Vier Debütanten, zwei Rückkehrer, zwei Verletzte ohne Aussicht auf Einsätze – es ist lange her, dass ein ÖFB-Kader von Ralf Rangnick dermaßen viel Diskussionspotenzial hatte.
Der Teamchef nutzt im ersten und einzigen Lehrgang des Jahres vor der Weltmeisterschaft 2026 eine rare Chance. Die Chance für Experimente.
Wann, wenn nicht jetzt!?
Im von UEFA und FIFA vollgestopften Spielplan, der Freundschaftsspiele bis auf ganz wenige Ausnahmen verunmöglicht und praktisch jede Partie zu einem Do-or-Die-Spiel verkommen hat lassen, ist dieser Lehrgang etwas Spezielles.
Es geht einzig und allein darum, sich auf die WM vorzubereiten. Und gilt es, alle Eventualitäten durchzudenken und abzudecken.
Affengruber in der Hackordnung Nr. 9
Aus diesem Grund sind David Affengruber und Florian Wiegele erstmals mit von der Partie. Beide werden auf absehbare Zeit kein Thema für die Startelf sein. Beide haben trotz ihrer erstmaligen Nominierung tatsächlich nicht einmal eine große WM-Chance.
Affengruber ist hinter Alaba, Danso, Friedl, Lienhart, Wöber, Querfeld, Svoboda und Baidoo in der Innenverteidiger-Hackordnung de facto Nummer 9.
Die Suche nach dem Dreier-Goalie
Und Wiegele ist nach Lawal, Polster, Hedl, Kristof und Schmid der sechste potenzielle Dreier-Goalie.
In beiden Fällen aber gilt: der Teufel schläft nicht, da gilt es ebenfalls hellwach zu sein und bereit, sollte unvorhersehbares Verletzungspech eintreten.
Gleichzeitig ist es eine Chance, die Zukunft vorzubereiten. Denn die Möglichkeit für Experimente wird es auch in den kommenden Jahren nur sehr, sehr selten geben. Was man über potenzielle neue ÖFB-Teamspieler in Erfahrung bringen kann, muss man mitnehmen, wenn sich die Chance ergibt.
Positionen für Wanner und Chukwuemeka gesucht
Anders verhält es sich mit den beiden "Neuzugängen" Paul Wanner und Carney Chukwuemeka. Auch für sie sind WM-Kaderplätze keine Selbstverständlichkeit, ihre Chancen sind aber wesentlich höher.
Sie müssen in den Kader, in die Gruppe integriert werden – was für Wanner etwas weniger gilt, war er doch schon mal bei einem Lehrgang dabei. Zudem wird Rangnick die beiden Tests nutzen, um ihre idealen Positionen in der ÖFB-Grundordnung zu erforschen.
Daran, dass Wanner auf ÖFB-Niveau als Sechser spielen kann, hat der Teamchef bei der Kader-PK ja schon leise Zweifel geäußert. Er sähe beide eher auf den drei Zehner-Positionen, die es im ÖFB-System gibt.
Täglich Brot Konkurrenzkampf
Der Konkurrenzkampf im Kader wird durch diese Veränderungen – dazu zählt auch die Rückkehr von Sasa Kalajdzic und Michael Svoboda – definitiv angeheizt.
War die ÖFB-Startelf zuletzt nicht allzu schwer zu erraten, wird sich das künftig ändern. Diese Situation ist für alle Kicker bei ihren Klubs täglich Brot, sie werden damit umgehen können.
Harald Prantl