Offensive Außenbahnen: Eine kleine Unbekannte in Kollers Überlegungen
Bei der Besetzung der rot-weiß-roten Außenbahnen gab es in den vergangenen drei Jahren selten Zweifel an der Besetzung. Doch gerade bei der EM könnte es anders kommen. Von Georg Sander
Marko Arnautovic
Über Marko Arnautovic weiß man vermutlich sowie so mehr, als er und wir wissen. Wir versuchen es dennoch: Elf Tore und sechs Vorlagen in der Premier League sind eine Ansage, mit 17 Scorerpunkten hat er mehr verbucht als beispielsweise Kevin de Bruyne oder Wayne Rooney, nur 19 Spieler sammelten mehr Scorerpunkte. Nach drei Jahren Stoke City wäre es auch für ihn so weit, einen fetten Vertrag abzustauben. Am Geld happerts in der Premier League ja nirgends. Zuletzt plagte ihn eine Rückenverletzung, einem Einsatz gegen Ungarn sollte jedoch nichts im Weg stehen.
90minuten.at-Fazit: Wenn man sich in unsteten Zeiten auf etwas verlassen kann, dann, dass Marko Arnautovic unter Marcel Koller spielt. Seit Kollers Amtsantritt fehlte er nur zwei Mal (einmal Oberschenkelprobleme, einmal Rotsperre), spielte dazu nur einmal weniger als 62 Minuten (daheim gegen Irland im September 2013). Aber das alles weiß man freilich.
Martin Harnik
Ähnlich gesetzt wie Marko Arnautovic ist sein vis-a-vis auf der rechten Außenbahn – zumindest war er das bis zum Ende der EM-Qualifikation. Der gebürtige Hamburger, den Paul Gludovatz seiner Zeit für Österreich rekrutierte, hatte aber auch eine schwierige Saison, in den letzten beiden Testspielen schien Koller auf seiner Position zu testen. Sein Verein VfB Stuttgart hat sich seit dem überraschenden Titel 2007 sukzessive nach unten gearbeitet und nun, im vierten Versuch, „endlich“ den Abstieg geschafft. Natürlich, nach fünf Jahren mit jeweils zum Teil deutlich mehr als zehn Scorerpunkten ließ Harnik diese Saison aus, kam nicht einmal auf 1.000 Einsatzminuten. Dass die Schwaben abgestiegen sind, ist sicherlich nicht seine Schuld, teamintern soll er in Verbindung mit Florian Klein das Klima vergiftet haben. Klar wird das zurück gewiesen.
90minuten.at-Fazit: Auch Kollers uneingeschränktes Vertrauen in seine Stammelf hat Grenzen, weshalb es möglich sein könnte, dass Harnik nach Jahren der Startelf sich bei der EM zum Teil auf der Bank wiederfinden könnte.
Jakob Jantscher
Erst 2015 konnte sich der Ex-Grazer als Alternative für das Nationalteam behaupten, war Koller wichtiger als Guido Burgstaller oder Newcomer Karim Onisiwo. Und obwohl er in der nahen Schweiz spielt, fliegt er etwas abseits des Radars. Mit einem guten Lauf gegen Ende der Saison konnte sich Jantschers FC Luzern als best-of-the-rest hinter Serienmeister Basel und Adi Hütters furiosen Bernern einparken. Jantscher, der von den Einsatzminuten her fast-Stammspieler ist, hatte mit sechs Ligatreffern seinen Anteil daran – auch wenn vier davon Elfmeter waren, muss man die auch erst einmal machen. Nach der durchwachsenen Zeit bei Red Bull Salzburg und schwierigen Monaten in Russland ist es nun bislang dann doch nicht die Riesenkarriere geworden, der Offensivspieler hat sich aber in der guten Schweizer Liga einen Namen gemacht.
90minuten.at-Fazit: Jantscher ist ein karrieretechnisches Stehaufmännchen und steht verdient im Eurokader. Er ist mittlerweile erfahren und kann durchaus auch in wenig Zeit ordentlich Wirbel bei der gegnerischen Verteidigung entfachen. Zudem kann er auf beiden Seiten spielen; ein perfekter Ersatzmann.
Marcel Sabitzer
Es gibt wohl wenige Spieler, bei denen man schon vor ein paar Jahren sagen konnte: „Der spielt mal in einer großen Liga!“ Marcel Sabitzer ist so einer. Nach einer fabelhaften Spielzeit 2015/16 mit 19 Toren und 16 Assists für die Salzburger Bullen avancierte er als vielseitig, meist in der Mitte, einsetzbare Offensivkraft mit acht Toren, fünf Assists und nur zwei Spielen, in denen er nicht in der Leipziger Startelf stand zu einem der prägenden Spieler der Aufstiegssaison. Obwohl er erst 22 Jahre alt ist, absolvierte er bereits seine sechste Saison als Vollprofi mit mehr als 1.000 Einsatzminuten oder 16 Spielen. Mehr als eine Duftmarke. Ist er nicht bei der U21-Nationalmannschaft wie größtenteils 2012/13, ist er im Team mit dabei. Sabitzer ist zuletzt ein verlässlicher Joker gewesen und erzielte das Siegtor in Montenegro.
90minuten.at-Fazit: Marcel Sabitzer hat bislang alles richtig gemacht. Wie Jantscher ist er ein braver Ersatzmann, einer, der vielleicht weniger über die Seiten kommt als der Luzern-Legionär und etwa mehr Durchschlagskraft mitbringt. Sabitzer ist einer, der Spiele auch von der Bank entscheiden kann. Möglicherweise wird er aber auch statt Harnik in der Startelf stehen.