Europe's Next Topstars? Kingsley Coman: Die französische Offensiv-Rakete
Kingsley Coman wird kurz nach Beginn der Europameisterschaft in Frankreich 20 Jahre alt. Der Franzose in den Diensten der Bayern hat das Zeug zum Durchbruch. Von Alexander Kords
Im Mai 2015 schied der FC Bayern München im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona aus, was den erfolgsverwöhnten Deutschen, die am Ende „nur“ Meister wurden, die Saison verdarb. Schon die 0:3-Hinspielniederlage im Camp Nou beendete den Münchner Traum vom erneuten Gewinn der europäischen Königsklasse vorzeitig. Und nicht wenige Experten erkannten im Fehlen einer schlagkräftigen Flügelzange im Mittelfeld den Grund für das Aus der Bayern. Denn sowohl Arjen Robben als auch Franck Ribéry fehlten in der entscheidenden Saisonphase verletzungsbedingt.
Um für die laufenden Spielzeit einen derart schwächenden Personalengpass zu verhindern, gingen die Münchner im Sommer 2015 auf Einkaufstour – und holten neben dem brasilianischen Linksaußen Douglas Costa auch einen jungen Franzosen namens Kingsley Coman. Obwohl dessen Marktwert lediglich auf 3,5 Millionen Euro geschätzt wurde, zahlten die Bayern das Doppelte als Leihgebühr an Juventus Turin und ließen sich zudem von den Italienern eine Kaufoption über 21 Millionen Euro zusichern. Damit bewiesen die Münchner Macher Weitblick: Denn trotz der Wiedergenesung von Robben und Ribéry kommt der gebürtige Pariser, der sowohl auf beiden Außenbahnen als auch als hängende Spitze spielen kann, beim deutschen Rekordmeister auf beachtliche Einsatzzeiten.
Posted by Kingsley Coman on Montag, 9. November 2015
20 Jahre & der dritte Top-Verein
Obwohl er im Sommer erst seinen 20. Geburtstag feiert, ist der FCB schon der dritte europäische Top-Verein, für den Kingsley Coman in seiner jungen Karriere spielt. Mit acht Jahren wurde er von Scouts von Paris Saint-Germain entdeckt und in die Jugendakademie des Hauptstadt-Clubs geholt. Er war gerade 16 Jahre und acht Monate alt, als er im Februar 2013 sein Debüt für PSG in der Ligue 1 gab – übrigens unter dem damaligen Trainer Carlos Ancelotti, der ab dem Sommer 2016 erneut Comans Coach sein wird.
Allerdings glaubte Ancelotti nicht so recht an die Qualitäten des Jungspunds und ließ ihn bis zum Ende der Saison 2013/2014 lediglich in drei weiteren Pflichtspielen zum Einsatz kommen. Immerhin reichte das aus, um Coman zum zweifachen französischen Meister zu machen. PSG, bereits in Händen katarischer Scheichs und mit einem hochkarätigen Kader ausgestattet, verlängerte im Sommer 2014 den Vertrag mit Coman nicht, woraufhin Juve ablösefrei zuschlug. Bei den Italienern stand der Franzose immerhin häufiger auf dem Platz, zudem schoss er im Jänner 2015 im Pokal gegen Hellas Verona seinen ersten Treffer im Profifußball. Einen Monat später debütierte er in der Champions League, als er im Achtelfinale gegen Borussia Dortmund kurz vor Schluss eingewechselt wurde.
Vom BackUp zum Torschützen
och nach nur einem Jahr (und einem italienischen Double in der Tasche) ging es Ende August 2015 weiter zu Bayern München. Dort war Coman zunächst bestenfalls als Backup angedacht, entsprechend lau war das Lüftchen, das die Verpflichtung des Franzosen in den deutschen Medien auslöste. Weil aber die Dauerverletzten Robben und Ribéry noch nicht zur Verfügung standen, spielte Coman schon in seinem zweiten Spiel in Rot – einem 3:0 beim SV Darmstadt 98 im September 2015 – über die vollen 90 Minuten und erzielte den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. War zu Saisonbeginn noch die rechte Außenbahn seine, so verschob ihn Trainer Pep Guardiola wenig später, nach der Rückkehr von Arjen Robben, auf die linke Seite. Und auch nachdem Franck Ribéry im Dezember 2015 sein Comeback gab, konnte das Coman nicht aus der ersten Elf verdrängen; vielmehr experimentiert Guardiola seitdem mit Aufstellungen, in denen drei Außenbahnspieler gleichzeitig auf dem Platz stehen.
Wie sein Landsmann Ribéry kann Kingsley Coman den Ball auch bei voller Geschwindigkeit führen, erzeugt ständige Torgefahr und hat den einen oder anderen Trick auf Lager, um sich Gegenspieler vom Leib zu halten. Mit Sprints, bei denen er bis zu 35 km/h erreicht, ist es zudem schwer, dem Franzosen zu folgen. Und obwohl er für sein Alter schon außergewöhnlich gut spielt, ist zugleich ein enormes Potential für Weiterentwicklungen zu erkennen.
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Nachdem Coman für beinahe alle Jugend-Nationalmannschaften Frankreichs gespielt hat und aktuell noch für die U21 spielberechtigt ist, berief ihn Didier Deschamps im November 2015 in den Kader der Équipe Tricolore. Dass Coman ausgerechnet im Testspiel gegen Deutschland am 13. November zu seinem Debüt kam, als sich rund um das Pariser Stade de France drei islamistische Selbstmordattentäter in die Luft sprengten, wird auf ewig eine traurige Randnotiz in der Karriere von Kingsley Coman bleiben. Für diesen gilt es, trotz der zunehmenden Konkurrenz bei Bayern München seine Leistungen aus der Hinrunde zu bestätigen oder gar zu übertreffen. Denn dann wird Didier Deschamps bei der Zusammenstellung seines EM-Kaders nicht um den Offensiv-Allrounder herumkommen.