Mission Graz: Die größten Baustellen für Fabio Ingolitsch im Frühjahr 2026
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Mission Graz: Die größten Baustellen für Fabio Ingolitsch im Frühjahr 2026

Ende Dezember zog Sturm Graz die Reißleine. Meistertrainer Jürgen Samuel musste gehen, Fabio Ingolitsch übernahm. Mit gerade einmal 33 Jahren steht der ehemalige Altach-Coach vor seiner bislang größten Aufgabe.

Denn hinter der ordentlichen Tabellenplatzierung verbergen sich einige Schwachstellen. Baustellen, die im Frühjahr 2026 dringend geschlossen werden müssen, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren.

 

Mehr als nur Zahlen: Was die xG-Werte wirklich verraten

Ein Blick auf die Tabelle erzählt bei Sturm Graz nur die halbe Wahrheit. In der sogenannten „wahren Tabelle“ liegt Sturm auf Rang drei – und damit sogar einen Platz besser, als es die xG-Metriken vermuten lassen. Auch bei den Punkten ist man leicht überperformant: 28 Zähler stehen zu Buche, einen mehr als erwartet. Offensiv zeigt sich jedoch ein kleines Ungleichgewicht. 27 erzielte Tore bedeuten rund 1,5 Treffer weniger als prognostiziert. Die Defensive hingegen funktioniert besser als gedacht. Nur 23 Gegentore stehen auf der Anzeige, fast zwei weniger als laut Expected Goals zu erwarten gewesen wären. Kurz gesagt: Sturm lebt aktuell von Effizienz gegen den Ball – und verschenkt vorne noch zu viel.

Viel Ball, viele Chancen – aber zu wenig Ertrag

Offensiv gehört Sturm Graz weiterhin zur Ligaspitze. 27 erzielte Tore bedeuten Rang zwei, nur Salzburg ist noch treffsicherer. Auch im Ballbesitz liegt Sturm mit 55,6 Prozent auf Platz zwei ligaweit. Das Spiel ist dominant, kontrolliert, meist mutig. 328 angekommene Pässe pro Partie reichen für Rang vier, ebenso wie 4,8 erfolgreiche Flanken. Besonders auffällig: 15,5 Schüsse pro Spiel – erneut Platz zwei. Dazu kommt Liga-Bestwert bei den Dribblings. 11,7 pro Partie, fast zwei mehr als Salzburg. Das große Aber folgt bei den Großchancen. 45 wurden herausgespielt, doch über 60 Prozent davon blieben ungenutzt. Hier liegt eine der größten Baustellen für Ingolitsch.

Defensiv wirkt das Bild widersprüchlich. 23 Gegentore bedeuten nur Rang sieben im Ligavergleich. Positiv: 19 Tackles pro Spiel, Platz zwei. Weniger gut: abgefangene Bälle und Klärungen – hier liegt Sturm im unteren Drittel. Und doch: Sechs Spiele ohne Gegentor sind Ligabestwert, gemeinsam mit dem LASK. Stabil, aber nicht immer souverän.

Optimistische Prognosen von Experten

Die Stimmung rund um Sturm Graz ist trotz Umbruch erstaunlich positiv. Experten und Buchmacher sehen die Blackies weiterhin im erweiterten Titelrennen. Wer zum Testbericht klickt, merkt schnell: Sturm wird noch nicht abgeschrieben. Salzburg bleibt der große Maßstab, klar. Doch die Saison ist lang, der Rückstand aufholbar. Vor allem die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe gilt als nahezu sicher. In diesen Prognosen schneidet Sturm sehr gut ab. Für Fans bedeutet das: keine Garantie auf den Titel, aber eine stabile Perspektive – und jede Menge Spannung bis zum Saisonende.

Ingolitsch-Fußball: Mut, Druck und neue Wege

Fabio Ingolitsch steht für einen klaren Ansatz. Seine Fußballphilosophie ist stark von der Red-Bull-Schule geprägt. Aggressiv, schnell, vertikal. Der Fokus liegt auf Balleroberung, Umschaltmomenten und hohem Pressing. „Agieren statt reagieren“ ist dabei mehr als nur ein Schlagwort. Ingolitsch will Gegner stressen, früh attackieren und mutig auftreten. Dafür ist er auch bereit, von der starren Rautenformation abzuweichen. Flexibilität spielt eine zentrale Rolle, vor allem gegen tief stehende Teams. Vollgas, Intensität und knallharte Arbeit sind für ihn Grundvoraussetzung – nicht Kür.

Die Aufgabe ist groß, aber die Voraussetzungen stimmen. Sturm Graz hat Qualität, Tiefe und nun einen Trainer mit klarer Idee. Gelingt es, die Chancenverwertung zu verbessern und defensive Wackler zu minimieren, ist im Frühjahr vieles möglich. Ingolitsch will nichts reparieren, sondern aufbauen. Und genau darin liegt die Hoffnung für Graz.