Christoph Peschek: „Lehnen Abschaffung von 50+1 ab“
Im Interview mit sportsbusiness.at bezieht Rapids Geschäftsführer Christoph Peschek ganz klar Stellung zur aktuellen „50+1“-Thematik. Einer Aufweichung dieser Regelung wird Rapid definitiv nicht zustimmen.
++ 90minuten.at-Exklusiv von Michael Fiala & Georg Sander ++
Die Ankündigung von Christian Ebenbauer beim sportsbusiness.at Breakfast Club vergangene Woche, dass die Ligaklubs in den kommenden Monaten über die „50+1“-Regelung nachdenken werden, sorgte durchaus für Aufsehen. Klar scheint, die aktuelle Regelung benötigt ein „Update“, darüber sind sich die meisten Klubs einig. Immer häufiger gibt es Kritik, wonach die aktuelle Regelung ausgehöhlt wird, sei es durch Mäzenaten oder Freunde-Konstrukte. Höchst fraglich ist jedoch, in welche Richtung diese Änderungen gehen werden. Die unterschiedliche Ausgangslage wird hier in den kommenden Monaten für spannende und wohl emotionale Diskussionen führen.
Klare Ansage von Rapid
Rapids Geschäftsführer Christoph Peschek hat nun in einem Interview mit sportsbusiness.at wenig überraschend ganz klar Stellung zu diesem Thema bezogen. „Wir werden jedenfalls einer Aufweichung oder gar Abschaffung von 50+1 nicht zustimmen“, so der Rapid-Geschäftsführer, der ergänzt: „Klar ist, dass Investoren stets ein Interesse verfolgen und das liegt in der Regel darin, Gewinne zu erzielen. Fußballvereine sollten sich jedoch nicht zur Rendite verpflichten und schon gar nicht ihre Entscheidungsgewalt verkaufen. Wir spielen Fußball nicht zur Gewinnmaximierung, sondern für unsere Fans – mögliche Gewinne sollen daher zur Weiterentwicklung des Klubs verwendet und nicht zur Ausschüttung von Dividenden dem Klub entzogen werden.“
Peschek fordert: „Eine Änderung wäre aus Sicht des SK Rapid dann wünschenswert und sinnvoll, wenn sie noch klarere Regelungen schafft und etwaige Möglichkeiten für Umgehungen wirklich ausschließt. Wir spielen Fußball für unsere Fans und nicht für die Rendite von Investoren.“
„Warum sollte dies nicht möglich sein?“
Relativ entspannt sieht diese Thematik hingegen der ehemalige Finanzchef des SK Rapid Wien, Raphael Landthaler. Gegenüber sportsbusiness.at meint er auf die Frage, ob sich ein Mitgliederverein wie Rapid oder Sturm mit einem Investor vertragen würden: „Warum sollte dies nicht möglich sein? Die Interessen der Mitglieder sind ja mit den Interessen eines Investors bzw. strategisch denkenden Eigentümer gut vereinbar: Wahrung der Tradition, stetige Weiterentwicklung auf allen Ebenen und letztendlich sportlicher, nachhaltiger Erfolg. Eventuell ist ein 25+1 Modell eine attraktive Variante, wo viele Kontrollrechte bei den Mitgliedern bleiben und gleichzeitig die Kontrollmöglichkeiten umfassend gegeben sind."
Peschek hält entgegen: „Investoren investieren Geld, damit sie letztlich mehr Geld bekommen. Daher sind es ja auch Investoren und nicht Spender. Die Gefahr des Verlustes der Identität, der eigenen Gründungsidee und Werte ist enorm groß, wie ebenfalls aktuell einige Beispiele zeigen. Ich bin der Meinung, dass Fußballvereine in jedem Fall ihre Entscheidungsgewalt behalten sollten und selbstbestimmt bleiben müssen.“
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