Hawk-Eye feiert in der deutschen Bundesliga Premiere

Die Deutsche Bundesliga wird mit dem Start der Saison 2015/16 auch die heiß diskutierte Torlinientechnologie einführen.

 

Die Bundesligisten haben im Dezember 2014 auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes abgestimmt: Zur Saison 2015/16 wird in der Bundesliga die Torlinientechnik eingeführt. Bei der Ausschreibung der DFL Deutsche Fußball Liga hat sich das Unternehmen "Hawk-Eye" durchgesetzt. Aber wie funktioniert Hawk-Eye eigentlich?

 

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Mit dem "Hawk-Eye" wird ab der Saison 2015/16 im Zweifel darüber entschieden, ob ein Ball die Torlinie vollständig überschritten hat (Grafik: DFL)

 

Die Hawk-Eye-Technologie basiert auf sechs Messkameras und einer Hochgeschwindigkeitskamera pro Tor, die am Stadiondach befestigt werden. Befindet sich der Ball in Tornähe, erfassen ihn die Bilder jeder einzelnen Kamera und eine Software errechnet in Echtzeit die exakte Ballposition aus verschiedenen Winkeln, auch, wenn nur ein kleiner Teil des Balls zu sehen ist.

 

Signal für den Schiedsrichter - Replay für die Zuschauer
Sobald der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat, sendet das System innerhalb von einer Sekunde ein akustisches Signal zum Ohrstück des Schiedsrichters, zusätzlich vibriert dessen Armbanduhr und zeigt die Information "Goal" auf dem Display. Dafür werden von der Software die Bilder aller sechs Messkameras eines Tores analysiert. Innerhalb jedes Bildes wird der Ball lokalisiert und es werden Regionen ausgeschlossen, in denen er sich definitiv nicht befindet.

 

Innerhalb weniger Sekunden wird anschließend ein Replay-Film für die Zuschauer im Stadion und an den Fernsehgeräten erstellt. Dieser Film wird von speziellen Hochgeschwindigkeitskameras aufgezeichnet, die direkt auf Höhe der Torauslinie befestigt sind. Für die Wiederholung wird dabei das Bild herausgefiltert, bei dem sich der Ball am weitesten im Tor befindet.

 


Neue Technik im Stadion
Insgesamt werden 14 Kameras neu im Stadion installiert. Dachkonstruktionen, Catwalks oder Flutlichthalterungen dienen als Anbringungsorte. Die Kameras werden mit dem TV-Compound verkabelt, dort steht an Spieltagen ein Van, von wo aus das System von zwei Operatoren betreut wird. An jedem Wochenende sind fünf dieser Vans im Einsatz und decken die Spielorte ab – außer an den letzten beiden Spieltagen, wenn neun Fahrzeuge die parallel stattfindenden Spiele besetzen. Das Hawk-Eye-System soll jeden Verein rund 135.000 Euro pro Saison kosten, das entspricht 8000 Euro pro Heimspiel.

 

Die beiden Operatoren können jederzeit vom 4. Offiziellen kontaktiert werden. Sie sind vor allem für Ausnahmesituationen wichtig. Wenn beispielsweise ein zweiter Ball auf dem Spielfeld auftaucht, müssen sie dem System vermitteln, welches der Spielball ist.

 

Weltmarktführer der Ballverfolgungstechnik
Hawk-Eye ist als Weltmarktführer im Bereich Ballverfolgungstechnik mit Sitz in Großbritannien schon seit vielen Jahren etabliert und wurde 2011 von Sony übernommen. Bekannt ist das System in erster Linie von Tennis-Grand-Slams, wurde aber auch schon bei Olympischen Spielen und beim Cricket eingesetzt.

 

Auch im Fußball hat die Technologie den Härtetest bereits erfolgreich bestanden. Seit der Saison 2013/14 wird sie in der englischen Premier League für strittige Torentscheidungen verwendet. Hawk-Eye ist weltweit und sportarten-übergreifend bereits in 230 Stadien zum Einsatz gekommen. In Deutschland feierte die Torlinientechnik beim DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg Premiere. 

 

England als Vorreiter

In England kommt die Torlinientechnologie bereits seit der vergangenen Saison zum Einsatz. In Österreich denkt man übrigens noch nicht daran. Zu groß wäre der finanzielle Aufwand für die meisten Klubs, meinte Liga-Präsident Hans Rinner im Dezember 2014. Auch in der spanischen Primera División gibt es keine konkreten Pläne für die Einführung einer Torlinientechnik. In der Serie A gibt es keine technischen Hilfsmittel, stattdessen sind zwei zusätzliche Torrichter im Einsatz. Die niederländische Ehrendivision testet eine andere Art des Videosbeweises: Dabei sitzen mehrere Personen in einem Übertragungswagen vor dem Stadion und schauen sich alle Kamerabilder an. Bei strittigen Entscheidungen wie Abseits oder Handspiel oder bei versteckten Fouls könnte er künftig den Schiedsrichter informieren, bislang darf er das aber noch nicht.