Es darf bezweifelt werden, dass es Stephan Helm jemals gelingen wird, die Fans des FK Austria Wien geschlossen hinter sich zu bringen.
Das ist aber auch gar nicht sein Animo. Der Burgenländer ist über populistische Ambitionen und egoistische Motivationen erhaben. Und wahrscheinlich sind es genau diese Charakterzüge, die ihm letztlich einen neuen Zweijahres-Vertrag auf der Trainerbank der Veilchen eingebracht haben.
Josef Hickersberger hat bei der Kaderbekanntgabe für die Heim-EM 2008 ein geflügeltes Wort geschaffen. Leicht abgewandelt trifft es auf die Zukunftsentscheidung in der violetten Trainerfrage zu. Helm mag nicht der beste, aber der richtige sein.
Egos spielen keine Rolle
Wenn der Coach nach seinem Trainerstab gefragt wird, holt er zu einem minutenlangen Monolog aus, ist bedacht darauf, die Stärken jedes einzelnen seiner Mitarbeiter im Detail zu beschreiben und ja keinen zu vergessen.
Ob die Mikros nun an oder aus sind, niemand verliert bei der Austria ein schlechtes Wort über den Mensch Stephan Helm.
Helm ist ein Teamplayer. Ihm ist bewusst, dass es nur mit Kollegen funktioniert, die gemeinsam wachsen. Egos werden hintangestellt, spielen de facto keine Rolle.
So mancher Trainer mag all diese Erkenntnisse gebetsmühlenartig wiederholen, Helm lebt sie. Und genau diese Authentizität hat dafür gesorgt, dass er sich in zwei Jahren als FAK-Cheftrainer lange nicht abgenutzt hat.
Ob die Mikros nun an oder aus sind, niemand verliert bei der Austria ein schlechtes Wort über den Mensch Stephan Helm – ob Backoffice, Spieler oder Entscheidungsträger.
Dass er auch fachlich Überzeugungsarbeit leisten kann, belegt nicht zuletzt der Umstand, dass von Jürgen Werner über Manuel Ortlechner bis hin zu Michael Wagner, Robert Urbanek und Manuel Takacs sowie aktuell Tomas Zorn keiner den Trainer Stephan Helm je ernsthaft infrage gestellt hat.
"Nur" in der Öffentlichkeit angezählt
Und das, obwohl er in der Öffentlichkeit nicht erst einmal als angezählt galt. Von Fehlstarts in beide Saisonen über diverse kleinere Tiefs während der Spielzeiten – lässt die Austria mal aus, wird in Foren, auf Social Media und auf den Tribünen rasch über Helms Eignung für diesen Job diskutiert.
Er und die Mannschaft – Letzteres ist bezeichnend für sein Standing innerhalb des Teams – haben sich bisher jedes Mal selbst auf dem Sumpf gezogen.
In einem Verein, in dem so mancher Mensch in der Führungsriege vor Allmachtsfantasien nicht gefeit ist, ist es eine Wohltat, einen Trainer in der Kabine zu wissen, den derlei Dinge wenig bis gar nicht jucken.
Angesichts der budgetären Situation der Austria im Vergleich zu jenen Vereinen, mit der sie tabellarisch konkurriert, ist in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt, ob der vermeintliche Sumpf nicht tatsächlich der Boden der Realität ist.
Helm bleibt auch in dieser Frage stets nüchtern und sachlich. Das mag keine großen Schlagzeilen produzieren, ist im Tagesgeschäft aber wesentlich effektiver.
Keine Ablenkungen
Und das Tagesgeschäft am Verteilerkreis ist bekanntlich eine nie enden wollende Achterbahnfahrt. In einem Verein, in dem so mancher Mensch in der Führungsriege vor Allmachtsfantasien nicht gefeit ist, ist es eine Wohltat, einen Trainer in der Kabine zu wissen, den derlei Dinge wenig bis gar nicht jucken.
Helm ist keiner, der unrealistische Forderungen stellt, wenn es um die Kaderzusammenstellung geht. Er ist keiner, der sich in die großen und kleinen Schlachten innerhalb des Klubs reinziehen lässt.
Diese Herangehensweise überträgt sich auf die Mannschaft, der es erstaunlicherweise in den vergangenen zwei Jahren gelungen ist, sich nicht von Grabenkämpfen rund um sich herum ablenken zu lassen.
Nicht fehlerfrei, aber...
Dass die eine oder andere sportliche Entscheidung Helms nicht immer ganz richtig gewesen sein mag, darüber wird wohl niemand ernsthaft diskutieren wollen. Dass die Violetten unter Helms Ägide in Summe aber öfter über- als unterperformen, ist offenkundig.
Auch über den Zuspruch, den das Team selbst seit Sommer 2024 erfährt, lässt sich nicht streiten. Dass das nicht zuletzt auch der Verdienst Helms und seines Trainerteams ist, wird gerne vergessen.
Ob das den Trainer wirklich stört? Wohl nicht.
Harald Prantl