Mama, die Lizenz hamma – oder auch nicht
Bis spätestens heute, Dienstag, müssen die Vereine ihre Unterlagen für die Lizenz abgeben. 90minuten.at hat sich bei den Sorgenkindern der Sky-Go-Ersten-Liga umgehört, ob und wie die Lizenz zum Stolperstein wird oder nicht. Von Georg Sander
Neben Austria Salzburg, das bereits für die Regionalliga planen kann, sind der SC Wiener Neustadt, der Kapfenberger SV und Austria Klagenfurt die finanziellen Sorgenkinder der Liga – beim einen mehr, beim anderen weniger. Die Gründe sind unterschiedlich. Beim SCWN wird das Geld langsam knapp, die Rücklagen aus der Stronach-Ära sind fast weg, die Stadt Wiener Neustadt fast pleite. Im November 2015 sagte Ralph Spritzendorfer, kaufmännischer Leiter der Niederösterreicher, gegenüber Sky: „Die Aufgabe für die nächsten vier Monate ist es, einen Rahmen zu finden, der dem Profifußball gerecht wird. Wir kalkulieren mit einem Budget von zwei Millionen Euro.“ Club-Manager Alexander Gruber erklärte den Kollegen vom ORF ebenfalls im November: „Es fehlt noch einiges.“ Im Gegensatz zu den Angestellten gibt SC-Präsident Hans Reinisch auf Anfrage von 90minuten.at aber selbstbewusst zu Protokoll: „Ja, selbstverständlich suchen wir an.“ Allerdings wird dann eingeschränkt: „Wir haben ein Budget eingereicht, das durch die Lizenzierung bestätigt werden wird.“ Einsparungsmöglichkeiten sieht Reinisch kaum: „Schwierig. Es gibt Lizenzauflagen, ohne verbesserte Zuschauerzahlen und mit weniger Sponsoren aufgrund der wirtschaftlichen Lage ist das ein Balanceakt.“ Mehr will der SCWN derzeit nicht zum Thema sagen.
Kapfenberg reduziert
In Kapfenberg sieht die Lage ein wenig anders aus. Hubert Scheer half finanziell oftmals aus. Scheer war Steirer und dank eines Lottogewinns vermögend. Der im Herbst 2015 überraschend mit 63 Jahren verstorbene Mäzen macht die Lage für Kapfenberger, die schon für diese Spielzeit die Lizenz nur mit Auflagen bekamen, nicht leichter. „Es liegt nun an den Klubverantwortlichen, gewissenhaft für eine entsprechende Finanzgebarung und die erforderliche Budgetdisziplin zu sorgen", wurde Andreas Grundei, Vorsitzender des Protestkomitees, damals zitiert. Gegenüber 90minuten.at zeigt sich KSV- und Ligavizepräsident Erwin Fuchs durchaus auskunftsfreudig. Man werde um die Lizenz ansuchen, das Budget beziffert Fuchs mit 1,7 Millionen Euro, rund „200.000 Euro weniger als letztes Jahr“. Durch verschiedene Maßnahmen wurde es reduziert, etwa beim Kader. „Das ist der untere Rand“, meint der Präsident, „zwei Millionen Euro wären wünschenswert.“ Er bestätigt des Weiteren, dass der Tod Scheers nachteilig für den Verein ist. Immerhin scheint laut Fuchs bei den ausständigen Zahlungen aus früheren Transfers alles auf Schiene zu sein.
