Pavel Kadeřábek, der tschechische Offensiv-Verteidiger

Ursprünglich Stürmer entwickelte sich Pavel Kadeřábek zu einem der besten Offensiv-Verteidiger Tschechiens. Von Alexander Kords

 

Zwar setzte sich die tschechische Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation als Gruppensieger gegen die Hochkaräter Türkei und Niederlande sowie das Überraschungsteam aus Island durch. Allerdings kassierten die Osteuropäer dabei auch 14 Tore in zehn Spielen – und damit mit Abstand mehr als alle anderen Nationen, die im Juni und Juli in Frankreich um den Titel spielen. Einer der Gründe für die nicht immer sattelfeste Abwehr der Tschechen ist wohl im Offensivdrang seiner Außenverteidiger zu suchen. So spielte Pavel Kadeřábek, der Mann auf der rechten Abwehrseite, noch vor kurzem im Angriff.

 

Pavel Kadeřábek, geboren im April 1992 in Prag, schloss sich schon früh einem der großen Clubs seiner Heimatstadt an, nämlich dem tschechischen Rekordmeister Sparta Prag. Dort durchlief er sämtliche Jugendmannschaften und wurde im August 2008 in die tschechische U17-Nationalmannschaft berufen. Im März 2010 machte er sein erstes Spiel für Spartas zweites Team in Tschechiens zweithöchster Spielklasse. Und es dauerte nicht einmal ein halbes Jahr, bis Kadeřábek auch für die Kampfmannschaft sein Debüt gab – und zwar gleich auf europäischer Ebene. Im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen den slowakischen Club MŠK Žilina im August 2010 wurde Kadeřábek für die letzte halbe Stunde eingewechselt, konnte allerdings weder das Ausscheiden von Sparta verhindern noch sich selbst für weitere Einsätze empfehlen. Dafür reiste er mit der U19 Tschechiens im Sommer 2011 zur U19-Europameisterschaft nach Rumänien und scheiterte mit ihr erst im Finale an Spanien.

 



 

Fünf Tore in 30 Ligaspielen
Um Kadeřábek Spielpraxis auf hohem Niveau zu geben, verlieh ihn Sparta kurz nach der EM an Viktoria Žižkov, wo er zu seinen ersten elf Partien in der obersten tschechischen Liga kam. Nach seiner Rückkehr nach Prag Anfang 2012 fand er sich jedoch erneut in der Reserve von Sparta wieder. Erst in der Saison 2012/2013 spielte sich der mittlerweile 20-jährige in die erste Mannschaft – wo er zunächst abwechselnd als rechter Flügelstürmer und auf der rechten Mittelfeldseite eingesetzt wurde. Im August 2012 erzielte er gegen den 1. FK Příbram sein erstes Tor als Profi, zwei Wochen später folgte gegen České Budějovice gleich das zweite. Und obwohl es die einzigen beiden Treffer der Spielzeit bleiben sollte, hatte Kadeřábek fortan seinen Stammplatz sicher. Ab der Spielzeit 2013/2014 lief er ausschließlich als rechter Verteidiger auf, dennoch steigerte er seine Torgefahr noch weiter und erzielte in 30 Ligaspielen fünf Tore. Dass er dazu noch zehn Treffer vorbereitete, zeigt, wie ungemein wertvoll er für das Offensivspiel von Sparta Prag war. Mit einem Vorsprung von 13 Punkten und nur einer Saisonniederlage wurde der Club im Sommer 2014 tschechischer Meister, zudem gelang der Pokalsieg.

 


Premiere im A-Team Tschechiens

Mit dem Double im Rücken wurde Kadeřábek nur wenige Tage später die nächste Ehre zuteil, als ihn der Nationaltrainer Pavel Vrba in seine Auswahl berief und im Freundschaftsspiel gegen Finnland im Mai 2014 von Beginn an spielen ließ. Und der Höhenflug von Kadeřábek ging weiter: Zwar blieb er mit Sparta in der Saison 2014/2015 ohne Titel, aber ihm gelang dennoch etwas Ungewöhnliches: Bei der Wahl zu Tschechiens Fußballer des Jahres musste er sich lediglich seinem Teamkollegen David Lafata geschlagen geben – und das, obwohl Verteidiger bei solchen Abstimmungen selten auf den vorderen Plätzen landen. Angesichts seiner Leistungen war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Club aus einer stärkeren Liga bei Kadeřábek anklopfen würde. Letztlich fiel die Wahl auf den deutschen Bundesligisten TSG Hoffenheim, der den Tschechen im Sommer 2015 unter Vertrag nahm und 3,5 Millionen Euro nach Prag überwies.

 



 

Dass sich Kadeřábek ausgerechnet einen Verein aussuchte, der in der Saison 2015/2016 gegen den Abstieg spielte, war unglücklich. Dass er seit Februar 2016 mit dem 29-jährigen Julian Nagelsmann den jüngsten Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte hat, kann ihm als jungem Spieler nur dienlich sein. Noch dazu setzt Nagelsmann auf eine aggressive Verteidigung und auf ein schnelles Umschaltspiel; taktische Elemente, die dem offensiv eingestellten Kadeřábek entgegenkommen. Nur bei der Nationalmannschaft muss er sich mehr auf seine defensiven Fähigkeiten besinnen, damit das Team in Frankreich nicht ähnlich abwehrschwach präsentiert wie in der Qualifikation.