Prölls Suche: Gute Herangehensweise, suboptimaler Zeitpunkt
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Prölls Suche: Gute Herangehensweise, suboptimaler Zeitpunkt

Der ÖFB sucht einen neuen Sportdirektor. Warum das keine einfache Aufgabe ist, die Wahrscheinlichkeit, dass sie gelingt, aber gestiegen ist.

Die Rechnung ist einfach: Wenn innerhalb eines Verbands wie dem ÖFB – der unverdächtig ist, in trauter Eintracht zu agieren – und auch in dessen erweiterten Umfeld niemand eine Entscheidung kritisiert, kann sie nicht falsch gewesen sein.

Die Ablöse von Sportdirektor Peter Schöttel hat niemanden überrascht, der Zeitpunkt ist nichtsdestoweniger alles andere als ideal.

Zunächst gilt es aber festzuhalten, dass über den Menschen Schöttel niemand ein böses Wort verliert.

Was Schöttel konnte, und was nicht

"In den Gesprächen ist er menschlich in einer einzigartigen Weise positiv bewertet worden, wie ich das selten erlebt habe", stellt Josef Pröll, Aufsichtsratsvorsitzender des ÖFB, klar.

Dass der Fußabdruck, den der Wiener nach neun Jahren im Amt hinterlässt, größer sein könnte, steht aber auch außer Zweifel. Die Direktion Sport ist unter seiner Ägide gewachsen, viele Entwicklungen wurden vorangetrieben, fast alle aber, weil Schöttel den Abteilungen weitestgehend freie Hand ließ und ihnen Vertrauen schenkte, nicht weil er sie selbst anstieß.

Schöttel bei seinem Amtsantritt mit dem damaligen ÖFB-Boss Leo Windtner
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Schöttel bei seinem Amtsantritt mit dem damaligen ÖFB-Boss Leo Windtner

Pröll macht einen Spagat zwischen dem, was ihm unter Schöttel gefehlt hat, und dem, was er künftig gerne hätte, wenn er sagt: "Es geht um eine proaktive, sehr engagierte, visionäre und auch umsetzungsstarke Steuerung für die Zukunft. Diese Parameter sind mir wichtig."

Der Prozess

Im vierten Quartal des Jahres 2026 soll der neue Mann, oder die neue Frau, gefunden werden.

Der Prozess: Die beiden ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Thomas Hollerer definieren ein Anforderungsprofil.

Dass sich das Duo eigentlich lieber aus dem Weg geht, ist bestens dokumentiert. Nun ist Zusammenarbeit aber unumgänglich. "Ich verlange von Führungspersonal die Fähigkeit, sich bei entsprechender Notwendigkeit auf ein Anforderungsprofil einigen zu können, und gehe davon aus, dass das gelingt", sagt Pröll trocken.

Wir wollen die Kandidaten anhand von Konzepten screenen.

Josef Pröll

Dem Präsidium werde dieses Anforderungsprofil dann vorgelegt, die Geschäftsführer führen gemeinsam mit Pröll und dessen Stellvertretern (Johannes Wutzlhofer, Philip Thonhauser) die Gespräche.

"Wir wollen die Kandidaten anhand von Konzepten screenen", sagt Pröll.

Es ging auch schon anders...

Dass ein derartiges Vorgehen überhaupt erst groß erklärt und betont werden muss, ist bezeichnend für das Bild, das der ÖFB in der Vergangenheit bei derlei Entscheidungen abgegeben hat.

"Der ÖFB hat gemeinsam mit der Bundesliga und den Landesverbänden einen umfassenden Strategieprozess eingeleitet, der sich mit der langfristigen Ausrichtung des ÖFB und des österreichischen Fußballs beschäftigt – von der Nachwuchsarbeit über den Breitenfußball bis hin zu Themen wie Digitalisierung, Infrastruktur und gesellschaftlicher Verantwortung. Ziel ist es, den österreichischen Fußball als Ganzes in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft zukunftsfähig aufzustellen."