Neuer Hauptsponsor für die Lizenz
Austria Klagenfurt wiederum hatte sowie so schon öfters betont, dass die Budgetplanung schwierig werde. Auf Nachfrage von 90minuten.at beim Medienverantwortlichen Christian Rosenzopf antwortet dieser zuversichtlich: „Die Austria wird natürlich um die Lizenz für die neue Saison ansuchen, wir haben bis zuletzt daran gearbeitet, damit wir alle Punkte erfüllen und wir gehen davon aus, dass wir die Lizenz bekommen werden.“ Ein neuer Hauptsponsor soll auch präsentiert werden, wer das sei, verriet Rosenzopf nicht. Das hört sich alles nach auf den letzten Drücker an, aber man hätte nichts „schnell, schnell“ machen wollen. Eine konkrete Budgetzahl nannte Rosenzopf auch nicht. Es bewege sich aber unterhalb der im Sommer vom Verein kommunizierten „2 – 2,4 Millionen Euro“, weil „der Kader verkleinert wird. Wir haben überall an den Schrauben gedreht und Einsparungen vorgenommen. Für die Zukunft hoffen wir, dass sich die Politik und die Wirtschaft wieder mehr zum Fußball bekennen.“
Der lachende Fünfte?
Der lachende Fünfte könnte der FAC sein: Austria Salzburg ist kein Konkurrent mehr, wenn sich aus dem Trio der oben beschriebenen Vereinen mit finanzieller Schieflage einer verabschiedet, hält der FAC die Klasse, auch wenn man sportlich gesehen keine Chance mehr hat. Dabei betrachtet die Bundesliga die Stadionsituation seit dem Aufstieg mit Argusaugen. Klubmanager Mathias Slezak bestätigt auf Anfrage von 90minuten.at trotz 18 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz das Ansuchen um eine Lizenz: „Ja, wir werden um die Lizenz ansuchen. Wirtschaftlich wird beim FAC seit Jahren kontinuierlich gut gearbeitet und daher sind wir finanziell für das Lizenzierungsverfahren gerüstet.“ Slezak macht auch kein Hehl daraus, auf weitere Lizenzentzüge zu spekulieren: „Durch den Zwangsabstieg von Austria Salzburg besteht für uns die Chance, bei einer weiteren Lizenzverweigerung den Klassenerhalt über den Weg des Lizenzierungsverfahrens zu schaffen. Auch wenn wir das keinem anderen Verein wünschen, möchten wir für diese Eventualität gerüstet sein.“ Das mag nicht nett sein, zeugt aber von Weitsicht. Und obwohl man finanziell schon fast am Limit ist, will man das bestehende Budget von „heuer ungefähr 1,6 Millionen Euro“ drücken: „Etwas Einsparungspotential gibt es bei den Personalkosten. Diesen Weg haben wir bereits jetzt in der Winterpause eingeschlagen, indem wir einige Abgänge verzeichnet haben und vermehrt auf junge Spieler aus der eigenen Amateurmannschaft bzw. aus dem FAC-Nachwuchs setzen.“
Noch mehr sparen geht nicht? Geht doch!
Noch zum Rückrundenstart beteuerte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer: „„Ich bin der Meinung, dass man mit Blick auf die Budgets der Vereine schauen muss, neue Erlöse zu generieren und nicht noch mehr zu sparen. Die Untergrenze ist hier aus meiner Sicht schon ausgeschöpft. Am Ende des Tages wird die Entscheidung fallen, ob man noch mehr sparen will oder versucht, mehr Erlöse zu generieren.“ Die Klubs aber drehen die finanziellen Daumenschrauben noch mehr an. Budgets, die schon vergangenes Jahr als „unterste Grenze“ bezeichnet wurde, werden noch einmal reduziert, womit auch die Diskussion der „Profi-Liga“ angefeuert wird.
Doch die kurzfristige Realität für die Klubs heißt: Lizenz oder keine Lizenz. Ein weiteres Debakel wie mit Austria Salzburg wird die Bundesliga versuchen zu vermeiden. Man wir daher davon ausgehen können, dass das ohnehin schon sehr strenge Lizenzverfahren in diesen Wochen noch strenger ausgelegt wird als sonst, um einen unterjährigen Finanzausgleich wie bei Austria Salzburg zu vermeiden. Was das wiederholte Reduzieren der Budgets für das Niveau bedeutet und für die, die Geld haben und aufsteigen wollen, kann sich jeder ausrechnen. Wie in der Bundesliga scheint es immer mehr zu einer finanziellen Mehrklassengesellschaft zu kommen; auch in der harten SkyGo Ersten Liga.