Leroy Sané: Ein weiteres Juwel im deutschen Mittelfeld

Leroy Sané feierte im November sein Debut für die deutsche Elf. Er könnte einer der ganz Großen der nächsten Jahre werden und auch bei der EM so richtig durchstarten. Von Alexander Kords

 

Auf den offensiven Mittelfeldpositionen hat die deutsche Nationalmannschaft nur wenige Sorgen. Mesut Özil, Mario Götze, Toni Kroos, Marco Reus, André Schürrle – Bundestrainer Joachim Löw ist kaum um seine Aufgabe zu beneiden, aus dem Angebot an hochklassigen Dribblern vor jedem Spiel nur drei, je nach Formation maximal vier Kicker auszuwählen.

 

In naher Zukunft könnte sich ein weiterer Spieler in die Rotation gesellen, dem nicht wenige Experten zutrauen, zum kommenden deutschen Fußball-Superstar zu werden. Die Rede ist von Leroy Sané vom FC Schalke 04. Seit der 20-Jährige im April 2014 den ersten Einsatz für die Profimannschaft seines Clubs absolvierte, geht es mit ihm steil bergauf. Symptomatisch dafür ist der Verlauf seines Marktwerts, den das Portal Transfermarkt.de ermittelt hat. Lag der nämlich im Sommer 2014 noch bei einer halben Million Euro, so schnellte er bis heute auf unvorstellbare 18 Millionen.

 

Kein Wunder, dass sich längst die Großen des internationalen Fußballs bei Schalkes Noch-Manager Horst Heldt über die Möglichkeit eines Transfers erkundigt haben. Heldts Reaktion: Er verlängerte im Sommer 2015 Sanés Vertrag bis 2019 – selbstredend zu deutlich höheren Bezügen als die, die im Ausbildungsvertrag des Spielers festgeschrieben waren. Allerdings, so heißt es, auch mit einer Ausstiegsklausel, die ab 2017 einen Wechsel für eine Summe um 50 Millionen Euro ermöglicht.

 

Doch was macht Leroy Sané zu einem derart begehrten Spieler? Ganz einfache Antwort: Er hat alles, was ein offensiver Mittelfeldspieler braucht. Er ist mit und ohne Ball pfeilschnell und verfügt über eine feine Technik, die ihn zu einer engen Ballführung und präzisen Dribblings befähigt. Dazu geht er mit einer Unbekümmertheit zu Werke, die ihn auch im internationalen Fußball weit bringen könnte. Nicht wenige Beobachter glauben, an Sané zumindest ansatzweise die Vorzüge zu erkennen, die Lionel Messi derzeit zu einem der beiden besten Fußballer der Welt machen. Sowohl die mentalen, vor allem aber die körperlichen Vorteile von Sané sind erblich bedingt: Sein Vater ist der ehemalige senegalesische Nationalspieler Souleymane Sané, der neben einigen Stationen in Deutschland und Frankreich in den 1990er-Jahren auch für den FC Tirol Innsbruck und den LASK aktiv war. Und seine Mutter ist Regina Weber, Deutschlands bislang einzige olympische Medaillengewinnerin in der Rhythmischen Sportgymnastik.

 


Der 1996 in Essen geborene Leroy begann mit fünf Jahren bei der SG Wattenscheid 09, einem der Ex-Clubs seines Vaters, mit dem Fußball. Mit neun kam er zum FC Schalke 04, nach einem dreijährigen Intermezzo bei Bayer 04 Leverkusen kehrte er 2011 wieder zu den Knappen zurück. Bei denen wurde er schnell zum wichtigsten Spieler der U19-Mannschaft und machte in der Saison 2013/2014 vor allem in der UEFA Youth Champions League auf sich aufmerksam. Schnell stattete ihn sein Verein mit einem Profivertrag aus – und schon nahm Sanés Karriere auch bei den „Großen“ Fahrt auf.

 

Im Dezember 2014, in seinem erst vierten Bundesligaspiel, schoss er sein erstes Tor, in seiner ersten Partie in der Champions League im März 2015, immerhin gegen Real Madrid, machte er beim 4:3-Sieg seiner Mannschaft das zwischenzeitliche 3:2. Nachdem Sané im September 2015 in drei Bundesligaspielen hintereinander jeweils ein spielentscheidendes Tor für Schalke erzielt hatte, kam auch Joachim Löw nicht mehr um ihn herum und nominierte ihn für das Testspiel gegen Frankreich am 13. November 2015. Dass er im Pariser Stade Saint-Denis in der 61. Minute für Julian Draxler eingewechselt wurde und damit sein Debüt im Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft feierte, ging jedoch vor dem Hintergrund der terroristischen Anschläge in der französischen Hauptstadt an diesem Abend unter.

 



 

Dass es nicht Sanés letzter Auftritt für Deutschland bleiben wird, steht außer Frage. Ebenso scheint es beschlossene Sache zu sein, dass er in absehbarer Zeit den FC Schalke verlassen wird. Der FC Liverpool, der im Sommer 2015 noch läppische zwölf Millionen Euro bot, wird wohl beim anstehenden Wettbieten den Kürzeren ziehen. Es heißt, dass Sané nur zwei Clubs für seine sportliche Zukunft in die engere Wahl zieht: den FC Barcelona und RB Leipzig. Also den derzeit wahrscheinlich besten Fußballverein der Welt und den Spielzeug-Club von Dietrich Mateschitz, der aller Voraussicht nach in der kommenden Saison in der deutschen Bundesliga spielen wird.

 




 

Geht es nach seinem Vater Souleymane, dann käme ein Wechsel nach Spanien für Leroys Entwicklung allerdings viel zu früh. Ebenso könnte es sich mit der kommenden Europameisterschaft verhalten. Zu stark sind (noch) die eingangs erwähnten Konkurrenten im deutschen Mittelfeld. Doch wenn sich das DFB-Team im Jahr 2018 in Russland an der Verteidigung ihres WM-Titels versucht, dann könnte Leroy Sané schon zur Stammelf gehören.

 

Highlights von Leroy Sane

 


 

 

Bisher sind folgende Portraits zur EM 2016 erschienen:

>>> Der ungarische Scholes als Waffe gegen Österreich?

>>> Kingsley Coman: Die französische Offensiv-Rakete