Der beste Stürmer Polens (nach Robert Lewandowski)

Arkadiusz Milik kommt im polnischen Nationalteam auf eine beachtliche Torquote. Dennoch steht er im Schatten von Robert Lewandowski. Von Alexander Kords

 

Der Schatten, den Robert Lewandowski wirft, ist riesengroß – nicht nur in der deutschen Bundesliga, sondern auch in der polnischen Nationalmannschaft. Dort hat der Ausnahme-Stürmer in 73 Länderspielen 34 Treffer gemacht und gehört schon jetzt zu den fünf besten Torschützen der polnischen Nationalteamgeschichte. In Sachen Quote kann sein Sturmpartner aber durchaus mit ihm mithalten. Arkadiusz Milik von Ajax Amsterdam hat in seinen 22 Partien für Polen schon zehn Tore geschossen – und ist mit seinen 22 Jahren fünf Jahre jünger als Lewandowski.

 




 

Miliks Karriere wäre beinahe schon zu Ende gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Als er nämlich mit sechs Jahren begann, sich für Fußball zu interessieren, gab es in Tychy, wo Milik im Februar 1994 zur Welt kam, keinen Club mit einer altersgemäßen Mannschaft. Das hielt den Jungen aber nicht davon ab, den Sport zu betreiben: Kurzerhand ließ er sich beim Rozwój Katowice anmelden und pendelte fortan regelmäßig zum Training in die 20 Kilometer entfernte Nachbarstadt.

 

Profi-Debüt mit 16
Im Oktober 2010 gab er mit 16 Jahren sein Debüt für die Profimannschaft seines Heimatclubs, die zu dieser Zeit allerdings nur in der vierten polnischen Liga spielte. Daneben führte er die U17 des Vereins zum dritten Platz in der Landesmeisterschaft seiner Altersklasse. Nach einem bestandenen Probetraining wechselte Milik im Sommer 2011 zum Erstligisten Górnik Zabrze, hatte dort allerdings zunächst Startschwierigkeiten. Als er jedoch in der Hinserie der Saison 2012/2013 in 14 Spielen sieben Mal traf, wurden ausländische Vereine auf den Stürmer aufmerksam. Der deutsche Bundesligist Bayer 04 Leverkusen machte im Jänner 2013 das Rennen und legte 2,6 Millionen Euro auf den Tisch – wohl in der Hoffnung, einen ähnlichen Juwelen aufgetan zu haben wie Borussia Dortmund mit Robert Lewandowski zweieinhalb Jahre zuvor.

 

Allerdings geriet die Karriere von „einem der größten Talenten des Landes“, wie Leverkusens Sportchef Rudi Völler Milik nach der Verpflichtung nannte, mit dem Wechsel nach Deutschland ins Stocken. Das lag auch daran, dass er mit Stefan Kießling eine wahre Tormaschine vor der Nase hatte. Denn während Kießling in den 17 Partien der Rückrunde 2012/2013 überragende 13 Treffer erzielte, blieb für Milik meist nur die Ersatzbank. Auf sechs Einsätze mit einer mickrigen Gesamtdauer von 55 Minuten kam der Pole in Leverkusen, ein Treffer war ihm dabei nicht vergönnt. Lediglich in der zweiten Mannschaft von Bayer konnte er mit fünf Toren in vier Einsätzen zuweilen glänzen. Für die Deutschen war dies allerdings zu wenig, sie verliehen Milik im Sommer 2013 an den Ligakonkurrenten FC Augsburg. Bei dem erzielte der Stürmer zwar im September 2013 seinen ersten Treffer in der Bundesliga, weil aber nur ein weiterer dazukam, wollten ihn die Leverkusener nach seiner Rückkehr im Sommer 2014 endgültig loswerden.

 


In Amsterdam erfolgt der Durchbruch

Trotz des überschaubaren sportlichen Erfolgs der vorangegangenen Jahre hatte Milik Angebote aus England und Italien vorliegen, zudem hätte ihn der FC Augsburg gerne behalten. Der Pole entschied sich jedoch für Ajax Amsterdam, das ihn jedoch nicht kaufte, sondern mit Kaufoption auslieh. In den Niederlanden platzte schließlich der Knoten: In seinem zweiten Ligaspiel für Ajax erzielte Milik zwei Treffer, wenig später traf er in einer Pokalpartie gegen einen Siebtligisten gleich sechs Mal. Klar, dass Trainer Frank de Boer fortan nicht mehr auf den Stürmer verzichten wollte, der das Vertrauen mit elf Ligatoren und vier Europapokal-Treffern zurückzahlte. Und klar auch, dass Ajax im Sommer 2015 die Kaufoption zog und Milik für 2,8 Millionen Euro fest verpflichtete.

 

Wechsel nach England im Sommer?
Weil der Pole in der laufenden Spielzeit schon 14 Tore in 23 Ligapartien erzielt hat, ist sein Marktwert inzwischen weiter in die Höhe geschnellt. Auch in der polnischen Nationalmannschaft hat er seinen Status binnen kürzester Zeit erhöht – nicht zuletzt deshalb, weil er im EM-Qualifikationsspiel im Oktober 2014 gegen Deutschland mit seinem Treffer zum 1:0 den letztlichen 2:0-Sieg gegen den Weltmeister geebnet hat.

 



 

Längst heißt es, dass Milik im Sommer für einen zweistelligen Millionenbetrag nach England wechseln wird, als Abnehmer ist neben Leicester City auch der FC Arsenal im Gespräch. Sicherlich ist es auch von Vorteil, dass er bei seinen Aufenthalten bei der Nationalmannschaft von Lewandowski lernen kann – vor allem, da die beiden vor und während der EM mehrere Wochen miteinander trainieren. Wenn Milik die Zeit nutzt und sich zudem bei Amsterdam weiter so stark präsentiert, dann kann er auf Dauer vielleicht aus dem übergroß scheinenden Schatten seines polnischen Teamkollegen herauswachsen.