ÖFB im Sommer 2025
Schöttel-Vorgänger Willi Ruttensteiner
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Schöttel-Vorgänger Willi Ruttensteiner

Man erinnere sich nur daran, dass der Wechsel von Willi Ruttensteiner zu Schöttel einst gerade einmal zwei Zusammenkünfte des Präsidiums bedurft hatte, Schöttel das Hearing während eines Lehrgangs der U19, die er damals coachte, ohne vorhandenes Konzept schupfte.

Dass im ersten Jahr unter Prölls Ägide eine ordentliche Professionalisierung eingeleitet wurde, ist nicht zu übersehen.

Das Timeline-Problem

Manchmal aber passt die Timeline nicht so ganz.

Denn der ÖFB steckt mitten in einem Strategieprozess, den er Ende des Jahres abgeschlossen haben will.

Ab 2027 soll diese fünf Jahre geltende Gesamtstrategie verfolgt werden. Der Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten. Dass sich der scheidende Sportdirektor dabei nicht über alle Maßen unentbehrlich gemacht hat, ist offenkundig.

Sein Nachfolger soll nun in einer Phase bestellt werden, in der sich dieser Prozess im Abschluss befindet.

Was kann der/die Neue noch beitragen?

"Wenn es gelingt, dass die Bestellung noch im vierten Quartal ist, wird er in der ganz entscheidenden Phase der Strategie auch noch seine Meinung ziehen können", sagt Pröll.

Doch wie sehr kann ein neuer Mann (oder eine neue Frau) in einem derart komplexen Prozess, der Experten auf diversen Gebieten schon sehr viele Stunden Arbeit gekostet hat, wirklich noch Entscheidendes beitragen?

Oder wird er – sollte die Bestellung doch ein wenig länger dauern – gar vor vollendete Tatsachen gestellt?

Sebastian Prödl wird als einer der Kandidaten gehandelt
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Sebastian Prödl wird als einer der Kandidaten gehandelt

Was die sportliche Ausbildung angeht, will Pröll das Anforderungsprofil gerne eher offen gestalten.

Was ihm wirklich wichtig ist: "Persönlichkeitsstruktur, Klarheit, Fußball-Österreich-Wissen, Gestaltungswille, die Fähigkeit Menschen zusammenzubringen, um Strategien umzusetzen. Alles, was Stärke im Managementbereich ist."

Was es wirklich braucht

Es reicht nicht, irgendwann mal sehr viele Länderspiele bestritten zu haben. Es reicht nicht, ein UEFA-Pro-Diplom als Trainer zu haben. Wer der Abteilung Sport im ÖFB vorsteht, hat rund 50 Mitarbeiter. Das ist keine Kleinigkeit.

Und es braucht viel Fingerspitzengefühl, um den Experten auf ihren Gebieten einerseits das Vertrauen entgegenzubringen, dass sie Entscheidungen selbstständig treffen, andererseits aber das große Ganze im Blick zu behalten und die Experten in ihren Entscheidungen immer wieder zu challengen.

Pröll will heuer noch Klarheit
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Pröll will heuer noch Klarheit

Gewiss ist nämlich, dass es zwar lohnenswert ist, eine Strategie für fünf Jahre zu fixieren, in einer immer schnelllebigeren, dynamischeren Fußball-Welt regelmäßige Adaptionen dieser Strategie unumgänglich sein werden, will man stets am Puls der Zeit agieren, oder vielleicht sogar in gewissen Bereichen mal ein bisschen weiter sein als die Konkurrenz.

Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen

"Ins Klare kommen, was der Sportdirektor der Zukunft für ein Profil erfüllen muss. Ich halte nichts mehr davon, von Netzwerken und anderen Dingen Zurufe zu bekommen, wer den aller sich etwas verdient hätte, oder nicht. Wir brauchen in dieser Position ein Profil und dazu die beste Person", sagt Pröll.

Es solle jemand sein, der den österreichischen Fußball kenne, müsse aber deswegen nicht zwingend ein Österreicher sein.

Den Richtigen oder die Richtige für diesen Job zu finden, ist keine einfache Übung. Wer den Weg dorthin professionell aufsetzt, erhöht die Wahrscheinlichkeit aber. Und das ist schon mal eine gute Nachricht.

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