Willi Ruttensteiner: „Ich habe lang um Andreas Herzog gekämpft, konnte ihn aber nicht mehr umstimmen"

Israels Sportdirektor kam der Teamchef abhanden: Das Aus von Andreas Herzog könnte auch den Abschied der übrigen Österreicher in Diensten Israels bedeuten. (Text: SportMediaServices)

Als Andreas Herzog am Mittwoch Abend auf Sky seinen Abschied aus Israel verkündete, hatte er kurz vor der TV-Sendung Israels Sportdirektor Willi Ruttensteiner von seiner Entscheidung informiert. „Ich habe lang um ihn gekämpft, konnte ihn aber nicht mehr umstimmen. Andi wurde zwei Monate im Ungewissen gelassen und die Kommunikation war nur noch sporadisch. Ich verstehe Andi, dass er endlich Gewissheit haben wollte und jetzt eine neue Richtung einschlagen wird“, so Ruttensteiner, der sich bei Herzog „für seine hervorragende und engagierte Arbeit bedanken“ will. „Leider steht jetzt hier in Tel Aviv alles in den Sternen. In acht Wochen startet das Play-off für die EURO 2021 und der Verband hat keinen Teamchef. Auch ich selbst weiß nicht, wie es mit mir persönlich weitergeht. Ich warte auf ein klärendes Gespräch mit Präsident Oren Hasson. Wenn mein Programm nicht mehr in der notwendigen Qualität weitergeführt werden kann, dann muss man eine faire Lösung finden.“

Wobei der langjährige ÖFB-Direktor noch einen aufrechten Vertrag bis Sommer 2022 besitzt – der Ball liegt also beim Verband, eine konstruktive Vereinbarung zu treffen. Die Corona-Krise und die damit verbundenen fehlenden Einnahmen dürften Israels Verband  in eine schwere Krise gestürzt haben: Ruttensteiner wurde ein erheblicher Gehaltsverzicht nahegelegt und Herzog hat überhaupt auf die Entlohnung für April, Mai und Juni verzichtet. „Andi hat hier ausgezeichnete Arbeit geleistet und nie auf Geld Wert gelegt, sondern die Herausforderung gesehen“, betont Ruttensteiner.

Was den neuen Teamchef betrifft, dürfte ein einheimischer Coach zum Zug kommen: „Die Zeit ist sehr knapp, es muss jemand sein, der die Mannschaft kennt“, weiß Ruttensteiner. Als Wunschlösung gilt in den israelischen Medien der ehemalige Chelsea-Trainer Avram Grant, der Israel bereits von 2002-2006 betreut hatte und in seiner Heimat einen legendären Ruf genießt. Allerdings dürfte die Verpflichtung des engen Freundes des in Tel Aviv lebenden Chelsea-Besitzers Roman Abramovich für den finanzmaroden Verband nur schwer zu stemmen sein.

Völlig im Dunkeln befinden sich neben Ruttensteiner auch die übrigen österreichischen Staffmitglieder: Tormanntrainer Klaus Lindenberger, Individualtrainer Martin Stranzl, die Scouts Heinz Hochhauser und Gerhard Schweitzer bzw. Mentalcoach Markus Rogan müssen nach Herzogs Abgang auch mit ihrem Ende bei der Nationalmannschaft rechnen.    

Israel muss noch das EM-Play-off gegen Schottland bzw. bei Aufstieg gegen den Sieger aus Serbien gegen Norwegen bestreiten, dazu beginnt die Nations League. Insgesamt stehen ab September bis November 8 Länderspiele auf dem Programm, wobei die UEFA sogar Triple-Header binnen einer Woche ins Auge fasst. Und in 10 Monaten beginnt die Qualifikation für die WM in Katar.

Für 90minuten.at-Leser jetzt um 2 Euro günstiger: