2013

Leser on tour: Derby in Prag - This is Sparta, go for it!

Es war nicht wie vor einem Jahr die Verabschiedung einer der Unseren aus dem Junggesellenleben, welche uns veranlasste ein Wochenende mit Freunden, Alkohol und Fußball zu verbringen. Die Möglichkeit war uns Triebfeder genug drei Autos mit zwölf jungen Män

 

Derby 1

 

Wenn die Feste nicht fallen, feiert man sie zum Trotz. Da der Hauptakt des Festes, also der Anpfiff des Spiels erst für Samstag 19:15 angesetzt war, galt es die Zeit bis dahin bestmöglich zu überbrücken. Das Prager Nachtleben bot uns dazu Gelegenheit. Dunkle Erinnerungen an den Cousin von Tomáš Jun, eine Dame, die einen unserer Führerscheine zeriss und einen Taxifahrer, der auf halber Fahrt sein Navigationsgerät aus dem Fenster warf, dienen uns als Indizien für einen verrückten aber unterhaltsamen Abend.

 

Derby 2

 

Den Bierpreisen von 1,40€ Tribut zollend machten wir uns dann am frühen Samstag Abend mit langsamen Schritten auf den Weg in die Generali Arena, der Heimstätte von Sparta Prag. Mit seiner geschlossenen Bauweise und den 20.854 Sitzplätzen macht die Prager Variante optisch allerdings deutlich mehr her als ihr Namensvetter vom Verteilerkreis. Knapp 20.000 Besucher sorgten für eine würdige Derbystimmung. Hierbei wussten vor allem die Slavia-Fans zu überzeugen. Sie hielten sich nicht nur fast ohne Ausnahme und wortwörtlich an den „Dresscode" und färbten den Auswärtssektor somit in ihren Vereinsfarben, sie waren den Heimfans auch akustisch etwas überlegen. Diese konnten allerdings mit sehr schönen Choreographien begeistern. Stimmungsmäßig braucht sich ein Wiener Derby hier allerdings nicht zu verstecken, die Abwesenheit des bei beiden Wiener Fanlagern derzeit sehr beliebten Stimmungsboykotts vorausgesetzt.

 


Derby 3

 

Die Ausgangslage für das emotionsreiche Duell der beiden ältesten Vereine Prags gestaltete sich wie folgt: Während Slavia, 1892 von Studenten gegründet und fortan Klub der Bürgerlichen und Intellektuellen, im Niemandsland der Tabelle weder mit dem Abstieg noch mit den internationalen Startplätzen etwas zu tun haben sollte, ist die Situation für den ein Jahr später aus der Taufe gehobenen Arbeiterklub Sparta eine weitaus interessantere. Nur durch die schlechtere Tordifferenz auf dem zweiten Platz liegend, konnte man gegenüber dem erst Sonntag antretenden Tabellenführer Viktoria Pilsen vorlegen.

 

Derby 4

 

Sparta übernahm von Beginn an das Kommando, konnte die Überlegenheit noch vor dem Halbzeitpfiff in Zählbares ummünzen und ging mit einem 2:0 in die Pause. Der wohl einzige auch hierzulande bekannte Akteur auf dem Rasen war Ex-Austrianer David Lafata auf Seiten von Sparta Prag. Bei den Veilchen konnte der Stürmer mit nur 7 Treffern in 46 Spielen nicht überzeugen. In der jungen Ära Daxbacher drückte der Tscheche meist nur noch die Bank. Und als im Sommer 2008 mit einem gewissen Mamadou Diabang ein weiterer Konkurrent im Sturm verpflichtet wurde, sah sich Lafata mangels Perspektiven gezwungen seine Zelte in Wien nach eineinhalb Jahren abzubrechen und zum FK Jablonec zurückzukehren. Dort erlebte der mittlerweile 31-Jährige aber seinen zweiten Frühling. Nachdem er sowohl in der Saison 10/11 mit 19 Toren als auch in der Spielzeit 11/12 mit 25 Treffern Torschützenkönig wurde, bei der Euro 2012 einen Einsatz feiern durfte und in der Hinrunde der aktuellen Meisterschaft bei 13 Treffern hielt, wechselte er in der Winterpause zu Sparta Prag. Als die Admira letzten August in der Qualifikation zur Europa League nach einer 0:2 Heimniederlage und einem 2:2 in Prag gegen Sparta den Kürzeren zog, stand Lafata also noch nicht in Diensten des tschechischen Rekordmeisters.

 


Derby 5

An diesem Samstagabend blieb dem Goalgetter ein Torerfolg allerdings verwehrt. Nachdem Slavia Prag, im ersten Durchgang kaum zu zwingenden Torchancen gekommen, mit etwas mehr Elan aus der Kabine kam, konnten die Gäste in der 50. Minute den Anschlusstreffer verbuchen. In der Folge entwickelte sich ein unterhaltsames Spiel mit vielen Torszenen auf beiden Seiten in dem Slavia mit etwas Glück sogar der Ausgleich gelingen hätte können, ehe Sparta sechs Minuten vor dem Ende mit dem 3:1 durch Ladislav Krejčí den Sack zumachte. Diesen Namen wird man sich vielleicht merken müssen, gilt der 20-Jährige Mittelfeldspieler, dessen Marktwert bereits auf 6 Millionen Euro taxiert wird, doch als eines der größten Versprechen für die tschechische Fußballzukunft.

 

Derby 6

 

Das schöne Stadion, die tolle Atmosphäre und ein attraktives Spiel waren die Ingredienzien für ein wahrlich gelungenes Fußballerlebnis. Bei einem Ticketpreis von umgerechnet 9€ können wir für diesen Ausflug dreieinhalb Autostunden von Wien eine uneingeschränkte Empfehlung abgeben. This is Sparta, go for it!

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