Zentrales Mittelfeld: Höchste Qualität für rot-weiß-rot

Der 90Minuten.at-Kadercheck beschäftigt sich dieses Mal mit den zentralen Mittelfeldspielern.  Von Georg Sander

 

Julian Baumgartlinger

Mit 28 Jahren setzt der gebürtige Salzburger zum Gipfelsturm seiner schon jetzt recht beeindruckenden Karriere an. EM-Teilnahme als Stammspieler, Transfer zum Champions League-Starter Leverkusen. Der nun Ex-Mainzer steht bei Bayer hoch im Kurs: „Ein Charakter-Spieler mit Führungsqualitäten, ehrgeizig, körperlich stark und mit strategischen Fertigkeiten. Er wird das Niveau unserer Mannschaft heben.“ Rudi Völler ist anscheinend schon überzeugt und Marcel Koller sowie so. Gegen Ende der abgelaufenen Saison hat Baumgartlinger auch zwei Mal das Tor gefunden, was ein Indiz für noch mehr Selbstvertrauen ist. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der auch noch hin und wieder trifft – Herz, was willst du mehr?

 

90minuten.at-Fazit: Der Mittelfeldspieler ist einer, der Kampf und Gloria in sich vereint und mit seinen vielen abgespulten Kilometern ein wichtiger Mosaikstein im Team Marcel Kollers ist. Er wird spielen, wenn er fit ist.

 


David Alaba

Bekanntlich spielt David Alaba bei den Bayern öfters Linksverteidiger und Innenverteidiger. Der Punkt darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, was das gerade bei Pep Guardiola heißt – nämlich nicht, dass er nun eine Saison lang den gegnerischen Strafraum nur von der Mittellinie aus betrachtete. Ein Pep-Verteidiger spielt alle Positionen und Alaba kann das auch. Im Nationalteam ist er der Regisseur, der das Spiel oftmals von der Innenverteidigungsposition aufbaut und es gestaltet. Mit klugen Pässen und Sprints in die Tiefe konnte er auch aus der Abwehrkette schnell ins letzte Angriffsdrittel vordringen und dort für Gefahr sorgen. Vermehrte Defensivaufgaben sind sicherlich auch ein wichtiges Asset für einen im Nationalteam zentralen Mittelfeldspieler.

 

90minuten.at-Fazit: Gemeinsam mit Fuchs und Arnautovic bildet Alaba eine fußballerisch herausragende und technisch mehr als nur versierte linke Seite, über die auch eine Mehrzahl der Angriffe aufgebaut werden. Eine Achse, die wohl auch so manche viel größere Fußballnation gerne hätte.

 


Zlatko Junuzovic

Mitte der Nullerjahre war ja Werder der große Bayernjäger. Das tun, spätestens seit 2010/11 andere. An Junuzovic liegt es wohl nicht alleine, auch wenn der Europacup auch seit 2012 ungefähr so weit weg ist von Werder wie Bremen von Junuzovic' Geburtsort Loznica im ehemaligen Jugoslawien. Doch der Dauerläufer auf der Zehn ist gestählt aus dem Abstiegskampf hervor gegangen. 13 seiner 17 Scorerpunkte der Spielzeit 15/16 sammelte er im Jahr 2016; der Verbleib an der Weser ist unklar. Mit 28 Jahren ist es für den Mittelfeldspieler nun Zeit für einen letzten, großen Schritt. Der Kontrakt läuft noch zwei Jahre, ein Verbleib ist, gerade bei einer auch nur durchschnittlichen Endrunde in Frankreich, mehr als unwahrscheinlich. Konkret war es noch nirgends, Gerüchte gab's schon viele, am ehesten noch aus dem Umfeld des Kampfes um die Europa League.

 

90minuten.at-Fazit: „Zladdi“ ist vielleicht sogar noch einen Tick wichtiger als die erwähnten Alaba und Baumgartlinger, nicht nur, weil er an vorderster Front Kilometer um Kilometer abspult. Junuzovic kann auch Defensive und stopft Löcher, wenn seine Mittelfeldkollegen vorgehen.

 


Stefan Ilsanker

Die Abrissbirne im Mittelfeld wurde von Roger Schmidt quasi entdeckt. Auch Ralf Rangnick setzte bei Leipzig auf den Defensivmann. „Ilse“ ist auf den ersten Blick etwas Anachronistisch für einen defensiven Mittelfeldmann, gibt er doch gerne den Provokateur, der sich in den Anfangsminuten gerne den gegnerischen Spielmacher zur Brust nimmt – die 80er lassen grüßen. Doch der wuchtige Körper und seine ein wenig limitierte Technik täuschen. Es mag ungelenk aussehen, aber Ilsanker kann auch einiges für die Offensive tun. Nicht so dynamisch wie seine Kollegen, aber effektiv. Wer von Österreich aus sofort Stammspieler wird, auch wenn es „nur“ ein Aufstiegsanwärter in die erste deutsche Bundesliga ist, hat Qualität.

 

90minuten.at-Fazit: In den zwei unglaublich wichtigen Spielen gegen Russland spielte er durch. Das waren freilich keine Zauberspiele, aber wer Erfolg will, kann nicht nur zaubern. Sollte Ilsanker von Start weg auflaufen müssen, dann braucht sich der heimische Fan keine Sorgen machen. Plus: Er kann auch Innenverteidigung.

 


Allessandro Schöpf

Es ist schon eine große Auszeichnung, in den erlauchten Kreis der Nationalmannschaft aufzusteigen, gerade bei Marcel Koller. Der im Mittelfeld quasi auf allen möglichen Positionen einsetzbare Legionär hat es geschafft - Schöpf war aber auch Schalke 04 im Winter satte fünf Millionen Euro wert. Bei Nürnberg und seit Winter auf Schalke spielte er von links nach rechts alles im offensiven Mittelfeld, im Nationalteam ist seine Feldposition etwas tiefer, bei seinen zwei Kurzeinsätzen vor dem Lehrgang in der Schweiz wurde er jeweils für David Alaba eingewechselt. Vielleicht wäre der Tiroler gar nicht mit dabei, hätte Veli Kavlak nicht schon wieder eine Verletzung einen Strich durch die EM-Pläne gemacht und wäre Christoph Leitgeb nicht dauerverletzt. Kann Schöpf aber auch egal sein, warum er dabei ist. Sein Tor gegen Malta zeigte recht deutlich, was er alles kann, beziehungsweise, dass ein Kicker vom deutschen Tabellenfünften auch dem Nationalteam gut zu Gesicht steht.

 

90minuten.at-Fazit: Kavlak stand nur auf Abruf, Leitgeb nach null Spielen in dieser Saison steht nicht bereit, Yasin Pehlivan hatte eine mehr als durchwachsene Saison bei Salzburg. Bleibt Koller bei seinem 4-2- 3-1/4- 4-1- 1 ist er einfach gut beraten, vier Spieler für die Doppelsechs zu haben. Schöpfs Nominierung ist quasi alternativlos, weil er tabellarisch einfach über Florian Grillitsch steht und qualitiatv sowie so über allen, die in Österreich im defensiven Mittelfeld herumlaufen. Starten werden und sollten dann aber doch die bekannten Baumgartliner und Alaba.