in der Öffentlichkeit verankert wäre. In Deutschland gibt es eine ganz andere Begeisterung für den Fußball. Ich würde mir wünschen, dass wir in Ried noch mehr Zuschauer hätten. Wir werden so arbeiten, dass wir hoffentlich auch die Bevölkerung begeistern können, wieder mehr ins Stadion zu gehen. Rapid und Sturm haben eine richtige Fußball-Kultur, bei anderen hakt es etwas. Die Liga könnte sicherlich in der Öffentlichkeit noch präsenter sein.

 

Wie läuft die tägliche Arbeit?

Ich komme mit den Spielern, dem ganzen Trainerteam, sehr gut zurecht. Ich mag die Jungs sehr gerne. Aber ich scheine eine etwas härtere Ansprache zu haben. Das was die Jungs mit Disziplin und typisch Deutsch an mir bezeichnen. Ich meine nie etwas böse und bin nicht nachtragend. Es scheint aber so zu sein, dass ich etwas anders bin als die bisherigen Trainer. Ich muss mir auch immer bewusst machen, dass es für die Spieler eine Umstellung ist. Auch ich habe hier keinen Vergleich, kenne nur Deutschland. Die Stimmung in der Mannschaft ist aber sehr gut. Wir haben untereinander Vertrauen, wir sind als Team richtig zusammengeschweißt. Teamgeist darf nicht nur ein Wort sein, sondern das muss man auch leben. Das ist ein wichtiges Ziel von mir.

 

Du wohnst weit weg von deiner Familie. Wie schwierig ist diese Situation?

Ich bin verheiratet, habe eine achtjährige Tochter, die in Deutschland in Braunschweig in die zweite Klasse geht. Braunschweig ist 700 Kilometer von Ried entfernt. Wir rufen uns jeden Abend an. Meine Tochter erzählt mir dann, was sie den ganzen Tag erlebt hat. Das ist uns sehr wichtig. Sie war schon in Ried und ich habe ihr alles gezeigt – das Trainingsgelände, die Weberzeile und vieles mehr. Sie weiß, dass es hier mehr Schnee gibt als bei uns in Norddeutschland. Sie fragt jetzt schon immer, wann der Schnee kommt. Auch die Berge in Österreich haben sie total fasziniert. Natürlich ist es nicht leicht, wenn man so weit weg arbeitet. Aber wir haben das in der Familie alle gemeinsam besprochen. Meine Eltern und meine Schwester unterstützen uns sehr. Es funktioniert sehr gut. Wenn ich Zeit habe, dann ist das natürlich ein Papa-Tag. Aber auch wenn ich in Deutschland 100 oder 200 Kilometer entfernt arbeiten würde, würde ich sie wenig sehen. Das ist Teil meines Berufs. Ich freue mich schon auf die Weihnachtszeit. Da haben wir dann etwas mehr Zeit miteinander. Aber ich fühle mich in Ried sehr, sehr wohl. Ich möchte hier so erfolgreich wie möglich arbeiten. Das ist mein Auftrag und dem will ich bestmöglich gerecht werden.

 

Wo siehst du die Mannschaft in einem halben Jahr?

Im vergangenen Jahr war die Mannschaft zu Weihnachten in einem bösen Abstiegskampf. Mit sehr viel Herz und Kampfgeist haben sie sich da rausgeboxt. Für die Mannschaft hat sich jetzt seit dem Sommer sehr viel geändert. Wir haben viel umgestellt, spielen eine Viererkette. Wir werden auch in einem halben keine Ballbesitzmannschaft sein, sondern eine Umschaltmannschaft. In den Torabschlüssen müssen wir effektiver sein. Spielerisch mit dem Ball müssen wir auch besser werden. Wir müssen uns immer weiterentwickeln. Wenn man ein kleines Budget hat, werden die guten Spieler von den finanzkräftigeren Vereinen abgeworben. Es wäre natürlich toll, wenn wir ein Grundgerüst erhalten könnten, wenn es eine nicht zu hohe Fluktuation gibt, damit wir unseren Weg über den Sommer hinaus weitergehen können.