Was will man machen. Wir haben halt gegen die beiden WM-Finalisten Argentinien und Spanien verloren, sonst eh kein Spiel.
Sollte diese Erzählung der WM 2026 in die österreichische Fußball-Geschichte eingehen, wäre es die typisch österreichische Reaktion auf dieses Turnier. Und gleichzeitig die völlig falsche.
Die falsche Abzweigung
Es ist an der Zeit, die kommunikative Kurve zu kriegen. Denn das ÖFB-Team droht diesbezüglich die falsche Abzweigung zu nehmen.
Der Versuch, den österreichischen Auftritt in den USA angesichts der darauffolgenden sportlichen Ereignisse besser darzustellen, als er tatsächlich war – er war maximal Durchschnitt –, wäre der völlig falsche Ansatz.
Vor vier Jahren faltete der damalige Neo-Teamchef Ralf Rangnick nach einem 1:1 gegen Frankreich ORF-Moderator Rainer Pariasek noch nach allen Regeln der Kunst zusammen, als sich dieser anschickte, nach dem Remis Zufriedenheit zu signalisieren.
Zeit für Eingeständnisse
Inzwischen gewinnt man den Eindruck, die Selbstwahrnehmung, Mannschaften dieses Kalibers über weite Strecken zumindest gefordert zu haben, sei schon okay.
Es wäre aber an der Zeit, sich einzugestehen, dass sich Spanien gegen einige andere Mannschaften bei diesem Turnier schon sehr viel mehr Mühe geben musste als gegen Österreich.
Und dass Argentinien seine Qualitäten als extrem leidenschaftliche Comeback-Kids gegen Österreich nicht ausspielen musste.
Österreichische Klassiker
Rangnick hat in seiner bisherigen Amtszeit über weite Strecken für ein neues Selbstbewusstsein dieses Teams gesorgt.
Die österreichische Gemütlichkeit, die Klassiker "wird schon passen", "passt schon" und "hat schon gepasst", der Impuls, dass sich teuer zu verkaufen schon als Erfolg gewertet werden könne – all das war nicht mehr en vogue. Dachte man.
Stagnation als Ziel?
Doch die Ansprüche stagnieren, wenn sie nicht sogar heruntergeschraubt wurden. Das Ziel ist nicht mehr, bei Turnieren besser als zuletzt abzuschneiden, sondern (weiterhin) regelmäßig dabei zu sein.
Auch der Eindruck, dass es auf der Stürmerposition in absehbarer Zukunft keine Herausforderer für Michael Gregoritsch und Sasa Kalajdzic gäbe, wird unverblümt vermittelt.
Dann braucht es Reformen!
Sollte die fußballerische Führungsriege dieses Landes tatsächlich der Meinung sein, dass es ein Erfolg wäre, wenn es kurz- bis mittelfristig einfach nur nicht schlechter wird, dann sind tiefgreifende Reformen schleunigst gefragt. Und diese sollten deutlich über die intensiven Bemühungen, eine Multifunktionsarena in Wien errichten zu lassen, hinausgehen.
Sich hinter der Erzählung zu verstecken, bei der WM 2026 eben an den beiden späteren Finalisten gescheitert zu sein, wäre fatal.
Harald Prantl