Fußball als Gewinner der Corona-Krise?

Die Corona-Krise könnte die strukturellen und finanziellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sportarten vergrößern. Fußball könnte einer der Gewinner sein.

Der Werbemarkt wird in diesem Jahr definitiv kleiner werden, also werden sich die Sponsoren daran orientieren, wer in unmittelbarer Zukunft präsenter ist, und das wäre der Fußball, wenn es Geisterspiele gibt, die übertragen werden.

Anna Kleissner gegenüber der APA

Wie Anna Kleissner, Geschäftsführerin des Sportökonomie-Instituts SportsEconAustria, in einem Gespräch mit der APA bekräftigt, könnte Fußball als Gewinner aus der Corona-Krise hervorgehen. Gemeint ist damit die Stellung von Fußball zu anderen Sportarten. Kleissner vertritt die These, dass der Fußball seine ohnehin schon dominante Rolle möglicherweise ausbaut, weil andere Sportarten wohl noch monatelang auf den Wettkampfbetrieb verzichten müssen.

 

Sportverbände verhandeln

Wie 90minuten.at aus gut informierten Kreisen erfahren hat, laufen derzeit im Hintergrund Gespräche diverser Sportverbände mit dem Sportministerium unter der Führung von Werner Kogler. In den kommenden Tagen will Kogler vor die Presse treten und einen weiteren Fahrplan präsentieren, welche Sportarten im Breiten- bzw. Spitzensport in welcher Form künftig betrieben werden dürfen.

Aus Sicht von Kleissner darf sich der Fußball berechtigte Hoffnungen machen, die Krise mittels Geisterspielen ohne gravierende Schäden zu überstehen. Sollten Geisterspiele erlaubt werden, könnte die Liga ihre Saison fertig spielen und somit auch die vereinbarten Gelder aus dem TV-Vertrag kassieren. Andere heimische Sportarten hingegen besitzen keine lukrativen Medienrechte, mussten ihre Ligen bereits im März abbrechen und sind von den Maßnahmen gegen die Pandemie ebenso massiv betroffen wie etwa die Formel 1 oder Tennis, für deren Events eine rege Reisetätigkeit vonnöten ist.

Kleissners Theorie: Die dadurch entstehende verstärkte Aufmerksamkeit würde wiederum den Fußball-Vereinen in Form von höheren Werbewerten zugutekommen - mutmaßlich auf Kosten der "kleineren" Sportarten, die ohnehin schon ein Nischendasein fristen. Zudem könnte der Werbemarkt sich dann besonders auf den Fußball konzentrieren. "Der Werbemarkt wird in diesem Jahr definitiv kleiner werden, also werden sich die Sponsoren daran orientieren, wer in unmittelbarer Zukunft präsenter ist, und das wäre der Fußball, wenn es Geisterspiele gibt, die übertragen werden“, so Kleissner.

 

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