Ben Davies: Der lernfähige Außenverteidiger aus Wales

Dass sich Wales für die EM qualifziert hat, lag vor allem an den vielen Toren von Gareth Bale. Doch auch Ben Davies hat seinen Anteil daran. Ein Portrait von Alexander Kords.

 

Wales hat im internationalen Fußball bislang keine allzu große Rolle gespielt. So war die Weltmeisterschaft 1958 das einzige Turnier, an dem die Nationalmannschaft aus dem westlichen Teil der Insel Großbritannien bislang teilnahm. Im kommenden Sommer ändert sich das allerdings, hat sich Wales doch erstmals für die EM in Frankreich qualifiziert. Dabei befindet sich kein weithin bekannter Spieler im Team – natürlich mit einer Ausnahme: Gareth Bale, der in der Qualifikation gleich sieben der elf Tore seiner Mannschaft erzielt hat. Abgesehen vom Stürmerstar von Real Madrid gibt es nur eine gute Handvoll walisischer Kicker, die in einer der obersten europäischen Ligen spielen. Zu ihnen gehört auch der linke Verteidiger Ben Davies, dem es unter anderem zu verdanken ist, dass Wales in zehn Qualifikationsspielen nur vier Gegentore kassierte.

 

Ein langer Weg zum Profi
Davies wurde 1993 in Neath im Süden von Wales geboren und schloss sich im Alter von sieben Jahren dem Swansea City AFC an. Weil der Vater kurz darauf einen Job in Dänemark angeboten bekam, zog Familie Davies 2001 nach Viborg, wo Ben für die Jugend des örtlichen Clubs Viborg FF spielte. Nach der Rückkehr nach Wales im Jahr 2004 schloss er sich erneut Swansea an. Während die Profimannschaft des Clubs binnen sieben Jahren den Sprung von der vierten in die erste Liga schaffte, durchlief Davies die Nachwuchsmannschaften des Vereins. Als Swansea in der Saison 2011/2012 als erster walisischer Club überhaupt in der englischen Premier League antrat, spielte Davies noch für die Reserve, ein Jahr später, im August 2012, konnte er gegen West Ham United sein Debüt in der obersten Spielklasse geben – auch deshalb, weil es Swansea überraschend gelungen war, trotz des kleinsten Etats aller Mannschaften die Liga zu halten.

 




 

Wales-Debüt im Oktober 2012
Weil sich mit Neil Taylor der Stammspieler auf der linken Verteidigerposition im September 2012 den Knöchel brach, rückte Davies fest in die Mannschaft und absolvierte alle 37 restlichen Ligapartien der Saison. Zudem kam er schon im Oktober 2012 zu seinem ersten Einsatz für die Nationalelf von Wales. Der erste Titel ließ auch nicht lange auf sich warten: Im Februar 2013 gewann Swansea im Wembley-Stadion gegen Bradford City mit 5:0 und holte sich damit den League Cup – der bis heute größte Triumph des Vereins. Auch mit der Rückkehr von Taylor im Sommer 2013 blieb Davies Stammkraft im Defensivverbund seines Clubs und kam zudem in der Europa League, für die sich Swansea dank des Pokalsiegs qualifizieren konnte, zu sechs Partien.

 

Wechsel zu Tottenham
Inzwischen hatte sich der junge Waliser auch in den Fokus von größeren Vereinen gespielt und stand unter anderem unter Beobachtung von Manchester City, dem FC Arsenal und Atlético Madrid. Als Davies im Juli 2014 bei einer USA-Reise nicht mit den anderen Swansea-Spielern zurück nach Europa flog, stand fest, dass er den Verein verlassen und sich Tottenham Hotspur anschließen würde, die sich zur gleichen Zeit in Amerika aufhielten. Im Zuge des Deals tauschten Swansea und Tottenham zwei weitere Spieler, Schätzungen zufolge machte der Wert von Davies dabei etwas mehr als 12,5 Millionen Euro aus.

 


Stammplatz-Duell bei Tottenham aber nicht im Team

Nachdem Davies bei Swansea das clubinterne Duell gegen Neil Tayor deutlich für sich entscheiden konnte, sah er sich auch bei den Spurs einem Zweikampf um seine Stammposition ausgesetzt. Und Danny Rose, der andere Linksverteidiger, zeigte in der Saison 2014/2015 seine bis dato beste Leistung. So kam Davies vorwiegend in der Europa League zum Einsatz, während Rose im Großteil der Ligaspiele auf dem Platz stand. Ähnlich ist es auch in der aktuellen Spielzeit.

 




 

Obwohl Neil Taylor, Davies’ einstiger Teamkollege bei Swansea City, auch Waliser ist, kommt es bei der Nationalmannschaft nicht zur Neuauflage des Konkurrenzkampfes um den Platz auf der rechten Defensivseite. Weil Coach Chris Coleman nämlich auf keinen seiner beiden Außenverteidiger verzichten will, stellt er Taylor bevorzugt im Mittelfeld auf, während Davies ab und an auch in der Innenverteidigung zum Einsatz kommt. Experten attestieren dem Tottenham-Spieler zwar, dass er im Zweikampfverhalten zuweilen noch zu zögerlich agiert, halten ihm aber zugute, dass er auch in dramatischen Momenten einen kühlen Kopf behält und mentale Stärke beweist. Zudem ist er äußerst lernfähig – was mit seinen erst 22 Jahren keine schlechte Eigenschaft ist, um den Sprung in die Weltspitze zu schaffen. Denn dort mangelt es traditionsgemäß an rechten Außenverteidigern mit Format.