Der Schweizer Sturm-Bulle an der Seite von Marc Janko

Marc Jankos Teamkollege Breel Embolo ist erst seit etwas mehr als einem Jahr Schweizer Staatsbürger. Bei der Euro 2016 soll er für die Eidgenossen die entscheidenden Tore schießen. Von Alexander Kords

 

Die Nationalmannschaft der Schweiz sorgte schon bei der WM 2014 in Brasilien für Aufsehen und hatte im Achtelfinale den späteren Vize-Weltmeister Argentinien am Rande einer Niederlage. Nach dem 0:1 nach Verlängerung gegen Messi und Co. beendete der Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, wie vorher angekündigt, seine Karriere und überließ Vladimir Petković seinen Job. Der setzte den erfolgreichen Weg der Eidgenossen fort und führte sie dank eines zweiten Platzes in der Qualifikationsrunde souverän zur EURO 2016. Dort kann er nicht nur auf die „Helden von Brasilien“ zurückgreifen, sondern auch auf eine Riege neuer Talente. Der jüngste (und wohl beste) von ihnen, der Stürmer Breel Embolo, ist erst seit etwas mehr als einem Jahr Schweizer Staatsbürger.

 

Geboren wurde Embolo im Februar 1997 in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun. Zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern kam er 2003 nach Basel, wo sich die Familie mehr Chancen erhoffte als in ihrer afrikanischen Heimat. Breel schloss sich mit acht Jahren dem FC Nordstern Basel an, über den BSC Old Boys kam er 2010 schließlich zum größten Verein der Stadt, dem FC Basel. Dort spielte er sich durch die Nachwuchsteams und kam – obwohl er kein Schweizer Staatsbürger war – in den Jugendauswahlen des Landes zum Einsatz. In der Saison 2013/2014 spielte er für die U21 der Basler in der dritten Schweizer Liga und sammelte zudem in der Youth Champions League erste internationale Erfahrungen. Weil das Profiteam im Frühjahr 2014 durch Verletzungen geschwächt war, holte der damalige Trainer Murat Yakin Embolo kurzfristig in seinen Kader und setzte ihn im März 2014 im Europa-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg – im Alter von nur 17 Jahren – erstmals bei den Profis ein. Drei Tage später feierte der Stürmer sein Debüt in der Liga, als er nur fünf Minuten vor Schluss gegen den FC Aarau eingewechselt wurde und dennoch die Zeit nutzte, den Treffer zum 5:0-Endstand zu markieren. Schon nach diesem Auftritt gab der Basler Mannschaftskapitän Marco Streller zu Protokoll, mit Embolo „ein Juwel“ in seinem Team zu haben.

 



Embolos CL-Debüt

 

Trotz seiner bulligen Statur war der Stürmer schon zu dieser Zeit technisch versiert und hatte vor allem eins: sichtbaren Spaß am Spiel. Auch im weiteren Verlauf der Saison kam er zuweilen für die Kampfmannschaft zum Einsatz, am letzten Spieltag im Mai 2014 sogar erstmals über 90 Minuten. Doch obwohl er im ersten Spiel der darauffolgenden Saison – erneut gegen Aarau – mit dem 1:0 den Sieg einleitete, ließ ihn der neue Trainer Paolo Sousa in den weiteren Partien auf der Bank schmoren oder schob ihn gar zur zweiten Mannschaft ab. Erst im September 2014 kehrte Embolo ins Team zurück – und das gleich auf der ganz großen Fußball-Bühne. Bei der 1:5-Niederlage seiner Basler im legendären Estadio Santiago Bernabéu gegen Real Madrid wurde er für die abschließende Viertelstunde eingewechselt. Der Auftritt gab ihm Selbstvertrauen, und weil er Coach Sousa zunehmend von seinen Qualitäten überzeugen konnte, spielte sich Embolo dauerhaft in die Stammauswahl. Im November 2014 erzielte er gegen den bulgarischen Club Ludogorets Razgrad seinen ersten Champions-League-Treffer und wurde damit mit exakt 17 Jahren, acht Monaten und 21 Tagen zum sechstjüngsten Torschützen in der Geschichte der Königsklasse.

 


Kamerun oder Schweiz?

Zu dieser Zeit hatte längst das Tauziehen um das wohl größte Talent der jüngeren Schweizer Geschichte begonnen: Samuel Eto’o, Kameruns Fußball-Nationalheld, traf sich am Rand eines Champions-League-Spiels mit Embolo und versuchte, ihn davon zu überzeugen, für die Auswahl seines Geburtslands aufzulaufen. Auch der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petković machte sich auf den weiten Weg von seinem Wohnort im Tessin nach Basel, um Embolo für seinen Kader zu gewinnen. Eine Entscheidung des Stürmers ließ nicht lange auf sich warten, im Dezember 2014 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft und absolvierte im März 2015 gegen die USA sein erstes Länderspiel für die Nati.

 



 

Und weil er am Ende der Saison 2014/2015 bei 17 Toren in 38 Spielen für den FC Basel stand, interessierte sich praktisch jeder Spitzenclub Europas für Embolo. Neben den deutschen Bundesligisten Borussia Dortmund und VfL Wolfsburg, die schon ein Auge auf den Stürmer geworfen hatten, seit dieser 13 Jahre alt war, ließen ihn unter anderem auch der FC Barcelona und die beiden großen Clubs aus Manchester beobachten. Im Jänner 2016 unterbreiteten die Wolfsburger dem FC Basel ein konkretes Angebot über 27 Millionen Euro und hätten Embolo damit zum teuersten Schweizer Spieler aller Zeiten gemacht. Doch sein Verein lehnte ab – wohl in der Hoffnung, dass sich der Marktwert des Spielers durch seinen Auftritt bei der EM weiter steigern wird. Denn dass Embolo im Sommer 2016 die Schweiz verlassen und sich einem Großclub anschließend wird, scheint außer Frage. Die Bilanz in dieser Saison an der Seite von Marc Janko liest sich jedenfalls ähnlich beeindruckend wie jene zuvor: In 38 Pflichtspielen erzielte er 14 Treffer und legte neun auf.

 

>>> Siehe auch: 'Alt gegen Neu': Toni Polster und Marc Janko im neuen TV-Spot