ÖFB: Rückkehr zum eigenen Anspruch?
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ÖFB: Rückkehr zum eigenen Anspruch?

Sasa Kalajdzic und Michael Gregoritsch haben Österreich im letzten Gruppenspiel ein Debakel erspart. Nach drei durchwachsenen Auftritten muss sich das ÖFB-Team gegen Spanien steigern.

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass Ralf Rangnick ORF-Moderator Rainer Pariasek live im Fernsehen um einen Kopf kürzer gemacht hat.

Dieser hatte es gewagt, dem Teamchef zu einem Unentschieden gegen Weltmeister Frankreich zu gratulieren. Einige Tage nach dem Beinahe-Desaster gegen Algerien stellt sich die Frage, wie viel von der damals implizit formulierten Ambition übrig geblieben ist.

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Glimpflich davongekommen

In manchen Ecken der Fangemeinde nicht viel, möchte man meinen. Mit drei gegen Jordanien ergatterten Punkten auf dem Konto wurde der Rechenschieber ausgepackt:

Wollen wir gegen Algerien lieber gewinnen oder verlieren? Welchen Gegner hätten wir denn gerne im Sechzehntelfinale? Auf keinen Fall die Spanier, immerhin haben sie - kurzer Blick auf den Spielplan - vier Zähler aus Spielen gegen Kap Verde und Saudi-Arabien mitgenommen.

Mehr Kampfgeist war vom ÖFB-Team zu erwarten. Man werde nicht taktieren, hieß es im Vorfeld. Also stellt man sich in Österreich den Wecker auf eine unchristliche Uhrzeit oder schlägt sich viele Stunden Nacht um die Ohren, um das dritte WM-Spiel zu zelebrieren.

Jubel nach dem Last-Minute-Ausgleichstreffer
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Jubel nach dem Last-Minute-Ausgleichstreffer

Über die beiden Gegentore hätte man wohl noch hinweggesehen. Das Fußballspielen nach 75 Minuten einzustellen, war dem Anlass aber unwürdig.

Mit seinem erlösenden Tor zum 3:3 hat Sasa Kalajdzic den ÖFB vor einer historischen Blamage bewahrt. Sie wäre selbstverschuldet gewesen, und eine komplette Antithese zu jenem Anspruch, den der Teamchef eigentlich verkörpern sollte.

Entwicklung läuft in falsche Richtung

Rangnick ist es in den letzten Jahren gelungen, den Fokus vom Erreichen von Minimalzielen auf die Maximierung des eigenen Leistungspotenzials zu verschieben.

Auch mit ehrlichen Ambitionen kann man auf die Nase fallen - jene Spiele, in die Österreich aber nicht zumindest eine 'fighting chance' hatte, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Kritiker sind deshalb zurecht mehr und mehr verstummt.

Ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft scheint diese Entwicklung erstmals seit langem wieder in eine falsche Richtung zu laufen.

Ungewohnte Herangehensweise

Symptomatisch dafür war Rangnicks Analyse nach dem Algerien-Spiel. Auf seiner Pressekonferenz machte er gerade noch davor Halt, Riyad Mahrez nach einem Fußballspiel aus einem Tor einen Strick zu drehen. Dabei hätte sich Österreich gar nicht erst in eine bedrohliche Lage bringen dürfen.

Schon das Auftaktspiel gegen Jordanien hielt man zu lange spannend. Gegen Argentinien war das ÖFB-Team auf eine aufwendige und disziplinierte, letztlich aber konservative Spielweise bedacht.

Von intensivem Pressing - lange das Markenzeichen dieser Mannschaft - war wenig zu sehen. Auch ein klares Offensivkonzept blieb man schuldig. Weil es der Weltmeister ist, mit dem man sich gemessen hat, lässt sich das akzeptieren.

Es braucht bessere Ideen

Gegen Spanien ist Österreich klarer Außenseiter, aber keinesfalls chancenlos. Uruguay hat im letzten Gruppenspiel eine Vorlage dafür geliefert, wie man den Europameister mit taktischen Mitteln ärgern kann: Frühes Stören, starker Druck auf Rodri, eine breit gefächerte Defensive.

Österreichs Außenverteidiger brauchen eine Steigerung
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Österreichs Außenverteidiger brauchen eine Steigerung

Vor allem die Außenverteidiger werden am Donnerstag im Fokus stehen. Nach schwachen Leistungen von Stefan Posch und Phillipp Mwene wird es frische Ideen brauchen, um sie abzusichern.

Bisher hinterließ das ÖFB-Team einen phasenweise behäbigen Eindruck. Räume wurden zu langsam geschlossen. Einige Zweikämpfe wurden ungewohnt inkonsequent geführt.

Ohne eigenen Treffer wird der Einzug ins Achtelfinale wohl schwierig. Kommen könnte er über eine Standardsituation oder eine Umschaltmöglichkeit. Spaniens Hintermannschaft glänzt in der Rückwärtsbewegung nicht mit Tempo. Auf Sprinter hat Rangnick bei der Kadernominierung verzichtet.

Österreich muss nicht gewinnen

Man kann und sollte aus der entscheidenden Szene positive Schlüsse ziehen: Die Mannschaft hat auch mit dem Rücken zur Wand nicht aufgegeben. Der Zusammenhalt ist intakt.

Unter diesen Voraussetzungen kann man sich im Sechzehntelfinale teuer verkaufen.

Österreich muss gegen Spanien nicht gewinnen. Österreich muss aber wieder wie Österreich spielen.

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