FAK: Des absurden Kasperltheaters nächster Akt
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FAK: Des absurden Kasperltheaters nächster Akt

Mehrere Alphamännchen gerieren sich bei der Wiener Austria als Häuptlinge und hinterlassen beschämte, wütende und resignierte Mitarbeiter.

Tomas Zorn ist der neue Sportvorstand des FK Austria Wien.

Ein kurzer, simpler Satz. Tatsächlich aber der nächste Akt eines absurden Kasperltheaters, das die Austria seit Monaten in seinem Bann hält, sie lähmt und ihrer Außendarstellung massiv schadet.

Die Eskalationsspirale, in die der Verein und sein Umfeld zuletzt gerieten, sucht ihresgleichen.

Um völlig Unbeteiligten zu erklären, wie Österreichs Rekordtitelträger dorthin kommen konnte, wo er heute steht, braucht es gefühlt längst mehrere Flipchart-Bögen und sehr, sehr viel Zeit.

Die Alphamännchen und ihre Schildträger

Mehrere Alphamännchen gerieren sich als Häuptlinge und übersehen dabei – oder nehmen es geflissentlich in Kauf –, dass sich ihre Schildträger in einer Mischung aus Scham, Wut und Resignation zunehmend emotional von ihren Aufgaben abkapseln.

Werner und Zagiczek sind sich längst nicht mehr grün
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Werner und Zagiczek sind sich längst nicht mehr grün

Während die Führungsebene der Violetten öffentlich in einem unwürdigen Szenario mit Zähnen und Klauen um Macht, Posten und Deutungshoheiten ringt, schütteln all jene, die tagtäglich nach bestem Wissen und Gewissen ihre Arbeit für den Klub machen, nur noch enttäuscht die Köpfe.

Die Karotten vor den violetten Nasen

Geändert hat sich am Papier seit Ende August, als Jürgen Werner seinen Sportvorstandsposten freiwillig räumte, de facto wenig.

Dem Verein, der seit über einem Jahr versucht, die Anteile von Werners Investorengruppe "WTF" zurückzukaufen, werden von der "WTF"-Gruppe Absichtserklärungen wie Karotten vor die Nase gehalten.

Tomas Zorn dürfte erst in den vergangenen Tagen gedämmert sein, dass er im Begriff ist, sich in eine Schlangengrube zu stürzen.

Ob diese Verkaufsabsicht tatsächlich besteht, wird erst evident, wenn es dem Verein gelingt, die nötigen Millionen aufzustellen. Die Zuversicht ist seit geraumer Zeit groß, die Umsetzung lässt aber weiterhin auf sich warten.

Nach vorne denken, in den Rückspiegel blicken

Während "WTF" für "we think forward" steht, erweckt Werner seit Monaten den Eindruck, mit ständigem Blick in den Rückspiegel vor allem auf Revanche zu sinnen.

Sein Ziel: Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek. Dass dieser ohne Absprache in der Sportdirektion Manuel Ortlechner durch Michael Wagner ersetzt hat, hat ihm Werner nicht verziehen.

Zorns Vertrauensdefizit

Um wieder Einfluss zu gewinnen, wurde nun Zorn als neuer Sportvorstand installiert.

Dem Deutsch-Russen dürfte erst in den vergangenen Tagen gedämmert sein, dass er im Begriff ist, sich in eine Schlangengrube zu stürzen. Er wird – auch ob der Einmischung in den Ndukwe-Transfer, aber vor allem weil er als "Werner-Mann" gesehen wird – mit einem großen Vertrauensdefizit empfangen.

Die Zeit zwischen Werners Abgang und Zorns Bestellung hat die Austria für eine Neuausrichtung ihrer Strategie genutzt.

Der neue Weg ist klar erkennbar

Die violette Sportdirektion (Takacs, Wagner, Urbanek)
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Die violette Sportdirektion (Takacs, Wagner, Urbanek)

Die Sportdirektion – bestehend aus Wagner, Robert Urbanek und Manuel Takacs – hat etliche Talente mit neuen Verträgen ausgestattet, einige vielversprechende junge Österreicher neu in den Klub geholt und mit dem Verkauf von Ifeanyi Ndukwe an Liverpool seinen mehr als respektablen Deal eingefädelt.

Angesichts der Hürden, die ihnen mutwillig in den Weg gestellt wurden, ist es fast schon ein Wunder, wie klar der in so kurzer Zeit beschrittene Weg erkennbar ist.

Was ist Zorns Plan?

Ob Tomas Zorn gewillt ist, die Strategie weg von der latenten Hoffnung auf Europacup-Millionen hin zur wesentlich wahrscheinlicheren finanziellen Konsolidierung durch Transfer-Einnahmen fortzusetzen, darf mit Spannung beobachtet werden.

Ob die aktuelle Sportdirektion und er imstande und gewillt sind, konstruktiv zusammenzuarbeiten, ebenso.

Viel Porzellan zerschlagen

All das Porzellan, das zuletzt zerschlagen wurde, wieder zu kitten, wird eine Herkulesaufgabe.

Medial lancierte Tiefschläge, anonyme Abhandlungen mit Vertragsdetails zu Transfers und intransparente Kommunikation – all das immer unter dem Mantra "nur das Beste für den Verein" zu wollen – haben innerhalb der Mannschaft, bei Spielerberatern und Mitarbeitern für Verunsicherung und Irritationen gesorgt.

Keinen Illusionen hingeben

Wer sich der Illusion hingibt, nach der Klärung der Sportvorstands-Frage würden die Alphamännchen das Kriegsbeil begraben und sich bei einer Friedenspfeife (wieder?) gemeinsam dem Wohl des Klubs widmen, hat die Austria nicht verstanden.

Zu verfahren ist die Situation, zu explosiv weiterhin die Gemengelage. So lange die Frage um die "WTF"-Anteile nicht letztgültig geklärt ist – entweder dem Verein gelingt Rückkauf oder er ergibt sich und lässt Jürgen Werner nach Belieben schalten und walten – wird das hochnotpeinliche Kasperltheater weitere imageschädigende Akte schreiben.

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