2012

On tour: Auf der Farrar Road gehen die Lichter aus

Zum Start unserer neuen Serie "90minuten.at-LeserInnen on tour" präsentieren wir euch einen Bericht aus Wales, wo Bangor City das letzte Flutlichtspiel an der heimischen Farrar Road antrat. Wir wünschen viel Spaß mit dem Bericht und den Bildern von Christ

Zum Start unserer neuen Serie "90minuten.at-LeserInnen on tour" präsentieren wir euch einen Bericht aus Wales, wo Bangor City das letzte Flutlichtspiel an der heimischen Farrar Road antrat. Wir wünschen viel Spaß mit dem Bericht und den Bildern von Christian Baczynski!

Am 8. Dezember ging es am Abend mit einem Kumpel per Flugzeug nach London, von dort am 9. vormittags mit dem Mietwagen nach Cardiff um 3 weitere Freunde abzuholen. Die Fahrt vom Süden bis an die Nordküste entpuppte sich als äußerst anspruchsvoll (keine Autobahn, "2-spurige", exterm kurvige Straßen, die gerade einmal ein paar Meter breit sind und links und rechts mit Steinmauern begrenzt werden), allerdings landschaftlich traumhaft (wunderschöne Berg- und Hügellandschaften, ca. eine Million Schafe und putzige Dörfer prägten den Weg).


Nach einer 6-stündigen Fahrt im Hotel angekommen, eingecheckt und nach einem (wohlverdienten) Bier mit dem Taxi ins Stadion, da ich keine Lust mehr auf Autofahren an diesem Tag hatte. Am Ground angekommen erfuhren wir dass dies das letzte Flutlichtspiel aller Zeiten werden sollte und das vorletzte überhaupt. Für uns natürlich ein Glück, da wir davon nichts wussten, Schade allerdings für das Stadion, da dieses eine fast 100-jährige Geschichte aufweisen kann. Zu erwähnen ist hier auf jeden Fall "Spirit of 62", als Bangor City im Europacup vor 12.000 Zuschauern gegen Napoli spielte und sogar 2:0 gewann. Kaum vorstellbar dass sich in diesem Stadion tatsächlich so viele Leute tummelten.


Farrar Road selber ist wie schon erwähnt ein alter Ground, dem man seine vielen Jahre ansieht. Für Moderne-Architektur-Fetischisten ist klar dass dort bald ein Einkaufszentrum stehen soll, für Groundhopper absolut unverständlich und fußball-kulturtechnisch eine Tragödie. Ich erinnere mich noch mit Schrecken als das Highburgy einer Wohnhausanlage weichen musste, so ähnlich geht es den Fans hier, die seit 40, 50 Jahren Spiele besuchen. Neben einer Haupttribüne mit blauen Plastiksitzen gibt es noch eine überdachte Hintertortribüne und 2 unüberdachte Steintribünen mit 5-6 Reihen. Aktuell wird das Fassungsvermögen auf 5.000 Zuschauer angegeben, vor Ort waren diesmal 650, was für die walisische Liga schon ganz ordentlich ist.


Tribünenwechsel zur Halbzeit
Das Spiel selber war vom Niveau irgendwo im österreichischen Regionalliga-Bereich anzusiedeln, also nicht wirklich anspruchsvoll, allerdings doch ganz spannend (Bangor gewann nach 0:1 Rückstand noch 2:1). Ganze 6 Auswärtsfans aus Bala waren anwesend (inklusive Fahne), diese mussten jedoch zur Halbzeit aus ihrem "Auswärtssektor" hinter dem Tor weichen, da die Bangor Fans zur Halbzeit immer die Seite wechseln (kenne ich eigentlich nur vom FavAC).


Während des Spiels trafen wir einige Bangor Fans (und auch einen Hopper aus Frankfurt), mit denen wir uns ausgiebig unterhielten. Die meisten fragten uns was wir denn bei so einem Spiel machen und ob wir denn verrückt sind, der Fanbeauftragte von Bangor bat mich sogar zu einem Radiointerview weil er so begeistert von uns war. Ein anderer Fan erzählte uns dass er hinter der Haupttribüne gezeugt wurde und darauf exterm stolz ist, und einer (angeblich ein ehemaliger Rugby-Nationalspieler) fährt zu jedem Heimspiel mit dem Zug aus London nach Bangor und dann wieder retour. Im Fanshop (der nur in der Halbzeit offen hat) hängt außerdem ein Aston Villa vs Rapid Schal. Der Fanshop-Verkäufer ist nämlich Rapid-Fan! Hat mich persönlich sehr gefreut... :-)


Abschiedsbier mit Spielern und Fans
Nach dem Spiel wurden wir dann noch in ein nahegelegenes Pub eingeladen wo wir einige Fans (und auch Spieler) wiedertrafen und den Abend bei ein paar Bier ausklingen ließen. Wieder waren wir herzlich willkommen und wurden auch ins neue Stadion eingeladen, sofern wir wieder einmal nach Wales fahren sollten. Also ich definitiv!


Alles in Allem ein großartiges Hoppererlebnis, welches definitiv unter meinen Top 10 gelandet ist. Wales ist einfach ein wunderschönes Land, die Menschen sind super-freundlich, und ja, sie können auch Fußball spielen - Am Samstag waren wir dann nämlich in Swansea beim Premier League Match gegen Fulham - im Auswärtssektor. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Christian Baczynski ist 29 Jahre alt, verheiratet, Rapid Fan, international Barcelona und Arsenal, neben Fußball auch noch Eishockey (Capitals und NY Rangers) und American Football (Buffalo Bills und Denver Broncos) Fan.

 

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Copyright (alle Bilder Christian Baczynski, Gruppenbild Pub Nikolaus Mersits)

 

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